Als verbindliche Verhaltensregel bei Missbrauchsfällen halten die
Bischöfe fest: "Entscheidend ist der klare und konsequente Umgang
der kirchlichen Verantwortungsträger mit konkreten Verdachtsfällen
und Vorwürfen. Die Sorge um die Opfer muss an erster Stelle stehen.
Entsprechende Konsequenzen für die Täter sind zu ziehen." Die
Bischöfe haben die Erarbeitung von österreichweit gültigen
detaillierten Standards dazu in Auftrag gegeben.
Basis für die österreichweite Regelung sollen bereits bestehende
Richtlinien sein, wobei die in der Erzdiözese Wien geltenden
Bestimmungen Vorbildcharakter hätten. Die Bischöfe verweisen in
diesem Zusammenhang darauf, dass die Diözesen in den vergangenen 15
Jahren eine Reihe von Maßnahmen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch
getroffen hätten. In allen Diözesen bestünden Ombudsstellen für
Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche.
Verbessert werden müsse allerdings noch die österreichweite
Vernetzung und Zusammenarbeit der diözesanen Ombudsstellen. Auch die
Männer- und Frauenorden in Österreich sollen in die Arbeit der
diözesanen Ombudsstellen offiziell eingebunden werden.
Zur Förderung von Bewusstseinsbildung und Prävention zur
Verhinderung sexuellen Missbrauchs soll es weiters vor allem eine
verstärkte Aus- und Fortbildung der kirchlichen haupt- und
ehrenamtlichen Mitarbeiter geben. Um all diese Maßnahmen rasch und
effektiv umsetzen zu können, hat die Bischofskonferenz eine
Projektgruppe eingesetzt, die bis zur Sommervollversammlung der
Bischofskonferenz im Juni ein detailliertes Gesamtkonzept
auszuarbeiten hat.
Fehlverhalten eingeräumt
Die Bischöfe räumen ein, dass in der Kirche in der Vergangenheit zu
Unrecht die Täter oft mehr geschützt worden seien als die Opfer.
Wörtlich heißt es dazu in der Erklärung: "Mit Scham und Trauer
stellen die Bischöfe fest, dass sich erst in den letzten Jahren in
der Kirche in Österreich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass bei
Missbrauchsvorwürfen nichts anderes zählt als die Wahrheit, die
allein frei macht."
Nur Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit würden dazu beitragen,
erlittene Wunden zu heilen, so die Bischöfe, die alle einladen, die
Missbrauch erlitten haben, sich an die Ombudsstellen der einzelnen
Diözesen zu wenden. Dort würden sie einen geschützten und
vertraulichen Rahmen für das Gespräch vorfinden. Ebenso fordern die
Bischöfe die Täter auf, ehrlich Rechenschaft zu geben.
Für sexuellen Missbrauch könne es nur Reue, die Bitte um Vergebung
und das Bemühen um Heilung der Wunden geben. Dies gelte in
besonderem Maß für die Kirche, an die zu Recht hohe ethische
Ansprüche gestellt werden.
Die Bischöfe zollen in ihrer Erklärung all jenen großen Respekt,
"die bereit sind, über ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch im
kirchlichen Umfeld zu sprechen". Es sei nur zu erahnen, "wie viel
Überwindung und Mut es braucht, die Erinnerung an erlittenen
Missbrauch in Worte zu fassen". Nur so ist die Begegnung mit der
befreienden Wahrheit möglich. Die Bischöfe zeigen zugleich auch
Verständnis für all jene, "deren Schmerz, Angst oder Wut noch zu
groß sind, um sich über den Missbrauch zu äußern".
Gesamtgesellschaftliches Problem
Pauschalverdächtigungen gegen Priester, kirchliche Mitarbeiter oder
die Kirche als ganze seien als ungerechtfertigt zurückzuweisen,
betonen die Bischöfe weiter. Sie weisen in der Erklärung aber auch
darauf hin, dass sexueller Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches
Problem darstellt: "Sexueller Missbrauch ist eine dunkle Seite der
ganzen Gesellschaft. Die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch
finden im familiären Umfeld und in anderen gesellschaftlichen
Bereichen statt."
Dieser Hinweis solle die Verantwortung der Kirche im eigenen Bereich
allerdings nicht kleinreden. Wörtlich heißt es in der Erklärung:
"Die Bischöfe wissen, dass für die Kirche hohe ethische Ansprüche
gelten, an denen sie zu Recht gemessen wird. Umso mehr wollen sich
die Bischöfe ihrer Verantwortung stellen und mit allen in der
Gesellschaft zusammenarbeiten, um sexuellen Missbrauch durch bessere
Prävention zu verhindern und entstandene Wunden zu heilen."
Bischofskonferenz fordert Sachlichkeit in der Asyl-Debatte
Die Bischöfe rufen in
der "Ausländer-Debatte" eindringlich zu einer "Abrüstung der Worte"
auf. Alle, die in der politischen Debatte Verantwortung tragen,
sollten die Themen Asyl, Migration und Integration mit der gebotenen
Sachlichkeit behandeln, heißt es in der Presseerklärung zum
Abschluss des Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz. Dies
gelte besonders angesichts der bevorstehenden
Wahlauseinandersetzungen.
