Dennoch bleibt das Faktum der Historizität Jesu und seines Todes
sowie die Echtheit vieler biografischer Epochen- und Zeitangaben in
den Schriften des Neuen Testaments. Dabei sticht allgemein eine
höhere Datumsverlässlichkeit des Evangelisten Johannes gegenüber den
Synoptikern ins Auge. Berechnete man somit Jesu Todesdatum nach
Johannes, so wäre Jesus am Tag vor dem Pessach-Fest des Jahres 30 -
also am Freitag, 7. April, vor 1.980 Jahren - gestorben. Die
Entdeckung des leeren Grabes am Morgen des dritten Tages - also
Ostern - wäre somit am Sonntag, 9. April, des Jahres 30 erfolgt. Als
künftiger einheitlicher und feststehender christlicher "Ostertermin"
könnte mit guten Gründen somit der 9. April fixiert werden, meinen
manche (auch wenn ein fixer Ostertermin derzeit von den meisten
Kirchen abgelehnt wird).
Die unterschiedlichen Passionsdatierungen zwischen den drei früheren
Evangelien - den Synoptikern Matthäus, Markus, Lukas - und dem
späteren Johannes bedingen keine höhere Datumsverlässlichkeit der
"Alten", wie der Bibelwissenschaftler Rudolf Schnackenburg
eindrucksvoll dargelegt hatte. Grund dafür ist, dass die
Passionserzählungen der Synoptiker darauf abzielten, das letzte Mahl
Jesu als Pessach-Mahl auszugestalten, um ihren judenchristlichen
Hörern damit auszudrücken, dass ab sofort das eucharistische Mahl
als das wahre Pessach-Mahl zu verstehen sei.
Johannes hingegen unterließ diese redaktionell eingefügte Botschaft.
Ihm zufolge starb Jesus vielmehr - und mit hoher Wahrscheinlichkeit
traf dies historisch zu, meinen nicht wenige Bibelwissenschaftler -
wenige Stunden vor dem Beginn eines Pessach-Festes, und zwar an
einem Freitag. Für die Berechnung ist somit ein Festbeginn an einem
Freitag innerhalb der Zeitspanne 27 bis 32 n.Chr. relevant. Daraus
ergibt sich dann als Todestag Jesu der Freitag, 7. April, des Jahres
30.
In dem bibelwissenschaftlichen "Klassiker" des Bielefelder Theologen
Willibald Bösen "Der letzte Tag des Jesus von Nazaret" können
sämtliche Argumente für die Datierung "7. April 30" nachgelesen
werden.
(KAP)