Es
ist immer wieder beeindruckend, wenn in der Osternacht beim Gloria die Glocken
von neuem eingeschaltet werden. Die Boten der Freude künden die Auferstehung
Jesu an. In der hl. Messe feiern wir Jesus als den, der wahrhaft lebt.
Selbst
der Dichterfürst Goethe konnte nicht daran vorbei gehen. In seinem Faust
halten gerade die Osterglocken den lebensmüden Faust von seinem Selbstmord
ab, wenn er sagt: Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton zieht mit Gewalt
das Glas von meinem Munde? Obwohl er dann wieder spöttelnd weiter spricht:
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, so lässt
er sich zu einem Gefühlsausbruch hinreißen, wenn er fast flehend ruft:
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder! Die Träne quillt,
die Erde hat mich wieder!
Ist nicht auch bei uns beides vorhanden, auf
der einen Seite die Unsicherheit bis hin zur Skepsis, auf der anderen Seite die
Freude über unseren Glauben? Wir sind damit in bester Gesellschaft mit den
Aposteln.
Gemischte
Gefühle der Apostel
Sie
haben auch seit der Nacht des Gründonnerstags viele gegensätzliche Gefühle
durchlebt. Die Begeisterung für diesen Jesus, dem sie so gerne gefolgt sind.
Sie haben ihn zwar nicht immer verstanden, aber es war so wohltuend, was er gesagt
hat. Dieser Jesus hat ihnen das Abendmahl als Gedächtnis aufgetragen. Er
hat sie in den Abschiedsreden, die uns Johannes so eindrucksvoll hinterlassen
hat, belehrt. Er hat ihnen vorausgesagt, dass er sterben werde und dass sie an
ihm irre werden. Und trotzdem finden wir Sätze von Jesus wie: Dies
habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in
Bedrängnis; aber ich habe die Welt besiegt! (Joh 16,33). Im Kapitel
vorher nennt Jesus seine Jünger liebevoll Freunde, für die er sein Leben
aufopfern will (vgl. Joh 15,14).
Er
ist wahrhaft auferstanden!
Doch
dann kommt die Katastrophe des Karfreitags. Alles ist scheinbar aus. Scheinbar!
Denn an diesem ersten Tag der Woche, dem Ostertag, erfahren die Apostel, dass
er lebt. Nicht das leere Grab ist der Beweis, nicht die Frauen zählen, die
ihnen schon von der frohen Botschaft der Auferstehung berichten, die sie erfahren
haben, sondern die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst.
Ergriffen
sein vom Auferstandenen
Auch
wenn wir keine reale Begegnung mit dem Auferstandenen haben, wie es die Apostel
erlebt haben, so dürfen wir doch diesem Jesus als den Lebendigen feiern.
Wir dürfen ihm dienen. Wir dürfen dem Leben dienen. Was Jesus den Aposteln
in den Abschiedsreden gesagt hat, gilt uns. Wo manchmal kein Ausweg scheint, dürfen
wir Neues wagen. Wo manchmal ein Ende scheint, dürfen wir neu beginnen. Wo
wir etwas begraben haben, dürfen wir auferstehen. Als Freunde Jesu können
wir handeln und sagen wir seine Botschaft weiter. Pfr. GR Richard Jindra