Rund um die Uhr
erreichbar
Die Telefonseelsorge ist unter der Notrufnummer 142 ohne Vorwahl erreichbar. Sie ist eine kirchliche Einrichtung und untersteht dem Pastoralamt. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr bereit. Alle Anrufe sind gebührenfrei. Es besteht die Möglichkeit, anonym zu bleiben. Vertraulichkeit und Verschwiegenheit werden garantiert.
Mailberatung:
www.telefonseelsorge.at.

 

Meine Pilgerreise
Mit Gottvertrauen und Rucksack quer durch Europa unterwegs

„Es ist natürlich einmal weiblicher zu reden“, sagt Barbara Stiefsohn von der Telefonseelsorge - und scheint damit - zumindest laut Statistik - Recht zu haben. Bis zu 40.000 Anrufe aus ganz Niederösterreich nehmen ihre Kolleginnen und Kollegen im Jahr entgegen, aber in nur 30 Prozent der Telefonate sind es Männer, die ihr Herz ausschütten, um Rat oder um Hilfe fragen.

von Karl Hinteramskogler

„Das hätte ich nie jemandem gesagt, der mir gegenüber sitzt“ - Ein Satz, den Barbara Stiefsohn von männlichen Anrufern gelegentlich zu hören bekommt. Männer legen sehr großen Wert auf Vertraulichkeit und auf Anonymität, weiß sie.

„Unser Ziel ist das Dasein und Zuhören“

Was bewegt Männer, den Notruf 142 der Telefonseelsorge zu wählen? - Scheidung, Trennung, Vereinsamung, Depression. Die Gründe sind mannigfaltig. „Unser Ziel ist das Dasein und Zuhören“, sagt Stiefsohn.

In drei verschiedene Arten lassen sich die Anrufe einteilen: Entlastungs-, Problem- und Krisengespräche. Entlastungs- und Problemgespräche machen mit jeweils etwa 40 Prozent den Hauptteil der Anrufe aus. Krisengespräche sind in der Minderheit. Dennoch kommen sie vor: „Das ist zum Beispiel, wenn jemand suizidgefährdet ist, also wenn er Suizidgedanken hat, dass man einfach mit ihm das aushält“, erzählt Stiefsohn.

„Ein Mann ruft erst an, wenn es ganz akut ist“

Das kommt auch bei Männern vor, denn, so Stiefsohn, „ein Mann wurschtelt sich durch und ruft dann erst an, wenn er wirklich ganz, ganz allein ist, wenn es ganz akut ist.“ Gerade bei Depressionen wollten oder trauten sich Männer selten um fremde Hilfe fragen.

Etwas anderes wäre das Entlastungsgespräch. „Da ruft wer an und sagt, mir geht es jetzt sehr schlecht, ich möchte darüber reden", erklärt Stiefsohn. „Der erwartet sich nicht einen Lösungsansatz, sondern braucht ein Überdruckventil.“ Bei einigen Männern wäre man da schon zu so etwas wie einer Ersatzfamilie geworden. - „Da gibt es Klienten, die jetzt seit zehn, zwanzig, dreißig Jahren anrufen. Die würden uns schon abgehen, wenn sie einmal eine Woche nicht anrufen.“

Bei Problemgesprächen werde vom Anrufer Wert auf einen Lösungsansatz gelegt. In diesen Fällen werde eigentlich zu hundert Prozent zu kompetenten Einrichtungen weitervermittelt, sagt Stiefsohn.

Ob es eigentlich Probleme gibt, wo bei Männern besonders oft der Schuh drückt? - „Ich kann es nicht statistisch verallgemeinern, nur diese Weihnachten war es so, dass viele Männer angerufen haben, die geschieden waren, die Kontakt zu den Kindern wollten. Die haben die Einsamkeit gespürt. Bei den Männern zwischen 35 und 50 war das ein Hauptthema“, erzählt die Mitarbeiterin der Telefonseelsorge.

Generell würden Männer sehr unter Trennungen und Scheidungen leiden, auch wenn sie es sich der Exfrau gegenüber nicht zuzugeben trauten. „Sie wollen gute Väter bleiben und machen sich wahnsinnige Gedanken, was aus den Kindern wird.“

„Männer werden nicht ausgelacht, wenn sie bei uns anrufen.“

Barbara Stiefsohn möchte Männern Mut machen, vielleicht schon früher zum Hörer zu greifen: „So eine Scheidung tangiert ja einen Mann genauso und nicht nur eine Frau. Männer werden nicht ausgelacht, wenn sie bei uns anrufen. Es ist keine Schande, wenn man über seine Probleme redet und sie könnten schon darüber reden, wenn das Problem anfängt, weil vielleicht kann man irgendwo hin vermitteln und vielleicht würde man gemeinsam einen Lösungsansatz finden.“

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verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr