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   Das Online Magazin der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

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Glauben Männer anders?

 

 
    Jänner/Februar 2003
 
Ein Interview mit Bischof Charles Gabriel Palmer-Buckle (Ghana)

Freund der Menschen sein!

Heute steigt im „christlichen Abendland“ die Zahl der Kirchenaustritte. Anderswo ist die katholische Kirche im Vergleich zum Islam oder fernöstlichen Religionen zwar in der Minderheit, aber dafür von innen mit Leben erfüllt. Was denkt ein Afrikaner, wenn er heute auf Europa blickt?

Bischof Charles Gabriel Palmer-Buckle aus der Diözese Koforidua in Ghana ist Präsident der Caritas Afrika und Vizepräsident der Caritas International. Für sein unermüdliches Engagement in der Bildungsarbeit und den Kampf für soziale Gerechtigkeit wurde er 2002 von der Katholischen Männerbewegung Österreichs mit dem Erzbischof-Romero-Preis ausgezeichnet.
Für den rufer sprach Bernhard Herzberger mit ihm über seinen persönlichen Glaubensweg, fragte, was für ihn „Kirche“ bedeutet und konfrontierte ihn mit der Situation der beiden Kontinente Europa und Afrika.

Zeit haben: für Gott und füreinander

rufer: Herr Bischof, in Ghana spielt die katholische Kirche erst seit rund 120 Jahren eine Rolle. 15,3 Prozent der Bevölkerung sind bekennende Katholikinnen und Katholiken.
Wie haben Sie den Glauben an Christus für sich entdeckt?

C. Palmer-Buckle: Eine große Rolle spielte meine Familie, in der es schon vor vier Generationen die ersten Christen gab. Das ist außergewöhnlich für Ghana. Grund dafür ist, dass mein Urgroßvater - wahrscheinlich als Sohn eines Sklaven - 1856 in England geboren wurde. Dort gehörte er der anglikanischen Kirche an. Erst mein Vater und meine Mutter wechselten die Kirche. Ich selbst wurde sozusagen schon „katholisch“ geboren und christlich erzogen. Als ich neun Jahre alt war, zogen wir in die Hauptstadt Ghanas, nach Accra. Dort wirkten Steyler Missionare aus Deutschland. Einer der Patres war ein großes Vorbild für mich. Dass ich einmal Priester werden wollte, sagte ich meinem Vater schon mit zehn Jahren. Mit dreizehn kam ich ins Gymnasium. Später ging ich zum Studium nach Rom.

rufer: Heute sind Sie Bischof. Worin sehen Sie Ihre Aufgaben?

C. Palmer-Buckle: Meine erste Aufgabe ist es, ein Freund der Menschen zu sein. Ich will mithelfen, ihre Sorgen zu tragen und sie auf dem Weg des Lebens begleiten, wie Jesus es für uns getan hat.

rufer: Wenn Sie heute „Kirche“ in Afrika und Europa betrachten, gibt es hier Unterschiede?

C. Palmer-Buckle: Ja, in Afrika merkt man das Wachsen der Kirche, die jung und sehr lebendig ist. Es gibt sehr Viele, die einsteigen. Unsere Leute sind froh in der Kirche und sie haben Zeit für die Eucharistiefeier und Zeit füreinander. In Europa ist die Kirche sehr alt geworden, sie ist nicht so lebendig, wie sie sein könnte. Es gibt sehr große Spannungen zwischen Klerus und Gläubigen und wenig Möglichkeiten über die Probleme zu reden. Es scheint, jeder will seinen Willen behalten, durchhalten, nicht weg von seiner Meinung.

Teilen: andere und sich selbst bereichern

rufer: Worin liegt der Grund für diese Unterschiede?

C. Palmer-Buckle: Ich denke, die Ursache ist mehr kulturell als kirchlich bedingt. In Europa glaubt jeder, seine Meinung durchsetzen zu müssen. Man merkt das auch in der Politik. Man muss in Europa wieder mehr Zeit füreinander finden. Der Individualismus ist hier ein bisschen zu stark - gemeinsames Leben viel zu schwach geworden.

rufer: Was würden Sie der Kirche und den Menschen in Europa, in Österreich, mit auf den Weg geben?

C. Palmer-Buckle: So wie Christus für seine Jünger viel Zeit gehabt hat, mit ihnen gegessen hat, sich zu ihnen gesetzt und mit ihnen geredet hat, so sollte man sich auch in der Kirche mehr Zeit füreinander nehmen und die Wege Christi zu Freundschaft und Gemeinschaft finden.
In der Politik finde ich das schwindene Engagement der westlichen Industriestaaten in Afrika bedenklich.
Europa ist sehr reich von Gott begnadet und begabt, aber nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt. Ich habe manchmal den Eindruck, Europa wird zu einer Befestigung, einer Burg gemacht, schließt sich ganz langsam ab. Das ist eine große Gefahr. Europa kann mehr schenken und teilen, ohne dass es dadurch ärmer wird. Wer teilt, bereichert nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst.

rufer: Danke für das Interview.

Bischof Charles Gabriel Palmer-Buckle, Romero-Preis-Träger 2002 aus Ghana: "Meine erste Aufgabe ist es, ein Freund der Menschen zu sein. Ich will mithelfen, ihre Sorgen zu tragen und sie auf dem Weg des Lebens begleiten, wie Jesus es für uns getan hat



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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr