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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Mai 2001  
 
Kantig geschrieben für Männer

Warum schauen mitgenommene Männer oft so mitgenommen aus?

- Leopold Krendl -

Es muss wohl der x-te Elternabend im Kindergarten oder in der Volksschule meiner Tochter gewesen sein, als mir so richtig bewusst wurde, dass ich wieder einmal als einziger Mann ohne dazugehörige Frau daran teilnahm.

Ich war wohl nicht der einzige Mann überhaupt, die anderen Männer waren jedoch von ihren Frauen „mitgenommene Männer“. Irgendwann stellte ich mir einmal die Frage: „Warum schauen mitgenommene Männer oft so mitgenommen aus?“

Warum tun die sich das an?

Da ich überhaupt sehr gerne Menschen beobachte, nahm ich an einigen solcher Abende die mitgenommenen Männer ins Visier. Die Sitzhaltung war verkrampft bis teilnahmslos, manchmal gespannt, so, als ob sie ja nicht das Ende der Veranstaltung versäumen wollten, um als erster den Saal verlassen zu können. Es gab nervöses Trommeln auf die Tischplatte, permanenten Blick auf die Uhr oder hektisches Rutschen auf dem Sessel. Während die Frauen sich engagierten, mitschrieben und sich rege zu Wort meldeten, gab es bei den jeweils dazugehörigen Männern stummes Ertragen, Aussitzen und Gähnen. Fallweise fiel mir auch auf, dass Männer von ihren Frauen gedrängt wurden, doch endlich dieses wichtige Anliegen - welches sich die Frau anscheinend nicht zu sagen traute - bei der Lehrerin vorzubringen. Der Fairness halber muss ich noch dazu fügen, dass es selten, aber doch, vorkam, dass sich an solch einem Abend beide Eltern engagierten. Diese Tatsache löste bei mir manchmal leichten Neid aus, da meine Frau und ich selten Zeit hatten, zu zweit an einem Elternabend aufzukreuzen. Aber zurück zu den mitgenommenen Männern. Immer wieder stellte ich mir die Frage: „Warum tun sich die das an?“ Natürlich, einerseits könnte man sagen, es ist besser, sie gehen überhaupt mit als gar nicht. Andererseits vermute ich, dass so einem Elternabend oft endlose Diskussionen und Streitereien vorausgehen, bis endlich beide bei der Veranstaltung erscheinen. Und das kostet unnötige Energie. Das jeweilige Verhalten ist dann verschieden: Frauen treten die Flucht nach vorne an und nehmen aktiv teil, Männer treten den inneren Rückzug an und schauen mitgenommen aus.

Männer, entscheidet euch!

Falls Frauen meinen Artikel lesen, möchte ich sie bitten : Drangsaliert eure Männer nicht an solchen Abenden teil zu nehmen, wenn sie nicht einen Funken Interesse daran zeigen. Es ist letztlich kontraproduktiv. Den Männer gesagt: Trefft eine klare Entscheidung! Wenn euch Elternabende absolut nicht interessieren, dann bleibt zu Hause. Vielleicht könnt ihr euch auf andere Weise für eure Kinder engagieren. Wenn ihr euch allerdings Zeit nehmt, an einem solchen Abend teil zu nehmen, dann tut dies mit Engagement und wachem Interesse, ob allein oder in Begleitung. Ich persönlich habe mich für den zweiten Weg entschieden und bereue dies keine Sekunde.

Unbezahlbare Stunden im Interesse meines Kindes

Ich hatte das große Glück, dass ich mit meiner damals zwei- bis vierjährigen Tochter zwei Jahre lang wöchentlich eine Spielgruppe für Mütter - pardon Eltern - und Kinder besuchen konnte. Da meine Frau keine Zeit hatte und mir das Wohl meiner Tochter am Herzen lag, ging ich mit ihr dort hin. Ich war Monate lang der einzige männliche Teilnehmer. Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit machte, waren vielfältig. Sicher ist jedenfalls, dass das gemeinsame Spielen für die Beziehung zwischen meiner Tochter und mir von unschätzbarem Wert war. Später war es für mich klar, Elternabende im Kindergarten und in der Schule zu besuchen. Anfängliche Unsicherheit wich immer mehr sicherem und engagiertem Auftreten. Trotzdem passierte es mir immer wieder, dass Frauen sonderbar auf mein Erscheinen reagierten, was von Erstaunen über Mitleid bis unverhohlenem Neid ging. Von den mitgenommenen Männern wurde ich übrigens meistens ignoriert. Falls doch einmal ein zweiter eigenständiger Mann teilnahm, freute ich mich besonders und suchte den Kontakt zu ihm. Mein abschließendes Resümee: Es lohnt sich, seinen Mann auch an Orten zu stellen, die überwiegend von Frauen und einigen mitgenommenen Männern bevölkert werden.

Ich war wohl nicht der einzige Mann beim Elternabend, die anderen waren jedoch von ihren Frauen „mitgenommene Männer“.

Foto: Wodicka



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr