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Diözesanwallfahrt 2009:
Auf den Spuren des Apostels Paulus

100 Wallfahrer mit den Pastoralen Diensten und Moser-Reisen auf Pilgerfahrt

In Perge startete Apostels Paulus seine erste Missionsreise. Damals eine lange und beschwerliche Reise. Fast 2000 Jahre später machten sich über 100 Pilger mit Bischof DDr. Klaus Küng auf den Weg, den Spuren des Apostels zu folgen und markante Orte erster Christengemeinden aufzusuchen.

Beim Paulusbrunnen in Tarsus
Antalya, heute eine Touristenstadt, begrüßte die Pilger mit einem warmen Frühsommertag. Für Paulus war aber die nahe gelegene Stadt Perge die erste Station am Festland. Das hellenistische Tor, durch das schon Paulus ging sowie das Römertor aus späterer Zeit sind teilweise noch erhalten. Die Fahrt nach Konya, dem früheren Ikonium führt über zahlreiche Serpentinen und Pässe nach Norden. Zwei Welten treten entgegen: dem westlich geprägten Süden folgte das weithin ursprünglich gebliebene Hochland von Anatolien. Hier gibt es ärmliche Häuser und Hütten und eine karge Landwirtschaft mit Schaf- und Ziegenzucht. 17 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos; bei der Jugend liegt der Anteil noch höher. Der Straßenhandel ist für viele die einzige Einkommensquelle.

Pauluskirche in Konya

Schon früh gab es im einstigen Ikonium eine Christengemeinde. Nahe des Allaeddin-Hügels, befindet sich die Pauluskirche, die von zwei Schwestern betreut wird. Dieses Jahr gibt es öfter Gottesdienste, da viele Pilgergruppen kommen, erzählen sie. Ein liebevoll gestalteter Garten umgibt die Kirche. Er mutet an wie eine kleine Oase inmitten des Treibens der Basare und Händler. Der Straßenlärm dringt bis in das Kircheninnere vor, in der die Paulusikone eine besinnliche Ruhe ausstrahlt. Es ist eine Herausforderung, den Spuren des Apostels nachzugehen und sich dem auszusetzen, was ihm dieser Auftrag Christi bedeutet hat, meint Bischof Klaus Küng beim Gottesdienst. Es gelte, in den Tagen der Pilgerreise in die eigene Tiefe zu dringen und auf jenen Grund zu stoßen, der auch den Apostel geleitet hat.
Heute ist Konya eine aufstrebende Stadt mit einer Million Einwohner. 200 Moscheen und Gebetsstätten prägen das Bild. Hier war einst auch die Hochburg der Derwische. Über das 1000 Meter hoch gelegene Anatolien führt die Reise weiter nach Kappadokien. Neben den Schaf- und Ziegenherden zeigt sich hier zunehmend fruchtbares Ackerland, die „Kornkammer der Türkei“.

Zufluchtsort der ersten Christen

Jahrhunderte lange Erosionen durch Wind und Wasser haben die Landschaft von Kappadokien in ihrer heutigen Form gebildet. Bizarre Felsen und Türme aus Stein lassen diese Gegend wie auf einem anderen Stern erscheinen.
Für die ersten Christen war dieses Land wichtig. Sie konnten sich in der Zeit der Verfolgungen zurückziehen, haben Wohnhöhlen gebaut und zahlreiche Kirchen in die Felsformationen gegraben. Reste uralter Malereien und Fresken zeugen noch von ihrem Glauben. Insgesamt soll es 1150 Höhlenkirchen gegeben haben. Einige der erhaltenen Kirchen konnten die Pilger in Göreme bewundern. Hier wirkten bedeutende Kirchenväter wie Basileus der Große, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa.

Eine Wanderung über steinige und enge sandige Pfade bot immer wieder neue Ausblicke auf die faszinierende Form dieser Landschaft. Am Wegrand zeigten sich zarte Blumen und Schildkröten bewegten sich zwischen dem schütteren Gras.
In Sinassos feierten die Pilger in der griechisch-orthodoxen Kirche den Gottesdienst. Das Innere wirkt düster, kalt und feucht. Die wenigen Kerzen am Altar können den Raum kaum erhellen. Zwei türkische Mädchen gesellen sich zu den Pilgern. Sie interessieren sich, wie ein Gottesdienst verläuft. „Der Jugend fehlen völlig Informationen über Religion und Kirche“, klärt der türkische Reiseleiter auf.
Jugendseelsorger Herbert Reisinger unterstrich in der Predigt, dass die Bekehrung für Paulus die Erfahrung war, von Christus ganz angenommen worden zu sein. „Es war so etwas wie die erste Liebe, die sein Leben durch und durch geprägt hat“, sagte er. Jeder einzelne habe auch heute „seine eigene Liebesgeschichte mit Christus“.

In der Teppichfabrik Hadosan Hali lernten die Pilger die Teppichknüpfkunst an Beispielen kennen. Von der Lösung des Fadens vom Kokon der Seidenraupe bis zum Handwerk des Webens, das vor allem Frauen beherrschen und welche Mühe hinter der Arbeit steckt.

„Ich bin Jude aus Tarsus“

Tarsus, eine der bedeutendsten Städte zur Zeit des Apostels Paulus lässt seine einstige Größe heute kaum mehr erahnen. Voll Stolz hat Paulus vor dem römischen Oberst erklärt, Bürger von Tarsus, „einer nicht unbedeutenden Stadt“ zu sein. „Wo Paulus geboren wurde, sprudelt heute symbolisch eine Quelle“, verweist P. Robert Bösner auf den Paulusbrunnen, der an jenem Ort steht, an dem sich einst das Geburtshaus des Apostels Paulus befunden haben soll. „Hier hat alles begonnen und hier wollen wir bitten, unsere eigene apostolische Berufung besser zu verstehen“, führte er aus.
Die Pauluskirche im Zentrum der Stadt wurde aufwendig restauriert und dient heute als Museum, ermöglicht aber Pilgern in diesem Jahr, Gottesdienste zu feiern.

Wo Nikolaus wirkte

Die letzte Fahrt führte nach Myra, wo Paulus auf seiner Fahrt nach Rom sein Schiff gewechselt und im 4. Jahrhundert der heilige Nikolaus als Bischof gewirkt hat. Dieser Heilige genießt in der westlichen wie in der östlichen Welt hohe Anerkennung. Neben den lykischen Felsengräbern besuchten die Pilger diese Kirche, deren ältere Teile aus dem 6. Jahrhundert stammen. Die vierschiffige Kirche, heute ein Museum, zeigt Fresken des heiligen Nikolaus sowie den aufgebrochenen Sarkophag, aus dem die Gebeine des Heiligen einst entwendet worden seien. Sie wurde als einzige Kirche in der Türkei nie als Moschee verwendet.

Paulinische Menschen

Bei der Schlussmesse in Antalya zog Bischof Klaus Küng Resümee. Um missionarische Kirche im Sinne des Apostels Paulus zu sein, brauche es in einer fortschreitend säkularen Gesellschaft Christen, die selbst Träger der Sendung der Kirche sind, sagte er. „Wir brauchen dazu auch Rückhalt und Geborgenheit in der Kirche, in der wir verwurzelt sind“.

Kontakt: presse.stpoelten@kirche.at