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TAG DER OFFENEN TÜR
1 JAHR MÄNNERBERATUNG ST. PÖLTEN
Heitzlergasse 2, Eingang 2
Freitag 14. Nov.

12.00 - 16.00 Tag der Offenen Tür
der Männerberatung St. Pölten
13.00 Präsentation: 1 Jahr Männerberatung St. Pölten



Öffentlicher VORTRAG
mit Joachim Lempert (Hamburg)

19.30
„Was tun, wenn Burschen gewalttätig werden?“
(Eine Kooperation von MB, KMB, RFP, HH)
Bildungshaus St. Hippolyt

Zuvor - ab 19.00 sind sie eingeladen die Präsentation 1 Jahr Männerberatung St. Pölten, (NÖ Mitte-Waldviertel-Mostviertel), der Männerarbeit der Kath. Männerbewegung und Posters zur Männerarbeit in NÖ zu besichtigen.

FACHTAGUNG
mit
Joachim Lempert (Hamburg)

„Macht und Ohnmacht
der Männer“

Samstag 15. Nov.
9.00 - 17.00
Bildungshaus St. Hippolyt

Der Vortrag am Freitag Abend ist eine wertvolle Hinführung zur Fachtagung; jedoch kann die Fachtagung auch ohne Vortragsbesuch gebucht werden - der Referent berücksichtigt diesen Umstand.

Hör auf ..!

1. St. Pöltner Männerforum
 
Am 14. und 15. November findet das
1. St. Pöltner Männerforum mit dem Titel „Macht und Ohnmacht der Männer“ im Bildungshaus St. Hippolyt statt. Als Referent konnte Joachim Lempert - ein europaweit anerkannter Fachmann in der Arbeit mit Gewalttätern - gewonnen werden. Ich will in diesem Artikel stark verkürzt die vier Irrtümer beschreiben, die es J. Lempert nach in Bezug auf gewalttätige Männer gibt; und in einem jeweils zweiten Schritt die Verbindung zu einer Gewaltberatung herstellen, die zwischen Herrn Mayer (Name geändert) und mir stattgefunden hat, damit Sie, lieber Leser, erkennen, dass gewalttätige Männer, Männer wie Sie und ich sind.

Irrtum 1:
Der Täter - ein Monster
Zitat Lempert: Diesem Täterbild zufolge ist Gewalt für den Täter regelmäßig das Mittel der Wahl, um einen Konflikt zu lösen. Sie sind körperlich überlegen und nützen das aus. Sie sind sprachlich unterlegen, eher ungebildet, bisweilen sogar dumm. Wenn sie Alkohol getrunken haben, sind sie besonders gefährlich. Kurz gesagt, sie sind unbelehrbare Schläger, denen das schon von weitem anzusehen ist. - Als Herr Mayer, der früher des öfteren gegenüber seiner Partnerin gewalttätig war, zu mir kommt, sehe ich mich einem gepflegten Mann mit guten Umgangsformen gegenüber. Er arbeitet in einer Spedition, verfügt über ein gutes Einkommen, und da er handwerklich sehr geschickt ist, hat er sein Einfamilienhaus praktisch im Alleingang gebaut.

Irrtum 2:
Täter sind sozial auffällig
Zitat Lempert: In Wirklichkeit sind Gewalttäter bemerkenswert unauffällig. Sie sind so unscheinbar, dass in jeder Zeitungsmeldung über jemanden, der seine Frau seine Kinder und am Ende auch sich getötet hat, steht: Die Nachbarn waren völlig überrascht. Der war doch so ruhig, so unscheinbar. Neben dem Fehlen von Aggressionen - die meist mit Gewalt verwechselt werden - finden wir ein weiteres Phänomen bei Gewalttätern: Sie sind sozial nicht nur angepasst, sie sind überangepasst. Sich für die eigenen Belange einzusetzen, erfordert konstruktiv eingesetzte Aggressionen. Dazu sind Gewalttäter kaum oder gar nicht in der Lage. - Herr Mayer ist ein Typ mit dem man schwer streiten kann. „Wenn der Ton passt, kann man von mir alles haben“, sagt er immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen. Somit ist er ein Mitarbeiter, der immer zu Überstunden bereit ist, ein Nachbar, dessen Nachbarschaftshilfe grenzenlos ist, ein Mann, der natürlich aufgrund seines hohen Arbeitseinsatzes immer ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Partnerin hat und daher seine Freizeit ganz nach ihr ausrichtet. Wenn er das in der Beratung alles so erzählt, dann bleibt mir die Luft weg, und ich spür die Last auf den Schultern - er nicht!

Irrtum 3:
Gewalt dient der Machtausübung
Zitat Lempert: Allgemeingut ist die Behauptung, es gehe dem Täter um die Ausübung von Macht. In der Begegnung mit realen Tätern erkennt man völlig anderes: Kein Täter schlägt in einer Situation, in der er sich psychisch stark und physisch kraftvoll fühlt. Ebenso wenig schlägt er zu, um den Konflikt zu lösen, bzw. in der Absicht ein Problem aus der Welt zu schaffen. Gewalt wird in Situationen ausgeübt, in denen der Täter nicht mehr weiß, in denen er nicht versteht, was geschieht, und in denen er seiner drohenden Ohnmacht zu entkommen versucht. Gewalt ist ein Abwehrverhalten. - Herr Mayer wurde immer dann gegenüber seiner Partnerin gewalttätig, wenn er sich ganz klein fühlte. Wenn er nur noch ganz leise reden konnte, mit einer Partnerin als Gegenüber, die im positiven Sinne aggressiv ihre Positionen vertrat, wusste was sie will und was nicht und emotional präsent war. Die Unfähigkeit für sich selbst couragiert einzustehen und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, erlebte er als totale Ohnmacht - und die wehrte er mit Gewalt ab.

Irrtum 4:
Täter sind auch nur Opfer

Zitat Lempert: Das Auffälligste an Tätern ist ihr Selbstverständnis. Genau genommen gibt es - aus ihrer Sicht - keine Gewalt, sie haben sich nur „gewehrt“.
Diesem Selbstbild liegt folgende Struktur zu Grunde: Der Täter trägt für seine Tat keine Verantwortung, die liegt beim anderen, vorzugsweise beim Opfer. Wenn das Opfer sich anders verhalten hätte, hätte der Täter nicht zuschlagen müssen, lautet diese Logik. - Dieser Verführung erliegt natürlich auch Herr Mayer. Denn obwohl er sagte „jetzt nicht“ oder „hör auf“ musste sie immer gerade jetzt reden und hörte nicht auf - also doch irgendwie ihre Schuld ...
Das war für mich die bedeutendste Stelle im Beratungsverlauf. Herr Mayer, der am Anfang der Beratung immer vom „black out“ sprach, wenn es darum ging, die Gewaltszene und die Zeit unmittelbar davor zu beschreiben, erkannte, dass er vor jeder Gewalthandlung 2 - 3mal „die Temperatur wechselte“. Kein Opfer sein, sondern Verantwortung für sich und seine Handlungen zu übernehmen, hieß ab sofort in so einer Situation den Raum zu verlassen und damit seine Partnerin und sich selbst zu schützen.Um Gewalt (auch die subtileren Formen) in der Familie und in anderen Kontexten zu beenden, die Entstehung der Gewalt besser zu verstehen und um couragiert dagegen aufzutreten, braucht es oft Beratung. Die kann man sich holen z. B. in einer Männerberatungsstelle.

Literatur:
Handbuch der Gewaltberatung - Hrsg. Männer gegen Männer-Gewalt

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Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr