Vorbild - Franz Jägerstätter

Er ist Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens, Warner vor Ideologien. Er ist ein gläubiger Mensch, dem Gott wirklich Mitte und Zentrum des Lebens war. Aus einem gebildeten und reifen Gewissen heraus hat er ein entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus gesagt und ist wegen seiner konsequenten Weigerung, in Hitlers Krieg als Soldat zu kämpfen, hingerichtet worden.

 


Franz Jägerstätter

Katholik, nicht Nationalsozialist

Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 in St. Radegund (Diözese Linz) geboren. Den Nationalsozialisten verweigerte Jägerstätter von Anfang an jede Zusammenarbeit oder Unterstützung, denn Christentum und National- sozialismus waren für ihn völlig unvereinbar. 1997 leitete die Diözese Linz in Rom den Seligsprechungsprozess ein.

von Manfred Scheuer

1940 wurde er zum Militärdienst einberufen, auf Betreiben der Heimatgemeinde aber zweimal als „unabkömmlich“ gestellt. Einer weiteren Einberufung wollte er nicht Folge leisten, denn mitzukämpfen und zu töten, dass Hitler die ganze Welt beherrschen könne, sah er als Sünde an. Wegen Wehrkraftzersetzung wurde Franz Jägerstätter zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg/ Havel enthauptet.

Zeuge für den biblischen Gott

In seinen Aufzeichnungen schreibt Franz Jägerstätter: „Gott hat es ... klar genug gezeigt und ins Herz gelegt, mich zu entscheiden, ob Nationalsozialist – oder Katholik!“ Er hält es für unvereinbar, Soldat Christi und zugleich Soldat für den Nationalsozialismus zu sein, unvereinbar, für den Sieg Christi und seiner Kirche und zugleich für die nationalsozialistische Idee und für deren Endsieg zu kämpfen. Er weiß sich vor die Alternative gestellt: Gott oder Götze, Christus oder Führer bzw. Christus oder Satan. Franz Jägerstätter bezeugt den biblischen Gott gegen die Götzen Hitlers.
In „Mein Kampf“ bezeichnet Adolf Hitler das Christentum als den „ersten geistigen Terror“. Hitlers Rassismus kannte keinen Gott, vor dem alle Menschen gleich sind. „Gott“ war für Hitler nichts anderes als „die Vorsehung, das Naturgesetz“. Dieser Rassismus war antireligiös, pseudo-mystisch und pseudo-wissenschaftlich. Sich selbst verglich Hitler gern mit dem „arischen Jesus“ und sah sich als Vollender der Werke Gottes. Im kleinen Kreis gab er immer wieder zu erkennen, was auf die „Endlösung der Judenfrage“ folgen musste: die Beseitigung der Spuren, die das Judentum im Christentum und damit in der europäischen Geschichte und in der Weltgeschichte hinterlassen hatte. Im Kampf gegen das Christentum sah er die Herausforderung und Notwendigkeit der Nachkriegszeit.

Das Leben als Bekenntnis

Franz Jägerstätter war ein Dolmetscher Gottes in einer Zeit der Gott und Menschen verachtenden Barbarei. Er verleiblichte das „Ich widersage“ des Taufbekenntnisses gegenüber den Ver- lockungen und Verführungen des Bösen, gegen Vergötzungen von Nation und Rasse und hielt dafür den Kopf hin. Wie sollen wir Gott suchen ohne Verrat an der Wirklichkeit, ohne Gott weltlos und damit die Welt gottlos zu denken? Franz Jägerstätter bezeugte den personalen Gott als Herrn und Freund des Lebens. Er brachte den Gott der Bibel existenziell zur Sprache.
Franz Jägerstätter realisierte die Widerstandskraft des Glaubens. Dabei war er alles andere als ein notorischer Neinsager, ein Lebensverächter, ein bloßer Kritiker, ein Wirklichkeitsflüchtling. Die Krisis des Glaubens hatte bei ihm nichts zu tun mit Aggressivität oder abstrakter Lust am Widerstand. Er hatte die Gabe der „Unterscheidung der Geister“. Bei dieser geht es um ein Sensorium, Entwicklungen, die im Ansatz schon da sind, aber noch durch Vielerlei überlagert werden, vorauszufühlen. Sie blickt hinter die Masken der Propaganda, hinter die Rhetorik der Verführung, sie schaut auf den Schwanz von Entwicklungen, z.B. was Versprechen von Arbeit und Brot, nationales Selbstbewusstsein nach „Demütigungen“, Verheißungen großer Siege u.ä. anlangt. Es geht um ein Zu-Ende-Denken und Zu-Ende-Fühlen von Antrieben, Motiven, Kräften, Strömungen, Tendenzen und möglichen Entscheidungen im individuellen, aber auch im politischen Bereich. Was steht an der Wurzel, wie ist der Verlauf und welche Konsequenzen kommen heraus?

Prophet mit Weitblick

Entscheidend ist die Frage, was auf Dauer zu mehr Trost, d.h. zu einem Zuwachs an Glauben, Hoffnung und Liebe führt. Sie tritt der Destruktivität des Bösen entgegen, das vordergründig unter dem Schein des Guten und des Faszinierenden antritt. Unterscheidung der Geister ist so gesehen ein Frühwarnsystem, eine Stärkung des Immunsystems gegenüber tödlichen Viren.
„Treiben wir nicht gerade in der jetzigen Zeit fast alle mehr oder weniger ein falsches Spiel? Wissen wir denn nicht, dass wir als gute und edle Früchte befunden werden müssen um ins Himmelreich eingehen zu können? Es ist daher unmöglich, dass Falschheit zur Vollkommenheit führen kann.“ Absolutes und letztes Kriterium für die Unterscheidung der Geister ist bei Jägerstätter der Wille Gottes: „Keiner irdischen Macht steht es zu, die Gewissen zu knechten. Gottes Recht bricht Menschenrecht.“
Jägerstätter war keiner, der der Mehrheit nach dem Mund geredet hat. Er wollte sich nicht auf allgemeine Vorschriften und Regeln ausreden. Er ist ein „einsamer Zeuge“ des Gewissens. Das Gewissen lässt sich für Jägerstätter nicht durch die Autorität der Obrigkeit suspendieren.
Franz Jägerstätter ist ein Prophet mit einem Weitblick und Durchblick, wie ihn damals die wenigsten seiner Zeitgenossen hatten. Er ist Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens, Warner vor Ideologien. Er ist ein gläubiger Mensch, dem Gott wirklich Mitte und Zentrum des Lebens war. Aus einem gebildeten und reifen Gewissen heraus hat er ein entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus gesagt und ist wegen seiner konsequenten Weigerung, in Hitlers Krieg als Soldat zu kämpfen, hingerichtet worden.

[ Aktuell ]

 

pages by maworks

 
Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr