Brief der Vorsitzenden im Dezember 07
(erscheint auch im YNFO!)

Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!

– “Papier ist geduldig.“
– „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“
– „Frohe Weihnachten!“

– 3 Redensarten? Nur so dahingesagt? Platituden? Wahrheit?

Nun sitze ich schon eine volle Stunde zwar nicht vor einem Blatt Papier – der moderne Mensch druckt nur mehr darauf – sondern vor dem Computer und will/soll doch etwas zu Papier bringen. So viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Aber wollen sie wirklich in Worte gepresst und auf Papier gedruckt werden? Sind sie das wert? Will jemand anderer sie überhaupt haben?

– „Hab gar nicht gewusst, dass es bei uns eine BG gibt!“
– „Was? Ihr seid die BG?“
– „Was macht man da?“
– „Mich hat noch nie wer angesprochen.“

So, nun sind sie raus aus mir, wenigstens ein paar der Reaktionen auf uns in der letzten Zeit. Und ich hoffe auf die Geduld des Papiers, denn da mögen sie bleiben und in Vergessenheit geraten …

Jetzt ist Platz, viel Platz für die Kehrseite der Medaille, die - unverliehen - so viel Kraft und Ansporn gibt!

– „Was? So oft seid ihr in dem letzten Jahr beisammen gesessen?“
– „Die Homepage ist genial!“
– „Endlich ein Forum, wo man Kontakt aufnehmen kann. Ich wart aber noch ein bisschen.“
– „Ich hab mir deine Nummer organisiert. Hast du Zeit für mich?“
– „Könntet ihr nicht…zur Sprache bringen?“
– „Netz? Das erinnert mich trotz allem immer an Spinnen. Aber an diesem? Da möchte ich doch mittun. Es hat nix Lurchiges!“

Langsam, über manche Strecken auch mühsam, setzt Bewegung ein, beginnen Gespräche, werden neue Kontakte geknüpft, Fragen gestellt und Antworten eingefordert, Ideen weitergegeben und deren Umsetzung beobachtet.
Es ist, als würde mitten im Winter neues Leben erwachen. Hoffnung keimt, wo keine vermutet wurde: mitten unter uns! Wir alle sind Hoffnungsträger, denn keiner ist allein! Ganz gleich wo du lebst, wie hoch der Schnee liegt, wie tief die Klüfte um dich sind, wie kalt es in dir ist, weil die Reibereien draußen – ganz gegen das physikalische Gesetz – dir Wärme entziehen, der Kontakt ist so schnell hergestellt, Hindernisse überwunden, weil du gehört wirst. Du bist uns wichtig! Du bist es wert!

Ja, es ist viel Verletzung durch Unachtsamkeit im Miteinander geschehen. Sprachlosigkeit, Rückzug und in Konsequenz Vereinsamung haben in vielen von uns die Freude an der Arbeit, an unserer Berufung fast erstickt. Wer kann denn auch wirklich nachvollziehen, wie es einem Religionslehrer geht, der die Frohe Botschaft, das lebendige Wort Gottes verkünden soll, wenn er/sie immer wieder im dichten Nebel der Gleichgültigkeit der tatsächlich geleisteten Arbeit gegenüber, durch den dunklen Wald der Ge- und Verbote am See der Ungewissheit ankommt? Das schaffst du schon! Du hast ja Gott und das Gebet! Dir geht’s doch eh noch gut!

Es ist wahr: So gesehen geht es uns wirklich gut! Wir dürfen unseren Schülern den lebendigen, Mensch gewordenen Gott vorstellen, sie mit ihm vertraut machen und dabei auch selbst seine Nähe spüren. Gleichzeitig aber dürfen wir uns darauf verlassen, dass wir einander Halt und Kraft geben, indem wir gemeinsam an dem Netz bauen, wo immer noch Platz für noch jemand ist …
Bitte halt auch du fest an dem, was uns alle verbindet: Sein Ruf an dich und unser Netz. Nur so kann beides wachsen, stärker, realer für uns und alle werden, denen wir begegnen.

So werden wir einander nahe genug sein um das neue Leben der geweihten Nacht gemeinsam bestaunen und uns den Wunsch „Frohe Weihnachten!“ zuflüstern zu können, denn es ist noch sehr zerbrechlich, dieses neue Leben, und bedarf all unserer Behutsamkeit, Geduld und Gelassenheit.

Eine froh machende, gesegnete Weihnacht und einen unaufgeregten Start ins neue Jahr, verbunden mit viel Neugier darauf, wohin wir gemeinsam gehen werden

wünscht euch
Ilse

PS: Ich kann’s ja doch nicht ganz lassen:

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