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"Was im Kosovo geführt wird, ist ein Krieg gegen Kinder"

Caritas-Auslandsreferent kehrt nach drei Wochen aus Albanien zurück

"Es ist erschütternd, wie Menschen um ihr Überleben kämpfen müssen". So der Auslandsreferent der Caritas St. Pölten, Mag. Erwin Eder nach seinem mehrwöchigen Einsatz im österreichischen Flüchtlingscamp in Shkodra in Albanien.

"Hunderttausende Flüchtlinge leben in einem Land, in dem die Mittel für ein menschenwürdiges Dasein für die Einwohner selbst nicht reichen", weist Eder hin. Die Flüchtlinge fristen in Auffanglagern ihr Dasein und warten auf Hilfe. Nur mit einem "Pinkerl Lumpen unterm Arm" sind sie über die Grenze gekommen und mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder. "Es ist ein Krieg, der gegen Kinder geführt wird", ist sein Eindruck.

Eder berichtet von vielen Kindern, deren Füße durch Granatsplitter verletzt wurden. Am Tag spielt die Kinderschar am Fußballplatz neben dem Lager. Sie erwecken den Anschein von fröhlichen Kindern. Am Abend aber zeigen sich die psychischen Störungen, die der Krieg hinterlassen hat: viele haben Eßstörungen und beginnen zu stottern. Und es kommt die Nacht, in der viele Kinder aus Angst nicht schlafen können und auch wieder mit dem Bettnässen beginnen.

Die Angst unter den Menschen ist groß. So verweigerte ein 77jähriger Mann lange Zeit die Dusche, da er fürchtete, vergast zu werden. Das Sicherheitsgefühl, das im Flüchtlingscamp vermittelt wird ist für die Flüchtlinge aus dem Kosovo "ungemein wichtig", erklärt Eder. Keine Probleme gibt es derzeit mit der Versorgung im Lager, die "gut und rasch" funktioniert. Das Österreich-Camp ist für viele Hilfsorganisationen sogar zum "Vorzeigecamp" geworden.

Ein weiterer Schwerpunkt neben dem Österreich-Camp ist die Zusammenarbeit mit der lokalen Caritas, weist Eder hin. Sie funktioniert aufgrund der bisherigen Kontakte ausgezeichnet. Die örtliche Caritas kennt das Land und weiß, wie am besten und effektivsten geholfen werden kann. Es gibt derzeit "kein Kloster und kein Pfarrzentrum, das nicht von Flüchtlingen belegt ist", weiß Mag. Eder zu berichten. "Jeder Priester, jeder Ordensmann und jede Ordensfrau in Albanien ist derzeit als Flüchtlingshelfer tätig. Auch der Dompfarrer und Generalvikar der Diözese Shkodra, wo sich das österreichische Flüchtlingscamp befindet.

Das größte Problem werden aber winterfeste Unterbringungen sein, weist Eder hin. Noch sei es nicht zu spät, dafür vorzusorgen. Wenn die Flüchtlinge keine winterfeste Unterbringung erhalten, könnten viele von ihnen den kommenden Winter nicht überleben, sagt er. Und er kritisiert die restrektive Flüchtlingspolitik Österreichs: Wenn diese Menschen nicht legal kommen können, werden sie es illegal tun, einfach um zu überleben, warnt er. Derzeit irren noch hunderttausende Flüchtlinge in Kosovo umher. Für die nächsten Wocheh sei eine neue Flüchtlingswelle zu erwarten.

Dr. Sepp Winklmayr, Bildungsreferent der Caritas, bestätigt: es sei in der österreichischen Bevölkerung noch ein großes Reservoire an Hilfsbereitschaft vorhanden. Allein um St. Pölten seien der Caritas 500 Plätze für Flüchtlinge angeboten worden. Sie stehen noch leer, da bisher noch niemand zugewiesen wurde. Winklmayr appelliert, das Flüchtlingskontingent dringend zu erhöhen, um einer noch größeren Katastrophe in Albanien und Mazedonien vorzubeugen.