Predigt Gründonnerstag 2018

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Messe vom Letzten Abendmahl ist durch eine besondere Dichte des Geheimnisses gekennzeichnet. Sie erinnert an die letzten Stunden Jesu vor seinem Leiden im Kreise seiner Jünger. Sie hatten sich versammelt, um das Paschamahl zu feiern, das an den Auszug aus Ägypten und die Errettung vor dem Todesengel erinnert, der die Erstgeborenen bei Tier und Mensch tötete. Jesus vollzog zunächst die Fußwaschung, dann folgte die Einsetzung der Eucharistie, die mit seinem Leiden und Sterben am Tag darauf und mit seiner Auferstehung drei Tage später in engem Zusammenhang steht.

Wir können es wahrscheinlich nie ganz begreifen, was Jesus seinen Jüngern deutlich machen wollte, als er ihnen der Reihe nach die Füße wusch. Zu Simon Petrus sagte er: „Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.“

Er bezog sich auf sein Leiden und Sterben, auf die Wirksamkeit seines Todes. Der Prophet hatte es angekündigt: „Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes). Es geht um einen Vorgang der Reinigung, der nötig ist, um an Jesus Anteil zu erlangen. „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“, sagt Jesus zu Petrus, der sich zunächst sträubt.

Auch die Eucharistie übersteigt unser Fassungsvermögen. Beim Letzten Abendmahl vollzog sie Jesus im Hinblick auf das Geschehen am nächsten Tag und im Hinblick auf die Auferstehung. Wenn wir Eucharistie feiern, wird vergegenwärtigt, was durch sein Leiden und Sterben am Kreuz und seine Auferstehung bereits vollzogen ist. Es bleibt immer ein Geheimnis. Wie ist es möglich, dass der durch Leiden und Tod hindurch gegangene, auferstandene Herr zu uns kommt, und zwar so wie er kommt, unter den Gestalten von Brot und Wein, mit Leib und Blut, mit seiner Menschheit und seiner Gottheit, so dass wir ihn empfangen und mit ihm wirklich eins werden können?

Es ist richtig, wenn wir um den Beistand des Heiligen Geistes bitten, um zu erfassen, dass aus seinem Leiden und Sterben Reinigung entspringt, uns die Vergebung der Sünden ermöglicht, Heilung zuteil wird, wir an ihm Anteil erlangen. Und wir brauchen den Beistand des Heiligen Geistes, um wahrzunehmen, dass er da ist, wirklich gegenwärtig mit Leib und Blut, mit seiner Menschheit und seiner Gottheit, dass er zu uns kommt.

Es ist sicher auch richtig, wenn wir im Wunsch, glauben zu können, Gott in aller Einfachheit um Hilfe bitten, so wie es der Vater des mondsüchtigen Knaben getan hat. Er hatte um die Heilung seines Buben gebeten und zu Jesus gesagt: „Wenn du kannst, mach ihn gesund“ und Jesus hatte geantwortet: „Alles kann, wer glaubt“. Darauf hat der Vater unter Tränen beteuert: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Vielleicht müssen wir auch genauso bitten.

Wichtig ist auch, den Zusammenhang zwischen dem Empfang des Bußsakramentes und der Fruchtbarkeit des Kommunionempfanges wahrzunehmen. Es gab eine Zeit, in der manche übertrieben ängstlich waren und nur dann die Kommunion empfingen, wenn sie vorher gebeichtet hatten. Das ist aber schon lange her. In unserer Zeit besteht eher die Tendenz, dass die Beichte vernachlässigt wird. So kann die Gefahr entstehen, dass man trotz Kommunionempfang keinen Anteil an ihm erlangt, dass der Kommunionempfang unfruchtbar, ja sogar schädlich wird, weil die notwendige Umkehr und Buße fehlen.

Am Ende der Messe vom letzten Abendmahl wird das Allerheiligste „an den dafür bestimmten Ort“ (bei uns die Rosenkranzkapelle) übertragen, um Jesus in der Eucharistie anzubeten und zu begleiten.

Die eucharistische Anbetung öffnet das Herz. Sie ist für uns wichtig und heilsam. Sie hilft uns verinnerlichen: Er ist da, sein Leiden ist gegenwärtig, auch sein Tod und seine Auferstehung. Vielleicht ist es gut daran zu denken, dass wir auch stellvertretend für andere beten können. Wir können uns mit Ihm, der Mensch geworden ist und am Kreuz sein Leben hingegeben hat, im Gebet vereinen, mit dem Verlangen, auch unser Leben zu einer Opfergabe an Gott zu machen und, für unsere Lieblosigkeit und die Lieblosigkeit der Menschen Sühne zu leisten. Wir können Jesus bitten, er möge seinen Geist, den Heiligen Geist uns und den anderen senden, damit Gott auch in unserer Zeit erkannt und geliebt wird. Eine Umkehrbewegung ist dringend nötig. Hier und dort ist sie bereits im Gange, aber sie muss wachsen.

Bitten wir Maria um ihre Fürsprache. Sie möge uns beistehen, damit wir vor dem Kreuz Jesu nicht zurückschrecken, sondern es annehmen und uns mit Jesus vereinen.