Begräbnis von Anton Rosa

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz, St. Pölten


Begräbnis Anton Rosa
Sonntag, 21. September 2018,
14 Uhr, Pfarre Hochwolkersdorf
1. Lesung: Brief des Apostels Paulus an die Epheser 4,1-7.11-13    Evangelium: Mt 9,9-13


Sei gepriesen Vater, Herr des Himmels und der Erde, du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Auch wenn jemand alt wird, das Abschied nehmen ist dennoch schwer, besonders dann, wenn man zurück schauen kann auf sein erfülltes Leben. Ihr gehört als Pfarre zusammen und das Aus- und Loslassen ist nicht so einfach. Als ich vor ein paar Wochen das letzte Mal hier war, war er bei der Messe da. Wir haben uns nachher noch getroffen draußen und miteinander gesprochen. Ich hätte nicht gedacht, dass er mich so schnell wieder nach Hochwolkersdorf herruft, dass er sagt, ich soll wiederkommen.

Wir schauen also zurück auf ein langes Leben, wir schauen auf die unterschiedliche Weggeschichte, die wir mit ihm hatten, manche von euch länger, manche kürzer. Am 30. Jänner 1925 wurde er geboren, in einer Zeit – der 1. Weltkrieg war gerade vorbei –, in der man damit beschäftigt war, den Wiederaufbau in Österreich zu gestalten. Als Fabrikskind wurde er in Hochwolkersdorf geboren. Er war die große Hoffnung seiner Eltern. Seine Jugendjahre waren gekennzeichnet von einer Zeit, die einem die Jugend wegnimmt. Denn er musste in den Krieg ziehen. So wie sein Bruder auch, der nicht heimgekommen ist, musste er in den Krieg ziehen. Dieser Generation hat man die Jahre der Jugend genommen. Der Krieg hat unterschiedlich seine Spuren bei denen hinterlassen, die daran teilnehmen mussten: Wenn sie überlebt hatten und aus dem Krieg zurückkehrten, haben sie das Eine oder Andere darüber erzählt, über Manches haben sie nicht oder erst viel später geredet. Wir kennen das alle aus den Erzählungen unserer Eltern, wenn sie sich an das Thema Krieg herangetastet haben und einmal etwas davon erzählt haben. Sie wussten ja, es muss die Zukunft weitergehen.

Er ist heimgekommen vom Krieg, Anton ist heimgekommen, sein Bruder nicht und deshalb musste er dann den Hof übernehmen, er dachte sein Bruder würde ihn übernehmen. Wenn einer den Krieg überlebt, dann muss er schon viele Schutzengel haben, dann muss er schon eine eigene Führung haben, es ist schon ein großes Geschenk, vom Krieg heimzukommen, vom II. Weltkrieg heimzukommen!

Und dann beginnt für den jungen Menschen, der gezeichnet ist von der Auseinandersetzung, dann beginnt das Leben auf Zukunft hin.  Er lernt seine große Liebe, seine Frau Marianne, kennen. Also die zwei, ich sage, dass so von meinem Herzen heraus, die zwei haben zusammengepasst. Die waren gut miteinander. So eine lange Liebesgeschichte der beiden, das ist etwas ganz Besonderes, mit all den Höhen und Tiefen. Ihre Liebe hat sich dann zeigen müssen als gleich das erste Kind nach der Geburt stirbt.

Dann gab es so ein Jahr, ich glaube es war 1957 / 58, da sterben bei beiden die Eltern, bei der Marianne und bei ihm. Beide sterben ganz knapp hintereinander. Es gab vier Begräbnisse innerhalb von kurzer Zeit. Aber ihre Liebe – da stirbt das Kind und dann sterben die Eltern – hat gehalten. Sie haben das große Glück gehabt, dass sie den Egon gefunden haben. Da sind wir sehr dankbar.
Sie hat eine rechte Freude gehabt mit Dir, wirklich eine große Freude, dass Du da warst. Diese Freude über Dich hat sie so beschenkt, dass die beiden selber dann 1959 den Gerhard gekriegt haben. Die Freude über den einen hat den anderen ermöglicht. Irgendwie schon eine berührende Geschichte und jetzt sind zwei Buben da, wo die Eltern drauf schaun, mit denen sie hineinwachsen ins Leben und selber werden sie dann so zu Erwachsenen in und für diese Gesellschaft.

Wenn man Kinder hat, wenn man zwei Buben daheim hat, die heranwachsen, dann spürt man sich selbst wieder lebendig. Da hat man dann auch ein bisschen Zeit für die anderen. Da hinein wächst der Anton auf. Schaut, wie viele Leute heute da sind. Das ist ein Zeichen dafür, wie er gelebt hat. Er war bei der Feuerwehr, er war einer von Euch. Er war aber auch bei der Raiffeisenkasse, da merkt man schon er hat da gelebt. Beim Bauernbund war er, bei der Waldgenossenschaft war er Mitglied und dann - geht er weg.

Wenn du eine Familie hast, die Buben da sind, dann kann man für die anderen wieder was tun. Man hart wieder Zeit für eine Gemeinschaft, für ein Dorf, natürlich auch für die Kirche da zu sein. Als er noch Pfarrgemeinderat war, hat er sich eingesetzt dafür, dass diese neue Kirche da gebaut wird.

