Offener Antwort-Brief auf das Schreiben von Schulamt vom 25. März 2010

Mag. Alois Müllner
Otto Glöckel Str. 6
3950 Gmünd
Gmünd, 08.04.2010

Geschätztes Schulamt, liebe InspektorInnen!

Es vergeht kein Tag an dem nicht irgendwelche kirchlichen Stellen sich windend verbiegen, abblocken, auf Einzelfälle verweisen, dem Teufel die Schuld geben, Religionsverschwörungs-theorien (natürlich nur gegen Kath. Kirche und Papst) entwickeln – heiße Luft produzieren. DIESE Reaktionen erschüttern uns sehr.

Es verleiht mir auch „Flügel“, dass sich in dieser schwierigen Lage das Schulamt mit mir solidarisch erklärt. DANKE! (Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass dies immer der Fall ist.)

Ich finde es beschämend, dass wir ReligionslehrerInnen immer nur in solch Extremsituationen als VertreterInnen der Kirche und AnsprechpartnerInnen wahrgenommen werden. Plötzlich wird wieder auf Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft, Zueinander Stehen hingewiesen. Wo wird darauf bedacht genommen, wenn ReligionslehrerInnen Jahre hindurch und immer wieder bereits frühzeitig auf Missstände (und diese sind nicht nur sexueller Natur) aufmerksam machen. Wo ist die Solidarität des Schulamtes, wenn DirektorInnen SchülerInnen missbrauchen bzw. Missbrauch dulden, wo ist Solidarität, wenn ReligionslehrerInnen und Priester satanische Besessenheit und dadurch nötigen Exorzismus verkünden, wo ist die Solidarität, wenn auf pfarrliche Missstände aufmerksam gemacht wird (Originalzitat: „Ich bin nur für schulische Belange verantwortlich!“), wo ist…

Kardinal Dr. Franz König hat einen Meditationstext über die Kirche Christi verfasst, in welchem es heißt „Die Kirche Christi sei eine Kirche des Verstehens, des Mitfühlens, des Mitdenkens, des Mitfreuens und Mitleidens. Eine Kirche, die mit den Menschen lacht und mit den Menschen weint.“ Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn sich diese Kirche auch in Zeiten, in denen sie nicht unter Druck steht, darauf besinnen würde, dass wir alle SCHWESTERN UND BRÜDER im Herrn sind, nur EINER unser Meister ist und wir GEMEINSAM am Kommen des Reiches Gottes arbeiten.

Der Wunsch nach dem österlichen Atem des Auferstandenen, welcher unsere Ängste, Sorgen und Nöte mit neuem Leben füllt, weckt Hoffnung; allerdings hoffe ich auch, dass SEIN Bodenpersonal einiges dazu beiträgt.

Solidarität, Achtung, Zusammenarbeit vermissend
(auch im Verhalten gegenüber der BG)

Mag. Alois Müllner
BHAK Gmünd

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