Ansprache an die Mitarbeiter der Diözese St. Pölten bei der Weihnachtsfeier 2018

Lieber Herr Generalvikar, liebe Brüder und Schwestern!

Ich freue mich, heute hier mit Ihnen zusammenzukommen und mit Ihnen allen diese letzten Adventtage auf Weihnachten hin zu feiern. Erneut kommen wir in so großer Schar zusammen, und mittlerweile sind mir viele Gesichter vertraut. Wieder möchte ich mich bei Ihnen bedanken, für das Vertrauen und die wohlwollende Aufnahme hier in dieser schönen Diözese, die mir meinen Start hier so freudvoll und leicht gestaltet haben.

Vielleicht haben einige von Ihnen am Weg hierher ins Hippolythaus die aktuelle Meldung gelesen, dass für meine ehemalige Diözese Gurk Klagenfurt Erzbischof Franz Lackner als Visitator bestellt wurde. Ich betone ausdrücklich, dass ich darüber dankbar und glücklich bin. Die Medien haben intensiv berichtet und nun wird endlich ein objektiver Blick auf mein Wirken in Gurk-Klagenfurt geworfen.

Berichten kann ich Ihnen über meine Arbeit in Gurk-Klagenfurt, dass ich nicht nur zum Bischof und Hirte ernannt wurde, sondern damit auch eine große Verantwortung in der Betriebsführung einhergeht. Mein Auftrag war ganz klar, nicht nur zu erhalten, sondern auch zu vermehren. Das war mein Auftrag, als ich dort gearbeitet habe. Nach meinem Dafürhalten ist mir das gelungen.

Ich bitte Sie, dass sie mir vertrauen, dass wir miteinander den Weg gestalten. Ich vertraue ihrem Wirken, ihren Mühen, ihren Erfolgen, und danke Ihnen für die Fragen, die sie mir stellen und auch dass sie meine Fragen aushalten, die ich ihnen stelle, weil ich auch noch vieles lernen muss. Aber eines habe ich festgestellt: es ist diese Diözese in gremialer Struktur bestens geordnet. Da kann ich mich verlassen. Den Wirtschaftsrat, das Konsistorium, die Ordinariatskonferenz, auch die Zusammenkunft bei den Pastoralen Diensten oder bei der Caritas. Es ist alles wohlgeordnet. Da bin ich oft froh, dass ich nur schreiben muss, dass ich das Protokoll gelesen habe und dann ist es so umzusetzen.

Es funktioniert so Vieles, ganz ohne mein Zutun, aber hoffentlich spürbar unter meinem Gebet für sie. Mein Gebet, das wirkt überall in ihre Ämter hinein, das reicht in ihre Arbeit hinein, wo sie arbeiten, wo sie wirken, wo sie Menschen begegnen. So begleite ich sie. Ich nehme sie hinein in mein Gebet, in das Stundengebet, in die Eucharistie. So nehme ich sie hinein, weil sie ermöglichen, dass die Kirche ihren Weg geht und die Menschen erfahren: Gott ist ein Liebender. Das ist das, woran sich Menschen heute anhalten wollen.

Unsere Aufgabe als Kirche ist es ja nicht, zuerst einmal zu sagen, was wir alles wissen oder was wir alles informieren, sondern wir sollen die Menschen bitten: Lasst uns an euren Fragen teilhaben. Die Welt ist so bewegt, manchmal so chaotisch, manchmal so leidvoll, und da hinein kann Gott für Menschen nur erlebbar sein, wenn wir für die Menschen da sind. Also, mit dem Evangelium im Herzen bei den Menschen sein. Diesen Satz haben Sie alle bestimmt langsam mitbekommen, und dass das mein Programm ist. Mit Jesus Christus und dem Evangelium im Herzen den Menschen nahe sein. Nahe sein, zuhören, aufmerksam sein, mit ihnen das Leben teilen. Wir haben das erlebt mit den Menschen in und außerhalb der Kirche hier in dieser Diözese. In den Pfarren, im Priesterseminar, in den Klöstern und Stiften, bei der Caritas, bei Emmaus, aber auch auf der Straße draußen, am Markt, in der Stadt, in den Schulen, in Gemeinden mit Bürgermeistern. Es ist so schön, dass Kirche in diesem Land gefragt ist. Das ist gut so. Also, dass es den Menschen nicht gleichgültig ist, wie die Kirche heute dasteht. Da haben Sie viele Erwartungen und da haben wir einen verlässlichen Dienst zu tun. Ich bewundere die Pfarrer, die sich für die Kirche einsetzen. Ich werde demnächst alle Priester besuchen in den Dekanatskonferenzen, da sind die Termine bis Ostern schon alle eingeteilt, werden uns auch in den Regionen treffen, es wird Filmvorführungen geben vom Papstfilm, den wir hier in St. Pölten miteinander schon angeschaut haben, das machen wir dann auch draußen in den Regionen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren, wie es ihnen damit geht, was sie mitnehmen und begreifen vom Programm von Papst Franziskus. Also, ich sage Ihnen: sie haben einiges vor mit mir. Die Anfragen von Terminen sind vielfältig und ständig, und selten habe ich die Termine vorgegeben, sondern Sie alle, jeder von Ihnen. Das ist gut so und ich nehme diese Herausforderung gerne an.

