Gastfreundschaft sei schon immer ein hoher Wert in den
Ordensgemeinschaften gewesen, betonten die Vertreter bei einer
Pressekonferenz im Wiener "Quo Vadis", dem neuen Begegnungszentrum
der Orden und des Canisiuswerks. So habe bereits der heilige
Benedikt vor rund 1.500 Jahren betont: "Jeder Gast soll wie Christus
aufgenommen werden."
Der Altenburger Abt und "Klösterreich"-Präsident Christian Haidinger hob den Mehrwert eines "Urlaubs" im Kloster hervor: Klöster seien mehr
als ein reiner "Beherbergungsbetrieb mit günstigen Zimmerpreisen",
so Haidinger. Es mache einen Unterschied, wenn Ordensmitglieder
Menschen "sehr bewusst als Gäste aufnehmen wollen".
Anstatt "reiner Wellnessangebote" gehe es um ein "Mehr an
Spiritualität", sagte auch Generalsekretär Kurt Schmidl vom
Canisiuswerk. Dieses Bedürfnis der Menschen sei in den vergangenen
Jahren gewachsen. Bei den Ordensgemeinschaften könne man "mitleben
und in den Klosteralltag hineinschnuppern"; persönliche Gespräche
spielten eine große Rolle.
Die Vertreter verwiesen auf die vielfältigen Angebote in den
Gemeinschaften, die von Fastenkursen und Exerzitien über "Tage der
Stille" bis hin zu Adventveranstaltungen reichen.
Die Gäste kämen aus allen Gesellschaftsschichten und reichten von
Familien, die verlängerte Wochenenden für Kurzaufenthalte nutzten,
von Kindergruppen verschiedener Einrichtungen und die in Klöstern
untergebracht seien bis hin zu Firmen, die ihre Klausuren bei
Ordensmenschen abhielten, so Haidinger. "Ein Chef hat mir einmal
erzählt, seit sie sich nicht mehr im Fünf-Sterne-Hotel träfen,
sondern im Kloster, hätte sich viel an der Gesprächskultur
untereinander geändert."
Auch P. Alfred Eichmann vom steirischen Stift St. Lambrecht, wo es
das Begegnungszentrum "Schule des Daseins" gibt, berichtete von der
Sehnsucht der Menschen nach einem "Mehr als Arbeit und Gehetztsein
im Leben". So habe einmal ein Gast seinen Aufenthalt im Kloster ohne
Handy und Internet als "Entziehungskur" bezeichnet und ihn dennoch
als sehr positiv erlebt.
Diese Öffnung der Klöster für alle Menschen bezeichnete Sr. Cordis
Feuerstein, Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden
Österreichs, als "einen Weg heute, Menschen anzusprechen und sie
kennenzulernen".
Preis für Menschen an "Schnittstellen"
P. Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz der
männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, kündigte bei der
Pressekonferenz auch einen mit 10.000 Euro dotierten Preis der
heimischen Orden an, der im November erstmals verliehen wird. Damit
sollen Menschen aus Ordensgemeinschaften und der Zivilgesellschaft
ausgezeichnet werden, die "an der Schnittstelle zwischen Kirche und
Welt Innovatives aus den Bereichen Soziales Kunst, Medien oder
Wissenschaft leisten".
Damit solle aufgezeigt werden, dass "Orden nicht im luftleeren Raum
leben, sondern in einer konkreten Zeit und einer konkreten
Gesellschaft. Wechselwirkungen sind hier erwünscht", so P. Rauch.
"Ordensmenschen sind keine Exoten, sondern das Salz der Erde."
In Österreich gibt es 85 Männer- und 120 Frauenorden, die in vielen
Bereichen ordensübergreifend zusammenarbeiten.
(KAP/dsp)
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