"Wir müssen Augen, Ohren und Herz öffnen, um den Ruf Gottes zu hören". So Bischof DDr. Klaus Küng zu den St. Pöltner Pilgern bei der Frühmesse in der Erscheinungskapelle in Fatima am 12. Mai, dem Vortag der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 90-jährigen Erscheinungstag der Muttergottes.
Mit rund 500.000 Pilger aus aller Welt hat die Gruppe aus der Diözese St. Pölten an den Feiern teilgenommen und dabei die Begeisterung und auch tiefe Gläubigkeit zahlreicher Menschen erlebt. Die Teilnahme an der beeindruckenden Lichterprozession war der Abschluss dieses Tages.
Am Jubiläumstag feierte die St. Pöltner Gruppe mit den zahlreichen Gläubigen aus aller Welt Kardinal Angelo Sodano als Legat des Papstes den Gottesdienst. Dieser appellierte an die Europäer, den christlichen Glauben wieder ins Zentrum der Gesellschaft zu rücken. Es gebe gravierende Auswirkungen für die Menschen, wenn Gott beiseite geschoben werde: "Europa steht in der Versuchung, jenen Glauben zu vergessen, der im Lauf der Jahrhunderte seine Kraft war".
Am Nachmittag stand die Fahrt nach Ajustrel auf dem Programm, wo die Wallfahrer mit Bischof DDr. Klaus Küng den "ungarischen Kreuzweg" gingen und die Geburtshäuser der Seherkinder besuchten. Gerade dieser Kreuzweg, der von Ungarn gestiftet wurde, sei "ein stimmungsvoller Abschluss der Wallfahrt gewesen", resümierte ein Reiseteilnehmer.
Bei der Hinfahrt nach Fatima heben die Wallfahrer noch bekannte und berühmte Städte der Iberischen Halbinsel besucht, so Toledo und Salamanca und die monumentale Klosteranlage El Escorial, aber auch Segovia mit dem Grabmal des heiligen Johannes von Kreuz, und Avila, die Stadt der heiligen Theresia, die dort im 16. Jahrhundert lebte.
Das Ziel der Wallfahrt war aber Fatima, einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Welt. Jährlich wird er von mehr als drei Millionen Pilger besucht. In der Nähe des Ortes, in der Cova da Iria hatten die drei Hirtenkinder Lucia, Jacinta und Francisco die Erscheinungen der Gottesmutter Maria, berichten sie. Die erste Erscheinung fand am 13. Mai 1917 statt; das Ereignis wiederholte sich im Monatsrhythmus über ein halbes Jahr. 1930 wurden die Berichte der Kinder für glaubwürdig erklärt und die öffentliche Verehrung "unserer Lieben Frau von Fatima" kirchlich gestattet.