Wo ich hinkommen soll, und was ich noch sehen soll und was Sie mir noch zeigen wollen. Ich mache das gerne mit Ihnen und lasse mich darauf ein und freue mich, dass wir gemeinsam entwickeln. Und dann werden Sie sehen, wie wir das machen, wie die Gnade Gottes uns oft schon zuvorkommt. Wie wir das Leben miteinander gestalten, wie wir das Gebet hineinbringen, wie wir Werthaltungen hineinbringen, die ganz nah am Evangelium sind. Manches wird uns nicht gelingen, dann werden wir sagen, das war ein Versuch, das hat nicht funktioniert, das ist nicht aufgegangen, probieren wir es anders. Oder auch, dass mit anderen Menschen etwas wieder anders geht. Auf jeden Fall will ich versichern, dass mein Grundprogramm aus dem Zweiten Vatikanum kommt, aus der Pastoralkonstitution, und da heißt es: Christus macht den Menschen den Menschen kund. Jetzt vor Weihnachten passt das besonders gut: Christus, das Kind in der Krippe, macht den Menschen den Menschen kund. Dieser Jesus zeigt uns, wie das Menschsein geht. Und wenn wir uns da so auf Seinen Weg einlassen, dann wächst in uns - und ich sage das jetzt ganz theologisch - die Vergöttlichung. Gott wurde Mensch, damit wir Mensch werden und damit wir hineinverwandelt werden in Sein göttliches Lebens. Da müssen wir die Menschen begleiten: Zu ihrem Menschsein müssen wir sie begleiten, in den Herausforderungen des Lebens. Und dann werden sie in ihrem Menschsein entdecken, dass Gott ihnen ganz nahe ist. Auf vielfältige Weise ist Gott dann den Menschen nah, mit uns. Das bitte ich, dass wir das im gegenseitigen vertrauen und im Wertschätzen leben. Da dürfen sie mich fordern, und ich lasse mich da auf Ihre Wege ein; denn Sie waren alle schon vor mir da. Sie haben hier den Glauben schon miteinander gelebt und geformt und ich darf da dazukommen. Manchmal werde ich den Blick auf Einzelnes lenken und sagen: „Schauen Sie, vielleicht ist das auch ein guter Weg, vielleicht probieren wir es von der anderen Seite her“ oder ich bringe mit meiner Lebenserfahrung das eine ein und sie etwas anderes. Das heißt also, wir lernen miteinander, wie die Botschaft auszusehen hat, die wir einander und der Welt auszurichten haben. Wir lernen voneinander. Sie erzählen mir, was an Glauben bei Ihnen schon da ist, lernen selber die Schönheiten ihres Glaubens neu kennen und zeigen mir und anderen ihren Weg. Darauf lasse ich mich gerne ein und ich freue mich, da gemeinsam mit Ihnen auf dem Weg zu sein.

Das möchte ich Ihnen heute mitgeben: nicht nur die Freude des Zugehens auf das Weihnachtsfest, sondern auch das Zugehen auf das Weihnachtsfest mit Ihnen allen. Sie werden mir dann in der Heiligen Nacht bei der Krippe einfallen, in der Domkirche, bei der Christmette, da werde ich sie alle mitnehmen, dass wir gemeinsam ankommen und gemeinsam alle hören: Friede den Menschen auf Erden. Dieser gemeinsame Klang der Friedensbotschaft von Weihnachten möge uns dann in der Heiligen Nacht vernetzen und alle sollen in diesem Land spüren: weil es uns gibt, hier in dieser Diözese, können Menschen sagen: Gott ist mit uns. Und dann begreifen sie den Namen dieses neugeborenen Kindes, von dem es heißt, er ist der Immanuel, der „Ich bin da“. Mit dieser Einladung, dass wir unsere Ohren in der Heiligen Nacht so öffnen, dass wir alle die Botschaft des Friedens hören, gehen wir auf Weihnachten zu. Ich bete darum und danke für Ihr Gebet und dass so wertschätzende Miteinander.