Im Blick auf Menschen, die nach Österreich gekommen sind oder kommen
wollen, müsse klar zwischen Asyl, Migration und Integration
unterschieden werden, heißt es in der Erklärung. Bei Asyl gehe es um
ein international verbrieftes Menschenrecht, das ungerecht
Verfolgten Schutz garantiert. Daher gehe es nicht an, "dass Menschen
vorbeugend kriminalisiert und unter einen Generalverdacht gestellt
werden, nur weil sie Asyl suchen". Auch der Missbrauch eines
Grundrechts durch Einzelne rechtfertige nicht, dieses Grundrecht
unterschiedslos für alle einzuschränken oder gar in Frage zu
stellen, heben die Bischöfe hervor. Zugleich sprechen sie sich für
rasche und faire Asylverfahren aus.
Vom Recht auf Asyl klar zu unterscheiden sei das Phänomen der
Migration. Wörtlich halten die Bischöfe fest: "Ein Blick auf die
letzten 150 Jahre zeigt, dass es in Österreich Phasen des Kommen und
des Gehens, der Einwanderung und der Auswanderung gegeben hat. Es
liegt an den politischen Verantwortungsträgern, diesen Vorgang mit
Augenmaß zu gestalten."
Den Themen Asyl und Migration gemeinsam sei die Frage nach dem
richtigen Weg für eine gelungene Integration zum Wohl für alle
Betroffenen. Gelungene Integration brauche ein Gesamtkonzept, das
auf mehreren Säulen ruht: Bildung, Wohnraum, Beschäftigung,
Mitbestimmung. Der Spracherwerb sei dabei ein Schlüsselthema, so die
Bischofskonferenz. Die Bischöfe zeigen sich überzeugt, dass
Integration ein wechselseitiger Prozess ist, der von Seiten der
Aufnahmegesellschaft wie von Seiten der Zuwanderer Anstrengungen
verlange.
Sie erinnern in ihrer Erklärung daran, dass ein Großteil der
Zuwanderer - unter denen nicht wenige Katholiken sind - sich
problemlos in Österreich integriert hätten. Gelungene Integration
sei für alle Beteiligten ein Gewinn. "Die Kirche kann in diesem
Bereich viel konkrete Erfahrung einbringen; sie leistet in der
Seelsorge mit den vielen anderssprachigen katholischen Gemeinden
einen wichtigen Beitrag, damit Integration gelingt und gleichzeitig
Identität gewahrt bleibt", heißt es in der Erklärung wörtlich.
Eine Grundvoraussetzung für Integration sei freilich, dass
Zuwanderer die unbedingte Geltung der Menschenrechte, der
demokratischen Verfassung und der gleichberechtigten Stellung von
Mann und Frau anerkennen müssen.
Armutsbekämpfung als Dauerauftrag
Große Sorgen bereitet den Bischöfen die zunehmende Armut in
Österreich. Sie verweisen auf den jüngsten offizielle Sozialbericht,
wonach mehr als eine Million Menschen in Österreich armutsgefährdet
sind. Die Caritas und andere kirchliche Einrichtungen leisteten
wertvolle Hilfe. Sie berichteten aber zugleich, "dass es in den
strengen Wintermonaten für viele Bewohner dieses Landes die
Alternative zwischen 'heizen' und 'essen' gab". Für beides hätte das
Geld nicht gereicht. "Ist das in einem reichen Land wie Österreich
nicht vermeidbar?", fragen die Bischöfe.
Es gebe auch die begründete Sorge, heißt es in der Erklärung weiter,
dass sich die Schere zwischen "Besitzenden" und "Nichtbesitzenden"
in Österreich weiter öffnet. Es bestehe zudem die Gefahr, dass
Menschen, die lediglich über ihre Arbeitskraft verfügen, angesichts
der Wirtschaftskrise immer mehr unter Druck geraten.
Die Einigung über eine bedarfsorientierte Mindestsicherung wird von
den Bischöfen jedenfalls als positiver Beitrag zur Armutsbekämpfung
begrüßt.
Auch sie - die Bischöfe - hätten keine Generalrezepte gegen diese
Krise; Christen und ihre Gemeinschaften und Institutionen brächten
aber "viele Kräfte von Hirn, Herz und Hand in die Gesellschaft ein
und unterstützen so das Bemühen der Verantwortungsträger in
Wirtschaft und Politik, um die Auswirkungen der Krise für Österreich
zu mindern". Diese Bemühungen seien ein Dauerauftrag.
Kreuze im Kindergarten
Als "positives Signal zur Wahrung der Religionsfreiheit, aber auch
der kulturellen Identität in Österreich" werten die österreichischen
Bischöfe die jüngste Stellungnahme des Landes Niederösterreich zur
Frage von Kreuzen in Schulklassen und Kindergärten. In einer
offiziellen Stellungnahme an den Verfassungsgerichtshof (VfGH) hatte
das Land Anfang dieser Woche sein "Ja" zum Kreuz in Kindergärten
bekräftigt. Anlass ist ein laufendes Verfahren, mit dem ein Vater -
laut eigenen Angaben ein bekennender Atheist - das Kreuz im
Kindergarten seiner Tochter als verfassungswidrig anficht, weil es
das konfessionslose Aufwachsen seiner Tochter gefährde.
Die Bischöfe unterstreichen indes, dass das Kreuz "ein Symbol der
Liebe und der Überwindung des Todes sei". Zugleich verweisen sie auf
die "sinnstiftende Kraft" der Religion für die gesamte Gesellschaft,
die sich auch in der Präsenz von religiösen Symbolen wie dem Kreuz
in Bildungsstätten zeige. "Demokratie lebt von Voraussetzungen, die
sie nicht aus eigener Kraft schaffen kann. Damit diese Aufgabe
erfüllt werden kann, ist es notwendig, die Präsenz und das Wirken
der Kirchen im öffentlichen Raum zu garantieren", so die Bischöfe
abschließend.