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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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    Juni 2001  
 
Fragen Sie den „rufer“ - Es antwortet Angelika Walser, Mitarbeiterin der theolog. Kurse, Wien

Gibt es die Sonntagspflicht noch?

Ja, es gibt sie noch - die Sonntagspflicht!
Laut Kirchenrecht besteht sie in der Mitfeier der Eucharistie und in der Erholung für Geist, Leib und Seele. Die Wertschätzung des Sonntags hat viele gute Gründe. Die Apostelgeschichte (ca. 100 n.Chr.) erzählt, dass sich die Anhänger Jesu am „ersten Wochentag“ trafen, um miteinander „das Brot zu brechen“ (Apg 20,7). Die Tageszählung übernahmen sie aus der jüdischen Tradition. Ein neuer christlicher Name für den ersten Wochentag taucht auf: „Tag des Herrn“. Er geht auf den Apostel Paulus zurück, der in seinem Brief an die Gemeinde von Korinth (ca. 50 n.Chr.) vom „Herrenmahl“ spricht (1 Kor 11,20).
Die Gemeinschaft um Jesus Christus feierte mit ihrem Mahl also das, was wir auch heute noch jeden Sonntag feiern: Der Herr ist auferstanden. Übrigens: In romanischen Sprachen wie im Spanischen ist die Bezeichnung „Tag des Herrn“ heute noch erhalten (domingo). Doch auch unsere Bezeichnung „Sonn-Tag“ aus dem Germanischen passt gut, denn wir glauben ja: Unser Herr ist die wahre Sonne.
Mit Jesus Christus geht also sozusagen die Sonne auf! Schade, dass man uns das nicht ansieht! Was da so sonntags in die Kirche hinein- und aus der Kirche hinausschleicht, gleicht oft eher einem Begräbniszug. Aus dem Jubel anlässlich des Sieges des Lebens über den Tod ist eine Pflicht geworden, die von den noch Anwesenden eben abgesessen wird. Gestresste priesterliche „Sakramentomaten“, die nur noch funktionieren; teilnahmslose Gemeinden; unverständliche Formelsprache; hilflose Organisten, die „halt irgendwas spielen“ - die Ausstrahlungskraft unserer Sonntagsgottesdienste hält sich wahrlich in Grenzen. Dass jemand angesichts dieser Pflichtveranstaltung seine angeborene Sonntagsfaulheit überwindet, halte ich persönlich für unwahrscheinlich. Ich habe dagegen die Erfahrung gemacht: Wo eine Gemeinde über die Gestaltung ihrer Sonntagsmesse nachdenkt, da tut sich einiges. Ich meine damit nicht „mehr action“. Ich meine damit: Ein stärkeres Bewusstsein für das, was wir da feiern. Mehr Sensibilität für den inneren Zusammenhang von Gesten, Worten und Musik. Deswegen werden die Massen trotzdem nicht in unsere Kirchen hineinströmen! Aber die Menschen, die am Sonntag gestärkt und hoffnungsvoll aus der Kirche herauskommen, werden ihre Wirkung sicher nicht verfehlen!

Angelika Walser,
wissenschaftliche Mitarbeiterin
der theologischen Kurse, Wien



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr