Buchtipp:
Hans Högl, Bin kein Tourist, ich wohne hier. Gemeinden im Stress.
Selbstverlag. Tel. o1/ 315 49 22. Preis: 14 € oder: hans.hoegl@chello.at

Ein Leben ohne Sonntag
hat keinen Sinn!

In Gemeinden und Dörfern mit Intensivtourismus sind neben Events auch Wochen-Enden ohne Arbeits-Ende erlebbar. Freie Tage für Angestellte im Gastgewerbe wurden mühsam erkämpft. Aber für viele im Gastgewerbe Tätigen, für Selbstständige und Vermieter/innen gibt es hier belastendste Wochen und keine Arbeitsruhe.

von Hans Högl

Das Leben dieser Dörfer wird im Übermaß fremdgesteuert, und das Gemeinschaftsleben kann intensiv gestört sein. Ja, es gibt vereinzelt menschlich kaputte Dörfer.
Malen wir es uns aus, wie es Arbeitern und Angestellten, Bauern und Bäuerinnen auch in Ostösterreich ergehen wird, wenn alles so großzügig (=liberal) „flexibilisiert“ wird, wie wir dies im Intensivtourismus erleben. Und dieses vieldeutige, verführerische Zauberwort Liberalisierung nahm noch vor einiger Zeit ein christdemokratischer Politiker zu oft in den Mund.
Doch machen wir uns die Sonntagsfrage nicht zu leicht: So vertrat ich in einem beiläufigen Gespräch mit einer Bürokraft die Auffassung, dass der Sonntag möglichst arbeitsfrei bleiben soll. Mein Gegenüber, die Sekretärin, sah mich von unten an, Sorgen spiegelten sich in ihren weit aufgerissenen Augen und sie bemerkte mit gedämpft bitterer Stimme: „Mein Mann ist seit Monaten arbeitslos, wir haben Haus gebaut, sind verschuldet und froh über jede Arbeit, wann immer wir sie bekommen, um uns über Wasser zu halten.“ Das Überleben steht hier scharfer Spannung zum grundsätzlichen Einhalten des Sonntags. Das entspricht selbst traditionellster Moral.
Nun ein Beispiel von Bäuerinnen. An die Männer gerichtet. In meinem Buch: „Bin kein Tourist, ich wohne hier. Gemeinden im Stress“ erwähne ich die Aussage einer Bäuerin, die Zimmer vermietet und für Gäste sogar am Sonntag aufkocht. Sie sagte bedauernd: „Jetzt habe ich nicht einmal einen Sonntag mehr!“. Diese Aussage rief Ärger in einer bäuerlichen Organisation hervor, in deren Broschüren Bäuerinnen empfohlen wird, in der ruhigen Zeit des Advents und auch zu den Weihnachtsfeiertagen Gäste aufzunehmen.

Weihnachten - ohne Gäste

Im Stubaital (Tirol) fragte ein Vater die Kinder nach ihrem Weihnachtswunsch: Wir wünschen Weihnachten nur mit Euch - ohne Gäste! Betroffen nahm sich der Vater ein Herz, schrieb den deutschen Gästen, sie möchten dieses Jahr erst am Christtag Abend kommen. Und die Gäste akzeptierten es.
Am Hl. Abend bei der Bescherung war ein Kind überglücklich und wälzte sich vor Freude auf dem Boden. Es hatte die Eltern einmal ganz für sich. Im übrigen: Die Kinder wünschen in diesem Ort ein paar Häuser, in denen n i c h t vermietet wird, um unbefangen spielen zu können.

Vorwärts zum
menschlichen Maß

Ja, es gibt ein Vorwärts zum menschlichen Maß, um in Gebirgsregionen vom und mit dem Tourismus zu leben und mit ihm umgehen zu können. Und die hügeligen und flachen Regionen können davon lernen und ihren Sinn für Feier und Fest und das Gemeinschaftsleben zu wahren. Und wenn ein Greißler kurz am Sonntag aufsperrt, dann drücken wir die Augen zu, wir tun es ja auch, wenn daheim gekocht wird.
Aber durchschauen wir jene Medienberichte, wenn von einer wachsenden Zahl von Sonntagsbeschäftigten die Rede ist. Hier ist der Wunsch Vater des Gedankens. Diese Faktenaussage enthält den versteckten Hinweis: Liberalisieren wir den Sonntag. Nein - so nicht.
Aber gewinnt nicht die Kirche, wenn Sie den Menschen am 8. Dezember vor Weihnachten erlaubt, einzukaufen? Diese Abwehrmauer einer Festung ist zu brüchig und lässt sich jetzt schon und wird sich nicht halten lassen. Also sind wir ein bisschen menschlicher. Auch in der Kirche menschelt es - manchmal zu sehr.

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Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr