1940
wurde er zum Militärdienst einberufen, auf Betreiben der
Heimatgemeinde aber zweimal als unabkömmlich
gestellt. Einer weiteren Einberufung wollte er nicht Folge leisten,
denn mitzukämpfen und zu töten, dass Hitler die ganze
Welt beherrschen könne, sah er als Sünde an. Wegen Wehrkraftzersetzung
wurde Franz Jägerstätter zum Tod verurteilt und am 9.
August 1943 in Brandenburg/ Havel enthauptet.
Zeuge für den biblischen Gott
In
seinen Aufzeichnungen schreibt Franz Jägerstätter: Gott
hat es ... klar genug gezeigt und ins Herz gelegt, mich zu entscheiden,
ob Nationalsozialist oder Katholik! Er hält
es für unvereinbar, Soldat Christi und zugleich Soldat für
den Nationalsozialismus zu sein, unvereinbar, für den Sieg
Christi und seiner Kirche und zugleich für die nationalsozialistische
Idee und für deren Endsieg zu kämpfen. Er weiß
sich vor die Alternative gestellt: Gott oder Götze, Christus
oder Führer bzw. Christus oder Satan. Franz Jägerstätter
bezeugt den biblischen Gott gegen die Götzen Hitlers.
In Mein Kampf bezeichnet Adolf Hitler das Christentum
als den ersten geistigen Terror. Hitlers Rassismus
kannte keinen Gott, vor dem alle Menschen gleich sind. Gott
war für Hitler nichts anderes als die Vorsehung, das
Naturgesetz. Dieser Rassismus war antireligiös, pseudo-mystisch
und pseudo-wissenschaftlich. Sich selbst verglich Hitler gern
mit dem arischen Jesus und sah sich als Vollender
der Werke Gottes. Im kleinen Kreis gab er immer wieder zu erkennen,
was auf die Endlösung der Judenfrage folgen musste:
die Beseitigung der Spuren, die das Judentum im Christentum und
damit in der europäischen Geschichte und in der Weltgeschichte
hinterlassen hatte. Im Kampf gegen das Christentum sah er die
Herausforderung und Notwendigkeit der Nachkriegszeit.
Das Leben als Bekenntnis
Franz
Jägerstätter war ein Dolmetscher Gottes in einer Zeit
der Gott und Menschen verachtenden Barbarei. Er verleiblichte
das Ich widersage des Taufbekenntnisses gegenüber
den Ver- lockungen und Verführungen des Bösen, gegen
Vergötzungen von Nation und Rasse und hielt dafür den
Kopf hin. Wie sollen wir Gott suchen ohne Verrat an der Wirklichkeit,
ohne Gott weltlos und damit die Welt gottlos zu denken? Franz
Jägerstätter bezeugte den personalen Gott als Herrn
und Freund des Lebens. Er brachte den Gott der Bibel existenziell
zur Sprache.
Franz Jägerstätter realisierte die Widerstandskraft
des Glaubens. Dabei war er alles andere als ein notorischer Neinsager,
ein Lebensverächter, ein bloßer Kritiker, ein Wirklichkeitsflüchtling.
Die Krisis des Glaubens hatte bei ihm nichts zu tun mit Aggressivität
oder abstrakter Lust am Widerstand. Er hatte die Gabe der Unterscheidung
der Geister. Bei dieser geht es um ein Sensorium, Entwicklungen,
die im Ansatz schon da sind, aber noch durch Vielerlei überlagert
werden, vorauszufühlen. Sie blickt hinter die Masken der
Propaganda, hinter die Rhetorik der Verführung, sie schaut
auf den Schwanz von Entwicklungen, z.B. was Versprechen von Arbeit
und Brot, nationales Selbstbewusstsein nach Demütigungen,
Verheißungen großer Siege u.ä. anlangt. Es geht
um ein Zu-Ende-Denken und Zu-Ende-Fühlen von Antrieben, Motiven,
Kräften, Strömungen, Tendenzen und möglichen Entscheidungen
im individuellen, aber auch im politischen Bereich. Was steht
an der Wurzel, wie ist der Verlauf und welche Konsequenzen kommen
heraus?
Prophet mit Weitblick
Entscheidend
ist die Frage, was auf Dauer zu mehr Trost, d.h. zu einem Zuwachs
an Glauben, Hoffnung und Liebe führt. Sie tritt der Destruktivität
des Bösen entgegen, das vordergründig unter dem Schein
des Guten und des Faszinierenden antritt. Unterscheidung der Geister
ist so gesehen ein Frühwarnsystem, eine Stärkung des
Immunsystems gegenüber tödlichen Viren.
Treiben wir nicht gerade in der jetzigen Zeit fast alle
mehr oder weniger ein falsches Spiel? Wissen wir denn nicht, dass
wir als gute und edle Früchte befunden werden müssen
um ins Himmelreich eingehen zu können? Es ist daher unmöglich,
dass Falschheit zur Vollkommenheit führen kann. Absolutes
und letztes Kriterium für die Unterscheidung der Geister
ist bei Jägerstätter der Wille Gottes: Keiner
irdischen Macht steht es zu, die Gewissen zu knechten. Gottes
Recht bricht Menschenrecht.
Jägerstätter war keiner, der der Mehrheit nach dem Mund
geredet hat. Er wollte sich nicht auf allgemeine Vorschriften
und Regeln ausreden. Er ist ein einsamer Zeuge des
Gewissens. Das Gewissen lässt sich für Jägerstätter
nicht durch die Autorität der Obrigkeit suspendieren.
Franz Jägerstätter ist ein Prophet mit einem Weitblick
und Durchblick, wie ihn damals die wenigsten seiner Zeitgenossen
hatten. Er ist Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, Anwalt
der Gewaltlosigkeit und des Friedens, Warner vor Ideologien. Er
ist ein gläubiger Mensch, dem Gott wirklich Mitte und Zentrum
des Lebens war. Aus einem gebildeten und reifen Gewissen heraus
hat er ein entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus gesagt und
ist wegen seiner konsequenten Weigerung, in Hitlers Krieg als
Soldat zu kämpfen, hingerichtet worden.