Katholische und evangelische Kirchen stärken Ökumene

Nur miteinander können die katholische und evangelische Kirche glaubwürdig vor der Welt den christlichen Glauben leben und den Menschen dienen. Das ist die Quintessenz einer gemeinsamen Erklärung der katholischen Bischofskonferenz und der evangelischen Kirchen in Österreich, die am Dienstag anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 veröffentlicht wurde.

Die Erklärung trägt den Titel "500 Jahre Reformation - Vom Gegeneinander zum Miteinander" und will ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den Kirchen aufschlagen. In der Erklärung werden die gegenseitigen Verfehlungen der Kirchen in der Vergangenheit benannt, die großen Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen gewürdigt und die gemeinsame Verpflichtung für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt in den Blick genommen.

2017 sei das erste Reformationsjubiläum im ökumenischen Zeitalter, denn auf dem Weg zueinander seien große Fortschritte gemacht worden, heißt es. Wörtlich halten die Kirchen fest: "Dankbar blicken wir auf die Ergebnisse der zahlreichen ökumenischen Dialoge, das mittlerweile selbstverständliche Miteinander evangelischer und katholischer Christinnen und Christen in Gemeinden und Familien und auf die vielen Möglichkeiten, gemeinsam unseren christlichen Glauben zu feiern, ihn in der Welt zu bezeugen und damit den Menschen zu dienen. Wir sehen, dass wir einander brauchen und nur miteinander in glaubwürdiger Weise den Reichtum der Gnade Gottes, aus der die Kirche lebt und für die die Kirche steht, vor der Welt leben können."

In vielfältiger Weise hätten sich die Kirchen bereits gegenseitig bereichern können. "Gemeinsam sind uns die Überzeugung und der feste Wille, auf dem Weg zur Einheit voranzukommen und beharrlich an der Überwindung der letzten Hindernisse zu arbeiten", halten die Kirchen fest und weiter: "Dass uns bereits heute mehr verbindet und einigt, als uns noch trennt, ist ein weiterer Grund zur Dankbarkeit und ein Anlass, darum zu bitten, dass uns die Verwirklichung der Einheit geschenkt werde."

Einsatz für Notleidende und Schutzsuchende

Die Kirche sei "Werkzeug des dreieinigen Gottes für das verheißene Reich des Friedens und der Gerechtigkeit" und zugleich schon hier und jetzt ein sichtbares Zeichen für die Wahrheit dieser Verheißung, heißt es in der Erklärung weiter. Diese Überzeugung lasse die katholische und evangelischen Kirche auch gemeinsam für das friedliche Zusammenleben der Menschen in Österreich eintreten, das durch zunehmende Vielfalt geprägt ist.

Wörtlich halten die Kirchen fest: "Die Botschaft von der freien Gnade und Barmherzigkeit Gottes und von Gottes Ja zu jedem Menschen ist angesichts der heutigen Herausforderungen von besonderer Aktualität. Sie ermutigt uns, gemeinsam für Notleidende und Schutzsuchende einzutreten und die Kräfte der Menschlichkeit zu stärken." Der gemeinsame Einsatz der Kirchen für den Nächsten gebe auch dem politischen Gemeinwesen Orientierung für zukünftiges Handeln.

Gegenseitige Unterdrückung

Die Kirchen räumen in der Erklärung allerdings auch ein, dass nicht alles eitel Wonne ist. Während für die evangelischen Kirchen "500 Jahre Reformation" ein Jubiläum ist, das in gebührender Weise gefeiert werden soll, stelle es für die römisch-katholische Kirche einen Anlass zum Gedenken an die Spaltung der abendländischen Kirche dar, heißt es. Aber: "Durch die Besinnung darauf, dass keine der damaligen Konfliktparteien eine Spaltung der Kirche beabsichtigt hatte und insbesondere durch die Einsicht, dass es in der Reformation trotz aller politischen, gesellschaftlichen und biographischer Faktoren, die eine Rolle spielten, um das Evangelium als verpflichtenden Maßstab und als Kraft zur Erneuerung gegangen ist, wurde ein gemeinsamer Weg möglich: Die Freude am Evangelium und die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus Christus können wir miteinander feiern."

Die Konfessionalisierung, die mit der Reformation einsetzte, habe es mit sich gebracht, "dass die eigene Identität als Kirche viel zu oft durch Abwertung der anderen und durch Abgrenzung von ihnen bewahrt wurde", gestehen die Kirchen ein. Dies sei bis zu gegenseitiger Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung gegangen, vor allem in den Religionskriegen, "die sich unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis Europas und unserer Kirchen eingegraben haben".

Dankbar seien Evangelische in Österreich für die Bitten um Vergebung von katholischer Seite für das in der Vergangenheit geschehene Unrecht. Die evangelischen Kirchen hätten ihrerseits um Vergebung gebeten, insbesondere gegenüber den Baptisten und Mennoniten als den Nachfahren der im Reformationszeitalter blutig verfolgten Täuferbewegungen.

Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Wir bedauern das Unrecht, dass wir einander getan haben. Heute nehmen wir die Verantwortung für die schuldbeladene Geschichte wahr und hören aufeinander. Wir wissen uns als Kirchen zu Umkehr und Buße gerufen und suchen nach Wegen der Versöhnung aus dem Geist des Evangeliums."

(08.11.2016, KAP)