Weitere, unmittelbar in Autobahnnähe gelegene Orte der Einkehr bilden etwa die Kirche Hochstraß in Klausen-Leopoldsdorf an der A21 sowie die Europakapelle am Ende der Tiroler Europabrücke oder die Rokoko-Kirche St. Karl in Volders bei Wattens in Tirol.
Dennoch fehle es in Österreich noch an einem umfassenden Gesamtkonzept zur Vernetzung und Bewerbung der Autobahnkirchen, betont der Vorsitzende des Arbeitskreises für Tourismus- und Freizeitpastoral in Österreich, Roland Stadler, gegenüber. Die Zuständigkeit für die vorhandenen Kirchen entlang der Autobahnen sei in den Diözesen unterschiedlich geregelt, wünschenswert sei da eine bessere Koordination oder etwa die Erarbeitung einer Übersichtskarte zu allen Autobahn- und autobahnnahen Kirchen, so Stadler.
Einkehr für Manager und Rom-Pilger
In die selbe Kerbe schlägt auch der Kurator der Autobahnkirche "Maria im Walde" in Dolina, Msgr. Leopold Silan. Immer mehr Menschen verbringen "ihr Leben auf Achse", daher sei es wichtig für die Kirche, auch in diesem Segment präsent zu sein, so Silan.
Autobahnkirchen seien nicht nur Orte der Einkehr vom Straßenstress, sondern stets auch "Orte der kulturellen Begegnung". So berichtet Silan, auf dessen Initiative hin die Kirche an der A2 zwischen Klagenfurt und Graz im Jahr 2000 umgestaltet wurde, von Managern, die nach einer kurzen Auszeit suchten, ebenso wie von Rom-Reisenden, die auf der Durchreise in Dolina Station machten und dort Gottesdienst feierten.
Der moderne Bau der Kirche entstand im Jahr 2000 durch den Umbau einer eigentlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammenden Wallfahrtskirche. Der Bau wurde mit dem Baupreis des Landes Kärnten ausgezeichnet. Südlich der Kirche erinnert außerdem eine Gedenkstätte an die Toten im Straßenverkehr. Ihrer wird jährlich mit einem eigenen Gottesdienst gedacht, zu dem laut Silan jeweils bis zu 300 Menschen anreisen.
Entlang der stark befahrenen Westautobahn lädt außerdem die Autobahnkirche in Haid-Ansfelden dazu, den Blinker zu setzen. Errichtet Mitte der 1960er-Jahre als "Drive in"-Kirche, die ausdrücklich Reisende ansprechen sollte, hat sich rund um das imposante Gebäude in Pyramidenform inzwischen eine eigene lebendige Pfarrgemeinde gebildet.
Studie: Besucher ist "Autobahnkirchen-Sponti"
Ein weitaus dichteres Netz an solchen "Tankstellen für die Seele" gibt es in Deutschland: 32 Gotteshäuser entlang der Autobahnen laden dort zu Einkehr und Gebet.
Einen interessanten Einblick in die Seelenlage der Besucher dieser besonderen Andachtsräume bietet eine Studie des Zentrums für Kirchliche Sozialforschung an der Fachhochschule Freiburg. Die 2007 publizierte Studie zeigte, dass der durchschnittliche Besucher ein "Autobahnkirchen-Sponti" ist, dessen Besuch eine "ungeplante Kurzweilinsel zum religiösen Auftanken" darstellt. Denn tatsächlich sei der Durchschnittsbesucher gerade nicht der Fernstehende, Suchende, sondern vielmehr der religiös Engagierte. Zwei Drittel der Besucher seien männlich; 37 Prozent gaben an, Autobahnkirchen gezielt als religiöse Orte aufzusuchen.
Von "Kathpress"-Redakteur Henning Klingen
Foto: Autobahnkirche Haid