Kantig geschrieben für Männer
Warum schauen mitgenommene Männer oft so mitgenommen aus?
- Leopold Krendl -
Es muss wohl der x-te Elternabend im Kindergarten oder in der
Volksschule meiner Tochter gewesen sein, als mir so richtig bewusst
wurde, dass ich wieder einmal als einziger Mann ohne dazugehörige
Frau daran teilnahm.
Ich war wohl nicht der einzige Mann überhaupt, die anderen Männer
waren jedoch von ihren Frauen „mitgenommene Männer“. Irgendwann
stellte ich mir einmal die Frage: „Warum schauen mitgenommene Männer
oft so mitgenommen aus?“
Warum tun die sich das an?
Da ich überhaupt sehr gerne Menschen beobachte, nahm ich an einigen
solcher Abende die mitgenommenen Männer ins Visier. Die Sitzhaltung
war verkrampft bis teilnahmslos, manchmal gespannt, so, als ob sie
ja nicht das Ende der Veranstaltung versäumen wollten, um als erster
den Saal verlassen zu können. Es gab nervöses Trommeln auf die Tischplatte,
permanenten Blick auf die Uhr oder hektisches Rutschen auf dem Sessel.
Während die Frauen sich engagierten, mitschrieben und sich rege
zu Wort meldeten, gab es bei den jeweils dazugehörigen Männern stummes
Ertragen, Aussitzen und Gähnen. Fallweise fiel mir auch auf, dass
Männer von ihren Frauen gedrängt wurden, doch endlich dieses wichtige
Anliegen - welches sich die Frau anscheinend nicht zu sagen traute
- bei der Lehrerin vorzubringen. Der Fairness halber muss ich noch
dazu fügen, dass es selten, aber doch, vorkam, dass sich an solch
einem Abend beide Eltern engagierten. Diese Tatsache löste bei mir
manchmal leichten Neid aus, da meine Frau und ich selten Zeit hatten,
zu zweit an einem Elternabend aufzukreuzen. Aber zurück zu den mitgenommenen
Männern. Immer wieder stellte ich mir die Frage: „Warum tun sich
die das an?“ Natürlich, einerseits könnte man sagen, es ist besser,
sie gehen überhaupt mit als gar nicht. Andererseits vermute ich,
dass so einem Elternabend oft endlose Diskussionen und Streitereien
vorausgehen, bis endlich beide bei der Veranstaltung erscheinen.
Und das kostet unnötige Energie. Das jeweilige Verhalten ist dann
verschieden: Frauen treten die Flucht nach vorne an und nehmen aktiv
teil, Männer treten den inneren Rückzug an und schauen mitgenommen
aus.
Männer, entscheidet euch!
Falls Frauen meinen Artikel lesen, möchte ich sie bitten : Drangsaliert
eure Männer nicht an solchen Abenden teil zu nehmen, wenn sie nicht
einen Funken Interesse daran zeigen. Es ist letztlich kontraproduktiv.
Den Männer gesagt: Trefft eine klare Entscheidung! Wenn euch Elternabende
absolut nicht interessieren, dann bleibt zu Hause. Vielleicht könnt
ihr euch auf andere Weise für eure Kinder engagieren. Wenn ihr euch
allerdings Zeit nehmt, an einem solchen Abend teil zu nehmen, dann
tut dies mit Engagement und wachem Interesse, ob allein oder in
Begleitung. Ich persönlich habe mich für den zweiten Weg entschieden
und bereue dies keine Sekunde.
Unbezahlbare Stunden im Interesse meines Kindes
Ich hatte das große Glück, dass ich mit meiner damals zwei- bis
vierjährigen Tochter zwei Jahre lang wöchentlich eine Spielgruppe
für Mütter - pardon Eltern - und Kinder besuchen konnte. Da meine
Frau keine Zeit hatte und mir das Wohl meiner Tochter am Herzen
lag, ging ich mit ihr dort hin. Ich war Monate lang der einzige
männliche Teilnehmer. Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit machte,
waren vielfältig. Sicher ist jedenfalls, dass das gemeinsame Spielen
für die Beziehung zwischen meiner Tochter und mir von unschätzbarem
Wert war. Später war es für mich klar, Elternabende im Kindergarten
und in der Schule zu besuchen. Anfängliche Unsicherheit wich immer
mehr sicherem und engagiertem Auftreten. Trotzdem passierte es mir
immer wieder, dass Frauen sonderbar auf mein Erscheinen reagierten,
was von Erstaunen über Mitleid bis unverhohlenem Neid ging. Von
den mitgenommenen Männern wurde ich übrigens meistens ignoriert.
Falls doch einmal ein zweiter eigenständiger Mann teilnahm, freute
ich mich besonders und suchte den Kontakt zu ihm. Mein abschließendes
Resümee: Es lohnt sich, seinen Mann auch an Orten zu stellen, die
überwiegend von Frauen und einigen mitgenommenen Männern bevölkert
werden.
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Ich war wohl nicht der einzige Mann beim Elternabend, die anderen
waren jedoch von ihren Frauen „mitgenommene Männer“.
Foto:
Wodicka
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