Wenn du so in der Gesellschaft bist, da musst ein bestimmter Typ von Mensch sein, humorvoll, gefällig und gern gesehen – und das war der Anton.
Ich seh‘ ihn da, ich habe ihn doch vor kurzem erst da gesehen. Er war ein humorvoller Mensch, der mitten unter Euch, mitten im Dorf drinnen, viel wusste und viel zu erzählen gewusst hat. Zu uns ist er auch gerne gekommen.

Später lernt der Gerhard seine liebe Frau kennen, dann sind die drei Enkelkinder da. Das ist etwas Schönes für eine Familie. Ich habe ihm das vergönnt, eine schöne Familie, eine junge Frau und Enkelkinder. Die Kinder wachsen in einer Familie heran, die füreinander da sind.

Der Glaube war für ihn immer eine Selbstverständlichkeit, Messgehen am Sonntag, da wächst eine innere Kraft, da wächst eine Alltagstauglichkeit zum Beten. Er hat nicht viel darüber geredet, aber gelebt hat das. Das ist einfach so in der Gegend. Die gläubigen Menschen in der Gegend reden nicht viel über den Glauben, aber sie leben ihn. Das ist für mich die große Gewissheit, dass der Tod für ihn das Sterben, nicht aber das Leben beendet hat. Der Anton, der jetzt in unseren Herzen, in den Gesprächen, in den Gesichtern der Kinder weiterlebt - er ist da.

Und jetzt ist er natürlich ein ganz großer Fürsprecher für seine Frau Marianne. Da ist er vom Himmel her eine Hilfe, damit sie das Leben im Alter in Würde gestalten kann. Wir wissen es ja nicht, wenn die Leute alt werden, was in ihnen so alles vorgeht, was sie denken, was sie fühlen, was sie empfinden, was sie mitkriegen, was sie nicht mitkriegen. Aber er weiß es, der liebe Anton weiß es sicher. Er weiß aber auch, wie es ausgeht. Und so ist er ein guter verlässlicher Fürsprecher.

In den Wald kann er nicht mehr fahren, da ist er immer rausgefahren, hat herumgeschaut, das war ihm ein Anliegen, doch dorthin kann er nicht mehr fahren. Aber er ist da, er schaut auf Euer Haus, er schaut auf Euer Miteinander. Das ist die Verpflichtung das Erbe des Vaters in ganz großer Liebenswürdigkeit weiterzuleben, den Glauben zu leben, zueinander zu stehen und zu wissen, er ist vom Himmel her für Euch da. Das unterscheidet uns von anderen, die keinen Glauben haben.

Wir haben den Glauben, dass das Leben über den Tod ein Durchgang ist in eine andere Welt, wo die Verstorbenen in einer ganz anderen Weise für mich da sind. Und im Grunde sind sie ja nur über den Tod einen Schritt voraus. Wir werden ihm ja auch alle begegnen. Da werden wir ihn wieder treffen und da werden wir mit ihm wieder Zusammensein. Das ist das Schöne an unserer Religion, an unserem Glauben, dass der Tod sehr schlimm ist, ganz schlimm, aber dass er nicht das letzte Wort hat. Dass der Tod nur ein Abbremsen vom Lebenslicht ist, aber wir wissen, es geht weiter.

Da drüben wartet er dann auf uns, unser Herrgott wartet auf uns und mit ihm die, die mit uns gelebt haben. Ich sage auch das, damit es Euch ein bisschen tröstet im Herzen. Damit man so einen Abschied wie heute, die Feier geht ja, aber dann der Gang zum Grab und das Hinunterlassen vom Sarg, das muss man einmal innerlich aushalten als Sohn, Kinder, Enkelkinder. Das haben wir noch vor uns jetzt. Aber das werden wir auch überstehen, weil der Herrgott gibt uns ja Kraft dazu und sagt, ich lass dich nicht aus. Ich bin bei Dir und der Vater sagt, Kinder schaut, ich habe ein erfülltes Leben gehabt, ich bin vom Krieg heimgekommen, ich habe Euch gehabt, ich habe die Marianne gehabt.

Wir haben ein gutes Leben gehabt, und das ist schön, wenn man das sagen kann. In einem Land, wo man jetzt in Frieden leben kann. Also in den Gedanken, in den Gefühlen, in den Augenblicken ist er mit uns und der Herrgott sagt:
Vertraut mir! Ich schaffe Euch eine Heimat, ruht bei mir aus und schaut, dass ich Euer letztes Glück bin.
Es wäre gut, wenn wir uns in unserem Glauben heute, uns stärker beim Herrgott anhalten, dann hat der Anton vom Himmel her die größte Freude mit uns.

Das wollen wir machen. Aus Dankbarkeit für das, was er gemacht hat, sagen wir, wir halten uns beim Herrgott an und Du bist auch bei uns Anton. Dafür sagen wir Dir Dank, für all das, was Du für uns gewesen bist und was Du für uns gemacht hast.  Wir sagen das heute in der Sprache der Kirche: Anton Vergelt’s Gott.

Amen.