Christoph
Tanzer: Ich erwarte mir von den älteren Menschen schon die Einsicht,
dass man im Alter nicht mehr soviel Geld benötigt wie jemand mit 20 oder
30 Jahren, der in das Berufsleben einsteigt, seine Existenz aufbaut, eine Familie
gründet, ein Haus baut oder eine Wohnung einrichtet.
Uli
Hofstetter: Ich befinde mich selbst in dieser Lage. Ich bin mitten in der
Familiengründung, habe einen kleinen Sohn mit einem Jahr und mir wird es
wirklich nicht leicht gemacht, dass ich arbeiten gehe. Dann soll ich auch noch
einen Teil von dem, was ich verdiene der älteren Generation als Pension geben.
Und dann ist es nicht einmal sicher, ob ich jemals etwas davon zurückbekomme.
Ich glaube nicht, dass mir meine Kinder einmal die Pension zahlen werden.
Christoph
Tanzer: Von der Politik her finde ich es unverantwortlich, sich nur nach der
größten Wählerschar zu richten. Die Pensionisten werden immer
mehr. Auf sie wird das Parteiprogramm abgestimmt. Das ist weder nachhaltig noch
vorausschauend.
Fritz
Prand: Die Politik wird aber vornehmlich nicht von Pensionisten gemacht, sondern
von Menschen die im Arbeitsprozess stehen. Die Pensionisten und ihre Anliegen
werden selbst oft missbraucht. Ich glaube auch nicht, dass es bei ihnen keine
Einsicht gibt. Es stimmt sicher nicht, dass die Pensionisten nicht bereit sind,
über die Höhe ihrer Pension zu diskutieren. Es gibt viele, die mit einer
bescheidenen Pension auskommen müssen. Und dann gibt es Personen, die mehrere
Pensionen beziehen. Dort müsste eigentlich der Sparstift angesetzt werden.
Uli
Hofstetter: Die Pension wird künftig nach dem derzeitigen System nicht
mehr leistbar sein. Es war so, dass zwei oder drei Werktätige einen Pensionisten
erhalten haben. Wenn ich einmal alt bin, ist es umgekehrt: dann wird ein Werktätiger
zwei oder drei Pensionisten zu erhalten haben. Es muss klar sein, dass das nicht
mehr gehen kann. Und es ist vom System her schlecht, wenn heute immer noch Personen
zwei oder drei Pensionen erhalten. Da fehlt es noch weithin an Einsicht. Es ist
ja klar, dass man den Mindestpensionisten nichts wegnehmen kann. Aber Mehrfachpensionen
sind nicht notwendig, wenn dadurch der soziale Friede zerstört wird.
Pfr.
Richard Jindra: Man muss auch die andere Seite sehen. Viele Pensionisten verwenden
ihre Pension dazu, ihren Kinder und Enkelkindern zu helfen. Da wird noch viel
umverteilt.
Christoph
Tanzer: Das geht nur dort, wo auch Kinder sind. Das ist auch freiwillig, aber
nicht im System. Wo aber keine Kinder da sind, kann die ältere Generation
ihr Geld anhäufen. Dieses fehlt dann den jungen Familien, die ihre Existenz
gründen wollen. Und dann soll diese Generation auch noch die ältere,
die ohnehin genug besitzt, erhalten. Da muss man sich wirklich fragen, ob das
Geld wirklich der Abdeckung der grundlegenden Bedürfnisse dient oder für
manche nur reiner Luxus ist. Diese Diskrepanz verträgt unser System in Zukunft
nicht mehr.
Fritz
Prand: Es ist Aufgabe des Staates, die vorhandenen Mittel gerecht zu verteilen.
Ich kann auch nicht verstehen, dass Abfangjäger gekauft werden und nach dem
EU-Beitritt noch immer so viele Abgeordnete notwendig sind wie vorher, ohne Brüssel.
Im öffentlichen Bereich könnte noch viel eingespart werden. Die Logik
sagt ja: wenn in einem Bereich die Kosten steigen, muss in einem anderen gespart
werden.
Christoph
Tanzer: Der Staat zieht sich heute zunehmend aus seiner Verantwortung zurück,
es wird privatisiert. Dabei gibt es auch Bereiche, wo das nicht passieren darf,
etwa beim Gesundheitssystem, oder auch bei der Pensionsvorsorge. Da stellt man
sich dann die Frage, welche Pension wir einmal erhalten werden. Ich sehe derzeit
keinen Ausweg.
Uli
Hofstetter: Die Politiker haben in den vergangenen Jahren vornehmlich ihr
Klientel versorgt. Nun werden endlich einmal jene Fragen angesprochen, denen man
lange ausgewichen ist.
Es stimmt schon, dass viele ältere Menschen ihren
Kindern und Kindeskindern finanziell helfen. Das ist gut, aber es ist nicht überall
so. Oft gibt es zwischen den Generationen auch Differenzen. Und dann ist diese
Hilfe schlecht verteilt. Man soll auch nicht immer nur über die heutigen
Pensionen sprechen, sondern sich vielmehr fragen, wie wir unseren Kindern eine
halbwegs sichere Zukunft schaffen können.
Pfr.
Richard Jindra: Natürlich. Ohne Kinder kann man auch keine Zukunft aufbauen.
Die Generationen müssen wieder lernen, mehr aufeinander zu schauen: die ältere
auf die jüngere und umgekehrt. Vieles in dieser Hinsicht geschieht heute
freiwillig, etwa dass die Jüngeren die Älteren pflegen.
Uli
Hofstetter: Da sind vor allem die jungen Frauen gemeint.
Pfr.
Richard Jindra: Schon. Aber die Älteren können auch auf die Kinder
der jüngeren schauen und diese so entlasten. Dieses Zusammenleben kann nicht
von oben dirigiert werden. Der Staat soll und kann auch nicht alles bestimmen.
Dazu muss es aber noch ein gewaltiges Umdenken in den Beziehungen zwischen den
Menschen geben.