mutig - mutiger - am mutigsten?
oder
mutig - bedroht – tot?
Am 24. März 1980 wurde der Erzbischof von San Salvador während der Eucharistiefeier am Altar erschossen. Die intensive Begegnung mit der gesellschaftlichen u. politischen Wirklichkeit während seiner Amtszeit als Erzbischof machte den bisher eher ängstlichen und konservativen Kirchenmann zu einem profilierten Bischof der "Kirche der Armen" und isolierte ihn zugleich innerhalb der eigenen Bischofskonferenz.
Romero scheute sich nicht, die täglich begangenen Ungerechtigkeiten anzuklagen und die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Seine klare, dem christlichen Glauben erwachsene Haltung, Stimme der Stimmlosen zu sein, führte ihn zusammen mit engagierten Teilen der salvadorianischen Kirche in einen tödlichen Konflikt mit den gesellschaftlich herrschenden Kräften, der nicht nur ihm, sondern vielen anderen das Leben kostete. Romero, den sein Volk längst heilig gesprochen hat, ist ein Symbol von konkreter, gelebter Solidarität, das auch uns inspirieren kann.
Aktuell ist nach wie vor, wofür die Oscar Romero eingestanden ist: Verteilung von Macht und Reichtum, soziale Gerechtigkeit, Ende der Gewalt.
Aktuell ist auch, dass es Menschen braucht, die mit viel Mut eintreten für mehr Gerechtigkeit.
Aktuell ist aber auch, dass dieser Einsatz nach wie vor für viele Mensche gefährlich ist.
Referent: Giancarlo Collet, Laientheologe, Studium der Philosophie und Theologie in Luzern, Doktor der Theologie in Tübingen; arbeitete längere Zeit in Mexiko, anschließend Leiter der Forschungsgruppe im Romero-Haus (Luzern). Seit 1988 Professor für Missionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und Leiter des dortigen Instituts.