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Der Umgang mit Fremden muss in die Praxis erkennbar sein

Vierte Kardinal König-Gespräche in Kirchberg über „Wir und das Fremde“

In „unglaublicher Ehrlichkeit“ haben sich die Menschen von Kirchberg und Rabenstein des Themas „Wir und das Fremde“ angenommen, bescheinigte der Journalist Heinz Nussbaumer beim vierten Kardinal König-Gespräch am 27. August in der Pielachtalhalle von Kirchberg der Bevölkerung des Pielachtales.
Die Gespräche, die es seit 2008 gibt, standen diesmal unter dem Thema „Wir und das Fremde“. Helmut Schüller: Das soziale Zusammenleben muss durch die Praxis der Kirchenmitglieder gedeckt sind und nicht nur durch Worte der Bischöfe.

Ziel der Kardinal-König-Gespräche ist es, das geistig-spirituellen Vermächtnis des Kardinals in seiner Heimatgemeinde hoch zu halten und dieses immer wieder mit aktuellen Themen, die die Gesellschaft bewegen, auseinander zu setzen, wie auch Bürgermeister Ök.Rat Anton Gonaus betonte.

Bock: Engagement für Flüchtlinge

Mit der Wienerin Ute Bock vom Verein Flüchtlingshilfe Ute Bock und Mag. Helmut Schüller, Pfarrer von Propstdorf und ehemaliger Direktor der Caritas Wien analysierten zwei Vertreter und Kenner der Ausländerproblematik in Österreich die heutige Situation.
Ute Bock, engagierte Kämpferin für die Flüchtlinge in Österreich betreut derzeit 130 Wohnungen für 400 Menschen – Flüchtlinge und Migranten - und versucht, für 35 Familien den täglichen Unterhalt aufzubringen. „Oft weiß ich am Montagabend noch nicht, woher ich am Dienstag das Essensgeld nehmen soll“. Doch dank vieler Spenden gelingt es immer wieder. Ute Bock schildert voller Dramatik die Lage der Flüchtlinge und Asylanten in Wien, ihre Sehnsucht und Bestrebungen, eine Heimat zu finden, aber auch die oft unnötigen „Schikanen“ der Behörden, deren oft restriktiven Haltungen und mangelnde Information, die nicht selten die Lage weiter verschlimmern. „Die meisten wissen nicht, wie schlecht es diesen Menschen geht“, sagt Ute Bock. Besonders katastrophal sei die medizinische Versorgung, erklärte sie. „Da denkt man nicht einmal mehr wirtschaftlich“, wies sie auf einige Fälle hin. „Die Migranten sind da, und nun wollen wir, dass sie zu essen bekommen, eine Wohnung erhalten und arbeiten können, so Bock.

Schüller: Es kommt auf die Praxis an

Für Mag Helmut Schüller gab es in seiner Zeit als Caritasdirektor noch keine großen Probleme in der Flüchtlingsfrage. „Sie waren gern gesehen, denn Österreich war nur ein Durchgangsland“, und auch die Statistik wies Österreich gegenüber den Vereinten Nationen positiv aus. Erst später, nach der Ostöffnung und stagnierender Wirtschaftsentwicklung sei diese Flüchtlingsfrage brisant geworden.
Schüller verwies in seinen Ausführungen auf die Grundhaltung, die von Alten und Neuem Testament Fremden gegenüber gefordert sei. Fremde galten wie auch Witwen, Waisen und verschuldete zu den besonders schutzbedürftigen Personen.
Als „gewaltigen zivilisatorischen Schritt“ bezeichnete Schüller die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Scharf kritisierte Schüller hingegen den Begriff von „Wirtschaftsflüchtlingen“. Jeder Mensch sei bestrebt, innerhalb seiner Lebensspanne das Beste für sich und seine Kinder zu machen. Es sei unverständlich, in einer Welt, in der Wirtschaft einen hohen Stellenwert habe, diese Menschen verächtlich zu machen. „Die Fremden kommen nicht aus Jux und Tollerei“, wies er hin. Gerade für Christen sei es wichtig, sich in andere Menschen hineinzudenken. Die „goldene Regel“ könnte ein Maßstab für das Miteinander sein. Insgesamt, so Schüller, müsse soziales Zusammenleben durch die Praxis der Kirchenmitglieder gedeckt sein und nicht nur durch Worte und Aussagen der Bischöfe.

Nicht über, sondern mit den Fremden reden

Als „ausgesprochen positives Zeichen“ sieht Landtagsabgeordneter Dr. Martin Michalitsch die Kardinal-König-Gespräche. Man dürfe nicht über die Fremden reden, sondern mit ihnen, so wie es in den vergangenen Monaten im Pielachtal geschehen sei, betonte er.

Vorangegangen waren monatelange Diskussionen in Gruppen über das Zusammenleben der Bevölkerung mit in- und ausländischen Wurzeln in den beiden Gemeinden. Sowohl Einheimische wie auch Menschen aus anderen Religionen und Kulturen haben sich daran beteiligt. Die Ergebnisse wurden bei den Kardinal-König-Gesprächen in Form eines Schattenspiels vorgestellt. Dabei kamen sowohl die positiven Ansätze und Erfahrungen im Umgang mit Fremden und Zugezogenen zur Sprache als auch kritische Stimmen und negative Erfahrungen wie etwa, dass eine Ausländerin keinen Job erhielt, „weil die Kunden von Ausländern nicht bedient werden wollen“. Moderator Heinz Nussbaumer: „Kardinal König war einer jener seltenen Menschen, die auch im fortschreitenden Alter keine Scheu vor dem Fremden hatten und ihnen mit unglaublicher Offenheit entgegengetreten ist, die uns allen bis heute immer wieder schwer fällt“. König habe in jedem Menschen vor allem eine Begegnung mit dem Wunder Mensch zu entdecken gesucht.

Keine Angst vor Vielfalt

Eine Gruppe Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind trotz Regen bereits am Nachmittag nach einer Andacht in der Taufkirche Kardinal Königs in Rabenstein auf dem Kardinal König Weg, vorbei an seinem Geburtshaus, zur Primizkirche nach Kirchberg gewandert, wo sie mit Pfarrer August Blazic eine Andacht hielten. Blazic erinnerte dabei an das Kirchenbild des Kardinals, wie es dieser bei einen Vortrag 1999 ausgedrückt hat: Die Kirche sei geografisch, geschichtlich und gemeinschaftlich vielfältig. In Vergangenheit und Gegenwart zeige sie sich in ihrer Einheit und Vielfalt und umfasse eine mögliche Vielfalt in dieser notwendigen Einheit. „Allein Christus als das menschgewordene Gotteswort ändert sich nicht. Das gibt der Kirche Sicherheit im Wandel der Zeiten. Aus diesem Grund ist auch menschliche Angst in der obersten Kirchenführung vor einer allzu großen kirchlichen Vielfalt nicht angebracht“.

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