Schönborn an Bünker: "Das Wort Gottes verbindet uns"

Die Bibel hat knapp 500 Jahre nach der Reformation für die katholische und die evangelische Kirche zentrale Bedeutung. "Das Wort Gottes verbindet uns", sagte Kardinal Christoph Schönborn an den evangelischen Bischof Michael Bünker gerichtet bei einem ökumenischen Empfang am Dienstagabend in der Freistadt Rust.

Als Zeichen dieser Verbundenheit überreichten die Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz bzw. des evangelischen Oberkirchenrates einander die jüngst revidierten Ausgaben der Lutherbibel bzw. der Einheitsübersetzung.

Spiritueller Höhepunkt der erstmaligen katholisch-evangelischen Begegnung im Rahmen einer Vollversammlung der Bischofskonferenz war ein ökumenischer Gottesdienst am Dienstagabend in der evangelischen Kirche in Rust. Der Liturgie standen der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics und der burgenländische Superintendent Manfred Koch vor. Koch betonte in seiner Predigt, dass das Evangelium die Christen über alle Konfessionen hinaus verbinde. Aus dem anfänglichen Gegeneinander von Katholiken und Protestanten sei ein Nebeneinander und schließlich ein Miteinander geworden und er hoffe auf ein künftiges Füreinander, so der Superintendent.

Er erinnerte an die große Hilfsbereitschaft der Burgenländer, Katholiken wie Evangelische, in den Jahren 1956, 1989 und 2015, als die Solidarität sehr vieler anderen Menschen in Not und auf der Flucht gegolten hatte. Die Liebe Gottes zu den Menschen gebe den Christen die Kraft zur Nächstenliebe über alle Grenzen hinweg. Wenn sich die Kirchen auf diese Liebe Gottes einließen und so Christus immer näher kämen würden sie auch noch näher zueinander finden, zeigte sich Koch überzeugt.

Kriterien für Weg zur vollen Einheit

Bischof Zsifkovics nannte am Beginn der ökumenischen Feier fünf Kriterien, damit künftig der "Weg der Kirchen vom Konflikt zur Gemeinschaft und zur vollen Einheit" verlaufen könne. Grundlegend dafür sei, dass alles "mit einer Perspektive der Einheit und nicht der Spaltung" beginnen müsse. Die gegenseitige Veränderung müsse "in der Begegnung und im glaubhaften christlichen Zeugnis" geschehen. Zudem müsse "der Imperativ einer sichtbaren Einheit" vorherrschen, die ihrerseits "auf der Wiederentdeckung der Kraft des Evangeliums" fußt. "So erst könne schließlich unsere Verkündigung und unser Dienst an der Welt ein gemeinsames Zeugnis für Gottes Gnade sein", betonte der Eisenstädter Bischof.

Der Gottesdienst in Rust trug der kulturellen Pluralität des Burgenlands Rechnung und wurde auf Deutsch, Ungarisch, Kroatisch und Romanes abgehalten. Für die musikalische Gestaltung sorgte u.a. das Haydnquartett. Die Landespolitik war an erster Stelle durch Landeshauptmann Hans Niessl vertreten.

(09.11.2016, KAP)