Radiomesse Dom St. Pölten

Schwestern und Brüder in Christus!

Die Worte des heutigen Evangeliums wirken befremdlich, verstörend. Von Herren und Sklaven ist da die Rede. Nicht einmal danke sagen muss der Herr? Wird hier da nicht ein ausbeuterisches Unrechtssystem von Jesus bestätigt?

Schauen wir noch einmal hin. Jesus erzählt ein Beispiel aus dem Leben, das alle kennen und bei dem ihm alle Zuhörer zustimmen: Ja, genau, so ist es. Da regt sich kein Widerspruch, weil es einfach so ist. In der damaligen Zeit gab es eben Herren und Sklaven – und den großen Unterschied zwischen beiden. Dabei ging es nicht immer gleich um Ausbeutung. Ein Diener hat eben konkrete Arbeiten zu erledigen, das gehört zu seinen Aufgaben. Umgekehrt kann der Knecht ja auch von dieser Arbeit leben.

Machen wir einen Sprung in unsere Lebenswelt. Es gibt Menschen, die Großartiges vollbringen und dann erstaunlicherweise sagen: „Das ist doch selbstverständlich, dafür brauche ich keinen Dank. Das bin ich mir, dem Leben, das bin ich Gott schuldig.“ Manche habe Schweres durchgemacht, andere sind nach einer Krankheit wieder gesund geworden, wieder andere sagen: Ich habe so ein gute Kindheit gehabt und so gute Voraussetzungen für das Leben, dass ich anderen helfen möchte. Deswegen unterstützte ich die Kinderkrebshilfe oder das Mutter-Kind-Haus, oder mache ich Besuchsdienst im Pflegeheim oder im Hospiz, oder deswegen bin ich bei der Feuerwehr oder beim Rettungsdienst. Solche Menschen stellen an uns die Frage: und ich? Wovon und wofür lebe ich? Im materiellen Sinn, aber auch im tieferen Sinn? Wovon, und von welchen Menschen lebe ich? Und wofür lebe ich? Wofür verwende ich meine Lebenszeit, mein Geld, meine Energie und meine Fantasie?

Schauen wir noch einmal auf Jesus. Das Beispiel, das er uns erzählt, trifft ja auf ihn selber nicht zu. Er, der Herr, hat sich zum Sklaven gemacht. Im Johannesevangelium übernimmt Jesus beim letzten Abendmahl den Sklavendienst der Fußwaschung. Er bedient und dient uns! Er ist nicht gekommen, um es sich möglichst bequem zu machen in unserer Welt, um es sich zu richten, um Vorteile für sich herauszuholen, sondern um uns Menschen zu dienen. Er hat die ganze Zeit sein Leben hergegeben. Nicht um Lob und Anerkennung zubekommen. Von innen heraus. Um uns zur Tiefe, zum Sinn, zum Glauben und damit zum Leben zu führen.

„Herr stärke unseren Glauben!“, so bitten die Jünger. Glauben ist ja nicht bloß eine fromme Verzierung des Lebens oder ein feierlicher Rahmen für bestimmte Anlässe. Da geht es um den Kern meines Lebens, wovon und wofür ich lebe! Wenn wir unser Leben aus dem Glauben heraus gestalten, ist das ein Riesen-Geschenk. Durch den Glauben bekommt unser Leben soviel Tiefe und Weite und Perspektive! Beim Glauben ist es meistens nicht eine Frage von 0 oder 100 Prozent, sondern eine Frage von mehr oder weniger. Wie ein Mann einmal zu Jesus sagte: „Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Jesus sagt uns heute: Und wenn unser Glaube nur so klein ist wie ein Senfkorn - und das ist wirklich winzig, „Mini“! – es wirkt sich aus, es verändert das Leben.

Wenn unser Glaube wächst, dann wachsen auch Hoffnung und Liebe, Friede, Hingabe und Freude in unserem Leben. Daher bitten wir: Jesus, stärke und mehre meinen, stärke und mehre unseren Glauben!