Während
der Regierungszeit der Kaiser Diokletian und Maximian wurde wieder eine Christenverfolgung
angeordnet. ...
In jenen Tagen kam der Befehl der gotteslästerlichen Fürsten
nun auch in die Provinz Ufernorikum.
Statthalter war Aquilinus. Er begab sich
in das Lager Lauriacum und begann sogleich energisch, die Christen aufzuspüren.
Vierzig dieser Heiligen wurden aufgegriffen, lang dauernden Folterqualen ausgesetzt
und in den Kerker geworfen.
Ich
muss zum Statthalter nach Lauriacum gehen
Der
ehemalige Kanzleivorstand des Statthalters, der heilige Florian, kam freudig den
Gläubigen zu Hilfe. Als er nämlich in seinem Wohnort bei der Stadt Cetium
(St. Pölten) von den Ereignissen in Lorch gehört hatte, sagte er zu
den Seinen: Ich muss zum Statthalter nach Lauriacum gehen und dort viele
Martern für den Namen Christi auf mich nehmen. Dann verabschiedete
er sich von den Seinen und machte sich auf den Weg.
Als Florian in die Nähe
von Lauriacum gekommen war, betrat er die Brücke, die dort über den
Fluss führt. Da begegnete er ehemaligen Militärkameraden, die auf Befehl
des Statthalters unterwegs waren. Als er sie fragte, was sie vorhätten, antworteten
sie ihm: Hast du nicht von den Erlässen der Kaiser gehört, die
an den Statthalter gelangt sind und die befehlen, dass alle Leute den Göttern
Opfer darbringen müssen. Wer das nicht tun will, soll durch verschiedene
Quälereien umkommen.
Was
sucht ihr noch nach anderen?
Als
der heilige Florian dies hörte, sagte er: Brüder und Kameraden,
was sucht ihr noch nach anderen? Auch ich bin ein Christ. Geht zum Statthalter
und meldet ihm, dass ich Christ bin und dass ich hier bin.
Die Soldaten
nahmen ihn fest und führten ihn zum Statthalter. Dabei sagten sie: Warum
sollen wir nach anderen Christen suchen, wenn sich unser Kanzleivorstand Florian
als Christ bekennt?
Der Statthalter sagte: Florian, was erzählt
man da von dir? Komm, opfere den Göttern, wie dies ich und deine Kameraden
tun und du wirst mit uns am Leben bleiben und nicht wie die Verächter der
Götter nach den Befehlen der Kaiser bestraft. Der heilige Florian gab
zur Antwort: Das werde ich nicht tun. Du aber handle nach deiner Vorschrift.
Herr,
gib mir Kraft durchzuhalten
Da
wurde der Statthalter zornig und befahl, Gewalt gegen Florian anzuwenden, damit
er, wenn auch widerwillig, den Göttern opfere. Der heilige Florian aber erhob
seine Stimme zum Herrn und sprach: Herr, mein Gott, auf dich habe ich gehofft
und dich kann ich nicht verleugnen, sondern dir diene ich und dir bringe ich das
Lobopfer dar. Deine Rechte beschütze mich, denn dein Name wird gepriesen
im Himmel und auf der Erde. Herr, gib mir Kraft durchzuhalten und nimm mich unter
deine heiligen Streiter auf, die schon vor mir deinen heiligen Namen bekannt haben.
Bekleide mich, Herr, mit dem glänzenden Gewand deiner Macht und stärke
mich in deinem heiligen Geist. Lass nicht zu, dass ich vom Teufel überwältigt
werde, sondern sei mir Führer auf dem Weg deiner machtvollen Gerechtigkeit,
dass ich dich preisen und dir ein Loblied singen kann. Du bist gepriesen in Ewigkeit.
Amen.
Wahngebilde
bete ich nicht an
Als
aber der Statthalter Aquilinus dies hörte, verhöhnte er ihn und sprach:
Was redest du da für törichtes Zeug und verspottest die Befehle
der Herrscher? Opfere den Göttern!
Der heilige Florian erwiderte:
Als ich noch irdischen Kriegsdienst versah, habe ich schon im Geheimen meinen
Gott verehrt. Schon dort konnte der Teufel von mir nicht Besitz ergreifen. Du
hast zwar Gewalt über meinen Körper, aber meine Seele kannst du nicht
anrühren. Herr über sie ist nur Gott. Bis heute habe ich den Befehlen
der Richter Folge geleistet. Ich habe gehorcht, wie es sich für einen Soldaten
gehört. Zu einem Opfer an die Dämonen aber kann mich niemand überreden.
Das hilft ihnen ohnedies nichts. Wahngebilde bete ich nicht an.
Da geriet
der Statthalter in Wut und befahl ihn mit Prügeln zu schlagen. Der heilige
Florian aber sagte: Tobe nur, soweit du Macht über meinen Körper
hast. Das habe ich dir schon zugestanden. Wenn du aber wissen willst, dass ich
deine Folter nicht fürchte, so zünde einen Scheiterhaufen an und im
Namen meines Gottes steige ich hinauf. Die Soldaten aber begannen ihn wieder
zu schlagen. ... Der heilige Florian aber sang mit froher Miene Loblieder so,
als ob er sich in einem Zustand von Freude und großer Fröhlichkeit
befände. Da befahl der Statthalter, mit spitzen Eisen seine Schulterblätter
zu brechen. Daraufhin lobte der heilige Florian Gott noch mehr und bekannte, dass
er immer Christ sein werde.
Herr
Jesus Christus,
nimm meine Seele entgegen
Der
Statthalter geriet völlig außer Fassung, fühlte sich in allen
Punkten besiegt und sprach über Florian das Todesurteil. Er befahl, ihn zum
Ennsfluss zu führen und dort von der Brücke hinabzustürzen. Es
war der 4. Mai. Nachdem der heilige Florian den Urteilsspruch vernommen hatte,
ging er voll Freude zum ewigen Leben, das der Herr denen verheißen hat,
die ihn lieben. Mit heiterer Miene schritt er dahin, als ob er zum Bad geführt
würde. Sie kamen zu der Stelle, wo sie ihn hinunterstürzen sollten.
Dort banden sie einen großen Stein an seinen Hals. Florian aber bat die
Soldaten der Eskorte, sie möchten ihm ein Gebet zu Gott erlauben. Aufrecht
stehend wandte sich der heilige Florian nach Osten, streckte seine Hände
zum Himmel aus und begann zu sprechen: Herr Jesus Christus, nimm meine Seele
entgegen... Er betete ungefähr eine Stunde lang. Die Soldaten erfasste
Ehrfurcht und sie scheuten sich, ihn anzurühren. Da kam ein wütender
junger Mann herbei und schrie sie an: Was steht ihr da und führt den
Befehl des Statthalters nicht aus? Während er dies sagte, stieß
er Florian von der Brücke in den Fluss. Florians Augen brachen. Alle Umstehenden
konnten es sehen.
Der Fluss nahm den Märtyrer Christi auf, erschrak aber
und die hochgehenden Wellen legten seinen Leichnam an einem herausragenden Uferfelsen
ab. Da kam auf Gottes Geheiß ein Adler und beschützte den Leichnam
mit seinen kreuzförmig ausgespannten Schwingen.
Dann offenbarte sich der
heilige Florian einer tiefgläubigen Frau, damit sie ihn an einem geheimen
Ort in der Erde bestatte.
Die eingangs erwähnten 40 Bekenner sind während
der geschilderten Ereignisse im Kerker umgekommen.
Dies ist geschehen in Lorch
in Ufernorikum in den Tagen der Christenfeinde Diokletian und Maximian. Statthalter
war Aquilinus gewesen. Regiert aber hat unser Herr Jesus Christus. Ihm gebührt
Ehre und Ruhm in Ewigkeit. Amen.