Ist die Frau krank?

Trotz wachsender Toleranz haben es Karenzväter oder Männer in Teilzeitarbeit in der Öffentlichkeit nicht immer leicht. „Auf dem Spielplatz oder in einer Spielgruppe ist man(n) oft der Außenseiter, oder wird sehr kritisch beäugt“, berichtet der Techniker Franz. „Komische Blicke gibt es manchmal auch, wenn ich mit meiner Tochter alleine beim Arzt auftauche“, ergänzt der Tischler Andreas.
Der Familienberater und in Teilzeit arbeitende Hermann hat die Erfahrung gemacht: „In der Straßenbahn ernte ich manch besorgten Blick, ob ich das mit dem Kinderwagen auch alleine schaffe.“ Aber inzwischen tritt er auch mit einem Maß an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen auf. „Die Leute gewöhnen sich letztlich rasch daran - und im öffentlichen Raum bewegen sich immer mehr Männer, die Zeit mit ihren Kindern verbringen.“ Dabei würde es nicht um die Frage gehen, ob ein Vater oder eine Mutter besser mit den Kindern umgeht: „Ich erlebe es so, dass sowohl meine Lebensgefährtin, meine Kinder als auch ich selbst von der Möglichkeit des intensiveren Kontakts sehr profitieren“, betont Hermann. Und auch am Arbeitsplatz geht Manches leichter als vorher.
„Natürlich ist es auch eine gehörige Umstellung“, meint der Industriekaufmann Klemens. „Für mich war es sehr wichtig, Kontakt zu anderen Vätern zu suchen und mit diesen gemeinsam etwas zu unternehmen. Denn es gibt einfach Themen, die ich lieber mit anderen Männern behandle.“ Das bedeutet nicht Ausgrenzung, sondern bringt zusätzliche Qualität und Bereicherung für die Beziehungsarbeit.


Dieses Weihegebet wurde beim Gottesdienst
bei der KMB-Frühjahrkonferenz 1995 gebetet.

Väterkarenz fördern

Der Einzelne, die Familie und das Unternehmen profitieren

Ab 1. April gilt das neue Recht auf Teilzeitarbeit zumindest in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Stärker gefördert werden müsste aber auch die Väterkarenz..


Zahlen aus den USA und anderen Ländern, sowie die Ergebnisse mehrerer aktueller Studien zeigen, dass sich Investitionen in ein beziehungs- und familienfreundliches Arbeitsumfeld schnell lohnen und zwar unabhängig vom speziellen Geschäftsfeld des Unternehmens. Dazu kommen Erfahrungen aus skandinavischen Ländern und einigen deutschen Unternehmen, die im Umfeld von betrieblicher Männerförderung besonders Maßnahmen zur Väterkarenz fördern:

- Männer, die in der Übernahme von Väterkarenz und damit einer aktiven Vaterschaft vom Arbeitgeber aktiv unterstützt werden sind loyaler zu ihrem Unternehmen,
- identifizieren sich stärker mit dessen Zielen,
- sind gerne an ihrem Arbeitsplatz
- und sind so z. B. nach Rückkehr aus der Karenz spürbar motivierter.


Männer verfügen nach Beendigung einer intensiveren Familienphase über zusätzliche soziale und kommunikative Kompetenzen, die sich für das Unternehmen auch in ökonomischer Hinsicht rasch bezahlt machen. Denn es sinken Fehlzeiten insgesamt und auch im Arbeitsalltag tauchen weniger Reibungsflächen auf bzw. wird mit diesen besser umgegangen.

Beziehungen leben -
Stress senken

Dazu kommt: Männer gehen dann anders mit eigenen Grenzen um - diese werden weniger oft dauernd überschritten - Männer teilen ihre Ressourcen besser und effizienter ein, gehen besser mit fordernden Situationen und Stress um. Dies bedeutet auch ein achtsameres Umgehen mit dem eigenen Körper - auch im Alltagsleben. Es geht also letztlich um eine wichtige Maßnahme der Gesundheitsförderung. Da der Spannungsbogen zwischen Familie und Beruf besser bewältigbar ist, sinkt auch der Stress, der aus dem Feld der Beziehungs- und Familienwelt am Arbeitsplatz mitgenommen wird.

Insgesamt steigt die Motivation, die Leistungs- und Einsatzbereitschaft für eine ganzheitliche Gestaltung des Arbeitsumfeldes
- es gibt weniger kostenintensive Leerläufe und die Qualität der Ergebnisse - also der Produkte oder Dienstleistungen
- ist trotz gleichbleibendem Mitarbeiterstand höher.
Werden Männer bei der Inanspruchnahme von Väterkarenz und Modellen der Teilzeitarbeit gefördert ergeben sich auch Vorteile für das gesamte Familiensystem:
- Die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung sinkt
- allgemein ist das Beziehungsleben harmonischer und es ist damit mehr Kraft und Raum für einen guten Umgang mit Konflikten vorhanden.
- Kinder egal welchen Alters profitieren nach aktuellen Studien, wenn sich Väter stärker einbringen können - auch in diesem Bereich kann mit Konflikten besser umgegangen werden.
- Es sinkt auch die Wahrscheinlichkeit für Gewalttätigkeit.
- Und es ist mehr Raum und Zeit für den Auf- und Ausbau sowie die Pflege des sozialen Netzes vorhanden, das zu höherer Lebensqualität und stärkerer Zufriedenheit beiträgt.

Unternehmen können Väterkarenz und Teilzeitarbeit für Männer ebenso aktiv fördern wie das bei Frauen seit vielen Jahren selbstverständlich ist. Wichtig können dabei auch spezielle Angebote für Männer sein wie der Start von Gesprächsrunden zu Themen wie Umgang mit Stress, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Rolle als Vater usw.

Auf der WebSite www.maenneratlas.at finden sich bei der Dokumentation einer Tagung zum Themenfeld vom Vorjahr vielfältige Werkzeuge für eine solche Förderung. Dort wird auch eine große Bandbreite an guten Beispielen und Literaturtipps vorgestellt.

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Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr