Bericht von der JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG
am 21.11.2007 in der KPH Wien Campus Krems-Mitterau
Diese ersten Punkte wurden bewusst kurz gehalten, um der Begegnung und Diskussion mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfried breiten Raum geben zu können.
Zusammenfassung des Gesprächs mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfried:
In seinem Einleitungsstatement beschreibt der Bischof den Status quo: Das bekannte Konzept sollte in den Zentralstellen entwickelt werden; auch durch die Berichte aus den Inspektionskonferenzen hat sich die Diözesanleitung dazu entschlossen, in die Pfarren hinauszugehen und auf deren Meinungen zu hören. Durch diese Beiträge wurde auch bereits das als Initialzündung vorgesehene Bischofswort - in Richtung breiterer Mitarbeit – abgeändert.
In diesem Prozess ist sehr viel Platz auch für die RL. Den Befürchtungen vieler, dass ihr Engagement zu wenig gesehen und daher mit noch mehr Belastung zu rechnen sein wird, begegnet der Bischof mit der Forderung nach mehr Teamfähigkeit und stärkerer Verknüpfung (beginnend bei den Priestern). Ziel wäre ein gleicher Standard in allen Pfarren (vieles wird sowieso schon gemacht, aber nicht überall); nicht eine Vermehrung der Arbeit, sondern eine qualitative Verbesserung. Was die diesbezügliche „Allmacht“ der Pfarrer betrifft, wäre eine „Kommunikation auf Augenhöhe“ erforderlich. Bischof Anton ist sich aber auch bewusst, dass - durch welche Pläne auch immer - Personen nicht verändert werden. Bei grundlegender Meinungsverschiedenheit bleibt nur der Auszug in eine andere Pfarre, auch wenn die gesellschaftliche Beheimatung in der Heimatgemeinde darunter leidet.
Die RL sind bereit, Verantwortung zu übernehmen; sie wissen um ihr theologisches Potential (und Kapital für die Pfarre), haben durch die Missio diebischöfliche Beauftragung, den Glauben weiterzugeben, lassen sich durch Gottes Geist leiten: Das alles weckt große Hoffnungen in den Gläubigen. Die Leitung wird gebeten diese nicht mutwillig zu enttäuschen – das wäre der Tod des allerletztenEngagements.
Die Frage nach nicht-priesterlicher Gemeindeleitung, basisgemeindliche Modelle, Zukunft der Pfarren bei der momentanen Überalterung des Klerus versucht der Weihbischof mit seiner persönlichen Erfahrung in Freiburg i. Br. zu beantworten: Obwohl dort in etwa gleich viele kath. und ev. Christen und Menschen ohne religiöses Bekenntnis leben und es in der evang. Gemeinde eine Vielzahl an Bewerbern für die Gemeindeleitung gibt, gibt es nicht mehr Gläubige. (Im evang. Norden Deutschlands spricht man auch vom „Neuheidentum“.) Eine Änderung des kath. Leitungsamtes wäre also keine Lösung des Problems, sondern nur (?) das Wahrnehmen von verschiedensten Begabungen – eine atmosphärische Änderung („Die Priester wären vielleicht nicht mehr so weltfremd.“).
Dass sich Priester in Leitungsfunktionen manchmal wie absolutistische Herrscher benehmen, ist sicher nicht erwünscht; er sollte die Kunst beherrschen, „gut“ zu delegieren. Das muss ihm aber auch erst gelehrt werden, denn darauf wurde bis jetzt in der Ausbildung zu wenig geachtet. Missstände sind klarerweise abzuschaffen – die Vorgangsweise ist allerdings noch nicht bekannt. Jedenfalls hat der Leiter einer Pfarre ein geweihter Mann zu sein, um besser auf den eigentlichen Gemeindeleiter – Christus – hinzuweisen.
Betreffs der Pfarrgrößen wurden Vergleichszahlen aus der Diözese Salzburg gebracht, die bei gleicher Größe in etwa die Hälfte der Pfarren aufweist. Pfarre müsse mehr als Gemeinschaft gesehen werden und nicht als räumlicher Begriff. Einige RL wiesen trotzdem auf die Gefahr hin, dass bei größerer räumlicher Ausdehnung Verlust der pfarrlichen Identität und des Gemeinde-/Gemeinschaftsbewusstseins drohe.
Gegen das Frauenpriestertum sprächen pragmatische Gründe: So würde diese Frage in der Weltkirche nicht diskutiert, die Anglikanische Kirche wäre fast daran zerbrochen …
Alle Menschen können ihren Platz ja in den verschiedenen Ausformungen des allgemeinen Priestertums finden. Das ist auch der eigentliche Sinn des
Pastoralplanes.
Weitere Wünsche:
Weihbischof Leichtfried ist es ein Anliegen, abschließend noch einige Worte an RL und zum RU zu richten:
Der RL steht an einer Stelle, wo die Kirche nicht ist.
RU ist ein Teil der religiösen Bildung. Früher gab es in diesem Bereich großes Vorwissen, weil Erfahrungswissen (aus der alltäglichen Praxis). Heute ist das nicht mehr der Fall und RL und RU sind für diese Bildung allein verantwortlich. Nur sind diese Erfahrungen durch den RU allein nicht vermittelbar. Daher stellt sich hier ganz besonders die Frage, was ein erfolgreicher RU wäre?!! Mit dieser Aussage sollen die RL auch etwas entlastet werden: erfolgreicher RU ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern vor allem auch das Schaffen von Beziehungen und Gotteserfahrungen.
Weihbischof Dr. Anton Leichtfried verabschiedet sich mit einem Dank an alle anwesenden RL für ihr engagiertes Mitdenken und –diskutieren.
Die Vorsitzende freut sich über das offene Wort, dass Bischof Anton mit uns geführt hat und schließt um ca. 18.30 diese Jahreshauptversammlung.
Die Einladung zu Getränk und weiteren persönlichen Gesprächen wurde eifrigst genutzt, sodass die Letzten erst kurz vor Sperrstunde die KPH Campus Krems verließen.
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