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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Mai 2001  
 
Der Mensch ist nicht als Rund-um-die-Uhr-Wesen konstruiert!

Neue Öffnungszeiten verschärfen alte Probleme!

- Erwin Burghofer -

Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten

Anfang April unternahm Wirtschaftsminister Bartenstein einen neuen Vorstoß zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Sein Plan sieht die Freigabe zwischen Montag null und Samstag 17.00 Uhr und eine Erhöhung der Wochenöffnungszeit von 66 auf 72 Stunden vor. Neben der Freigabe der Öffnungszeiten ist auch eine Streichung der Regelung, wonach Beschäftigte die Samstag nachmittag arbeiten, den darauf folgenden Samstag frei bekommen müssen, geplant. Der Entwurf sieht weiters die Einbeziehung von Frisören, Banken, Reisebüros, Wechselstuben, Copyshops, Kosmetiksalons und Fotografen vor.

Einstieg in die Sonntagsöffnung

Die Regelung, das auf Bahnhöfen Lebensmittel auf Verkaufsflächen bis 200 qm und in Tankstellen auf Flächen bis 80 qm, verkauft werden dürfen, ist ein Einstieg in die generelle Sonntagsöffnung. „Das ist ein eklatanter Vertrauensbruch gegenüber den Handelsangestellten. Die Samstagregelung war immer als Kompensation für die Verlängerung der Beschäftigung am Samstagnachmittag vereinbart. Nach vier Jahren will jetzt ein Herr, der den Titel Arbeitsminister trägt, den Pakt brechen und den Beschäftigten das freie Wochenende stehlen“, kritisiert Erich Reichelt, zuständiger Wirtschaftsbereichsleiter in der GPA. Zudem stelle der Vorschlag neuerlich einen Eingriff in die bestehenden Kollektivverträge dar. Darüber hinaus bringe der Bartenstein-Entwurf Verschlechterungen für Berufsgruppen, die weit über den Bereich der Handels-angestellten hinaus gehen. Auch der Bundesobmann des ÖAAB Dr. Werner Fassl-abend sprach klare Wort: „Im Interesse von einer Viertelmillion Handelsangestellten sagen wir zu den derzeit in der Öffentlichkeit diskutierten Plänen, Geschäften die Öffnung bis in die Nachtstunden zu gestatten ein klares Nein.“

Ex- Familienminister - Arbeitsminister

„Es scheint den Arbeitsminister nicht zu stören, das die Lebensqualität vieler Menschen darunter leiden würde. Bereits jetzt sind viele Kinderbetreuungseinrichtungen nicht ausreichend an den Bedürfnissen von berufstätigen Eltern orientiert. Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten wird die Lage für viele Familien noch weiter verschärfen. Gerade als Ex-Familienminister sollte Bartenstein wissen, dass er mit den Vorschlägen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verhindere“, meint auch die ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits.

Gefährdung der Nahversorgung

Eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten bis in die Nacht würde zudem die kleinen Versorgungsbetriebe gefährden, die sich ein solches rund-um-die-Uhr-Offenhalten nicht leisten könnten. Darunter würde auch die Nahversorgung leiden, die ohnehin schon in vielen Regionen kaum mehr vorhanden ist. Eine Regelung, wie sie derzeit diskutiert wird, würde ausschließlich den großen Handelsketten nützen. Die Politik darf nicht den Fehler machen und sich deren Diktat unterwerfen. „Flexibilisierung der Arbeitszeit“ Eine von ArbeitnehmerInnen in der Vergangenheit gefordertes Modell - hat so eine vollkommene Umkehrung erfahren. Immer weniger geht es heute darum, das ArbeitnehmerInnen durch flexiblere Arbeitszeitmodelle Familie und Beruf unter einen Hut bringen können, vielmehr sollen sie - je nach Bedarf - dann z. B. an den Supermarktkassen sitzen, wenn sich mehr als fünf Kunden anstellen. Dann - und nur dann - werden sie auch dafür bezahlt.

Wer hat die Herrschaft über seine/ihre Zeit?

Richten wir uns nach dem Wohl der Familien und besonders der Kinder oder versuchen wir durch Arbeitszeitmodelle und Öffnungszeiten Betriebsstätten und Maschinen besser auszulasten um Gewinne zu erhöhen. Menschen sind nicht als „Rund-um-die-Uhr-Wesen“ konstruiert. Sie brauchen die Stunden des Schlafens und des Träumens, sie brauchen die geregelten Zeiten um etwas gemeinsam unternehmen zu können und Beziehungen zu pflegen und sie brauchen auch die Gewissheit nicht in fünf Jahren zum „alten Eisen“ zu gehören, für das schon dringend Entsorgungsmöglichkeiten gesucht werden.

Erwin Burghofer
Katholische Arbeitnehmer Bewegung

 

 



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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr