In
einer Zeitung las ich im Jahr 1999, dass ein Herr aus Krems von
Krems aus auf den Spuren des Apostels Jakobus des Älteren,
bis nach Santiago de Compostela in Spanien pilgerte. Das beflügelte
auch mich. Den definitiven Anstoß dazu gab mir im Herbst
2003 mein Bruder Florian aus Laussa bei Losenstein. Er fragte
mich, ob auch ich bereit wäre, den ganzen Jakobsweg von Weistrach
bis Santiago bzw. weiter nach Finisterre am Atlantischen Ozean,
also bis ans Ende der Welt, wie die damaligen Pilger vor der Entdeckung
Amerikas, zu gehen. Mit Freude sagte ich ihm zu.
Ein Weg aus Dankbarkeit
Für
sich selber, nicht nur für ein paar Tage, sondern Wochen
Zeit nehmen, war eines der Beweggründe. Der Hauptgrund meiner
Pilgerreise war aber Gott zu danken für die Eltern, welche
mir einen festen Glauben und die weiteren Fähigkeiten, welche
man im Leben braucht, mitgegeben haben. Ein weiterer Dank an den
Herrgott für das gelungene Leben, die gelungene gesunde Familie
und für die Zufriedenheit. Ein weiterer Grund war, mit sich
selber in die Tiefe zu gehen, nachzudenken, woher komme ich und
wohin gehe ich, Distanz zu dem zu finden, was einen gefangen nimmt.
Bei dem wochenlangen zu Fuß-Pilgern kamen interessanterweise
alle Ereignisse und Erlebnisse vom Elternhaus wie in einem Film,
in ganz klarer Erinnerung. Meinem Bruder ging es ebenso. Wie die
Emmausjünger sprachen wir über Gott und die Welt. Wir
erkannten die enorme Wichtigkeit eines religiösen und geordneten
Elternhauses.
Glücklich
unterwegs
Bei
dem langen Pilgern ist mir besonders auch aufgefallen, wie wenig
man eigentlich fürs Leben braucht. Mit einem enormen Gottvertrauen,
ein klares Ziel vor Augen, den richtigen Weg nicht verlassen,
hat man gewonnen.
Das große Glück begann schon mit dem Pilgersegen durch
den Heimatpfarrer GR Anton Högl. Getragen habe ich mich gefühlt
durch das Mitbeten, Mitdenken und Mitfühlen durch die Pfarrbevölkerung.
Höhepunkt war die Erreichung des Zieles mit der Pilgermesse
am Grab des Hl. Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela.
Ergänzt wurde der Höhepunkt durch den überraschenden
Besuch in Santiago bzw. Finisterre vom Heimatpfarrer Högl
in Begleitung der Pfarrhaushälterin, meiner Frau und einem
Verwandten.
Versperrte
Kirchen
Besonders
aufgefallen ist mir, dass es nirgends mehr so schöne und
gepflegte Kapellen, Marterl, Wegkreuze, Bankerl, frische Quellen
und Bächlein und vor allem offene Kirchen gibt, wie in Österreich.
Erschüttert haben mich die vielen verschlossenen Kirchen,
speziell in Frankreich und Spanien. Hoffentlich kommt es bei uns
nicht soweit. Arg war es, wenn bei etwa 40 Grad der Wasservorrat
zu Ende ging und weder ein Haus noch eine Wasserschöpfmöglichkeit
vorhanden waren.
Auf jeden Fall war die Jakobspilgerreise ein großartiges,
bereicherndes, positives und unvergessliches Erlebnis. Vieles,
was ich früher kaum oder gar nicht beachtet hatte, hat heute
einen hohen Stellenwert. Was früher unbedankt und selbstverständlich
war, wird jetzt täglich mit Dankgebet entgegengenommen.
Der
Autor ist Pensionist in Weistrach