Josef Muhr
Und sie bewegen sich doch
Männerbilder im Umbruch

Alltagsroutine, wie auch Überraschungen prägen unser Leben in Familie und Beruf. Zeitweise treiben uns die Zeit und die Umstände ganz schön vor sich her. Nicht
selten attackieren wir dann das Leben selber, setzen es unter Druck, um es in den Griff zu bekommen oder in Griff zu behalten. Die Sehnsucht das Leben nach den eigenen Talenten und nach dem inneren Tempo gestalten zu können, wird im Keim erstickt, als unrealistisch, träumerisch und für Weicheier abgetan.
Die Niederungen des Alltags und die Geschäftigkeit erzeugen weiterhin trügerische Sinnhaftigkeit, bis dass man-n ent-täuscht ist. Das Leben selber scheint eine Eselsgeduld zu haben und trägt uns, so gut es kann.

Wir machen gute Miene zum riskanten Spiel und handeln wie der Herr Karl drauf los: wissen zwar nicht ganz so genau wohin die Lebensreise gehen soll, aber dafür sind wir um so schneller dort. In dieser Spannung und Selbsttäuschung geht´s dann schon einige Jahre dahin; das Leben selber, unser Körper, trägt´s bis sich Unzufriedenheit, Miss-mut, Niedergeschlagenheit und/oder körperliche Krankheiten einstellen. Sie sprechen dann eine recht deutliche Sprache, stellen Fragen an unsere Gewohnheiten, fordern Einkehr, Umkehr oder auch Rückkehr zu den Wurzeln und Visionen des Lebens, die vielleicht ja schon einmal da waren.Was und wie lebst du?Ist das alles? Bist du in der richtigen Spur? Lebst du auch von innen heraus? Bist du deinen Lebens-träumen treu, mit ihnen in Kontakt, oder vertröstest du sie schon über Jahre auf einen späteren Zeitpunkt? Oder - etwas radikal: Du könntest dir auch deine zukünftige Grabstein- inschrift vorstellen, wo drauf steht, was du so alles in deine Lebensscheune als Ernte eingebracht haben wolltest? Was möchtest du, dass da einmal draufsteht, wenn du sie selber schreiben könntest? Worauf ist es letztlich wirklich angekommen?Und was tust du schon jetzt dafür?Achtsamkeit gegenüber mir und meinen Umwelten ist dabei eine Qualität, die uns wieder zu Frieden und Gleichklang in mir wie auch in den Beziehungen, in denen ich lebe, führen kann.

Achtsamkeit ist eine vielfach verloren gegangene Qualität des Daseins, ist eine Haltung, die zuerst in die Langsamkeit führt, in ein Innehalten, in die Leere, bis ein wenig die Schlacke des geschäftigen Tuns und des Verhaftet-Seins in Hektik und Außersich-Sein abfällt und wir nackt vor uns stehen; das macht Angst, bringt das Blut zum Schwitzen, die Nacht im Ölberg. Achtsamkeit ist ein Weg wieder Kontakt und Vertrauen in das Leben, das uns trägt zu gewinnen. Achtsamkeit ist bei sich einkehren, etwas dazu beitragen, dass wir uns selber wie einen teuren Gast behandeln. Und wenn die Angst der Nacktheit am größten wird, und wir den Versuchungen der emotionalen und strukturellen Machtausübungen in Beziehungen und Organisationen, in denen wir leben, den Verführungen des Geldes, irgendwelcher hohler Traditionen, Fremdbestimmungen, falscher Scham, widerstehen und uns los-lösen von aufrecht gehaltenen Emotionen der Wut, des Neides, von Rachegelüsten und Schuldgefühlen, von festgefahrenen Gedankengängen und Bildern, und die Verlassenheit am größten ist, dann rollt der Stein vom Grabe weg, und es ist gewiss: wir sind erlöst in den Fluss des Lebens uns zu begeben, und selbst da noch einmal los-zu-lassen und sich ihm anvertrauen. PS:
Manche hartnäckig Un-gelöste sagen dann immer, dass man ja dann nicht mehr arbeiten würde, und dass es utopisch sei, dass es keine Schmerzen mehr geben solle; darum geht es dabei aber nicht: Arbeit und Schmerzen bleiben, aber sie sind dann Teile von mir, die ich annehme und als zu mir gehörig respektiere und achte. Eins könnte jedoch schon sein, dass sich sonst einiges in meinem Leben verändert haben könnte.

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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr