Dankgottesdienst zum Abschied von Bischof Küng
Lange Nacht der Museen im Diözesanmuseum
Erntedankfest
 
 

Predigt Priesterweihe

Liebe Brüder im priesterlichen und diakonalem Dienst,
liebe Jubilare,
liebe Angehörige und Freunde des Weihekandidaten,
liebe Brüder und Schwestern,
lieber Weihekandidat!

Ich muss zugeben: Es freut mich, dass es sich so ergeben hat: Seit langem war ich bereit, meinem Nachfolger den Hirtenstab zu übergeben, und doch ist es schön, dass ich dem Weihekandidaten dieses Jahres noch die Hände auflegen und auch die vielen Mitbrüder, die in diesem Jahr ein rundes priesterliches Jubiläum feiern, begleiten darf.

Es kam mir bei der Vorbereitung dieser Priesterweihe bald die Frage, welche Botschaft ich dem Weihekandidaten und meinen jubilierenden Mitbrüdern mitgeben soll.

Das erste, das mir in den Sinn kam, steht im Evangelium des Hochfestes: „Die Mächte der Unterwelt werden sie (die Kirche) nicht überwältigen.“ Das ist eine ganz wichtige Botschaft. Wir sollen Vertrauen in die Kirche haben und in den Beistand des Heiligen Geistes. Es hat – auch in unserem Land – schon schwierigere Zeiten für Gesellschaft und Kirche gegeben. Es ist richtig, wenn wir auf die Verheißung Jesu bauen und gelassen sind.

Die zweite Botschaft bezieht sich auf die Grundlage des Priestertums, die zur Grundlage der Kirche gehört. Paulus schreibt: „Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören, und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.“

Die Priesterweihe empfangen bedeutet angezogen werden von Christus, dem guten Hirten, um an seine Stelle tretend wirksam zu werden bei der Verkündigung seines Wortes, bei der Feier der Eucharistie und der Verwaltung seiner Geheimnisse.

Ich bin davon überzeugt: Auch heute kann man mit Freude Priester werden, und auch heute kann es gelingen, dass ein Priester, der an vorderster Front wirkt, trotz aller Schwierigkeiten, die es geben kann, auch nach vielen Jahren weiterhin gerne Priester ist und dabei große Freude empfindet.

Es gibt nichts Schöneres als zu erleben, wenn in manchen Augen der Glaube plötzlich aufleuchtet oder wie eine niedergedrückte Seele erneut Mut fasst oder jemand, der von Gott weit abgekommen ist, zurück findet und sich Frieden im Herzen ausbreitet.

Aber die Lage in den Pfarren ist doch schwierig? Die Kirchenbänke leeren sich der Reihe nach? Das ist wahr. Die Gründe sind vielfältig

Dennoch: Die Sehnsucht nach Gott, nach dem Guten, nach innerer Erfüllung ist vorhanden, bei vielen, wenn auch manchmal verdeckt. Außerdem: nicht alle Kirchen leeren sich. Manche werden wieder voller.

Mich hat der Kommentar einer Frau gefreut, sie ist seelsorglich im Einsatz. Sie sagte: „Mir sind diejenigen, die vom Glauben überhaupt keine Ahnung haben, fast am liebsten. Wenn sie plötzlich entdecken, dass Gott ihnen nahe ist, oder was die Eucharistie bedeutet oder wie sehr Vergebung heilen kann, dann geht ihnen eine neue Welt auf.“

Jede Zeit hat ihre Schwierigkeiten und Chancen, Priestersein ist ohne Zweifel eine große Aufgabe: Menschen ansprechen, dazu schauen, dass andere mittun, die Tür entdecken, die vielleicht schon offen steht und zu den Herzen hineinführt. Auf die Menschen zugehen wie es die Missionare getan haben, wenn sie irgendwo auf einem Kontinent neu angekommen sind. Vor allem geht es darum, Jesus zu vergegenwärtigen, auf ihn hinzuweisen, ihn anzubeten. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Erneuerung in Zeiten größerer Umbrüche oder in Zeiten, in denen der Glaube zu kurz kam, immer im Kleinen begonnen hat. Für mich war es längere Zeit ein Rätsel, warum im 19. Jhdt. unter Bischof Ignaz Feigerle plötzlich wieder große Volksmissionen zu einem riesigen Erfolg wurden. Die Erklärung findet sich in den Anfängen durch Einzelpersonen. Eine nicht geringe Rolle spielten einzelne Priester, wie z. B. ein Pfarrer Renner im Waldviertel. Er war so etwas wie der hl. Pfarrer von Ars.

Wichtig ist, Christus im Herzen zu tragen. Das ist nicht ein Privileg des Priesters – alle können und sollen es –, aber beim Priester ist es in besonderer Weise fast sichtbare Grundlage für die Fruchtbarkeit der Berufung Die Gläubigen tun sich leichter bei einem Priester, bei dem sie merken: Er glaubt, was er sagt, und er lebt entsprechend. Ich möchte Dir, lieber Diakon Paul die Ermahnung der hl. Teresa von Avila für ihre Schwestern zurufen, dich durch nichts in der Welt von deinen Zeiten des Gebetes abhalten zu lassen, und zwar unabhängig davon, ob du eine oder fünf oder zehn Pfarren zu betreuen hast. Wenn wir als Priester, als Bischof behaupten, dass wir keine Zeit zum Gebet haben – dann ist das ein sicheres Zeichen, dass etwas falsch läuft. Dann müssen wir nachdenken und nach geeigneten Lösungen suchen.

Es ist auch notwendig, persönlich regelmäßig und immer wenn besonders nötig, Christus, den Erlöser, zu suchen. Um Kraft von ihm zu empfangen, auch Vergebung, damit wir den Frieden und die Freude im Herzen tragen. Wir brauchen alle die Hilfe des Herrn, gerade auch konkret durch den Empfang des Bußsakramentes.

Als ich früher viel Beichte hörte, habe ich oft Müttern gesagt, es ist so wichtig, dass du froh bist, den Frieden im Herzen trägst, es ist auch wichtig für deine Kinder und für deinen Mann. Manchmal fügte ich hinzu, geh an die frische Luft, das ist kein Egoismus im Gegenteil. Auch das ist oft ebenfalls für die anderen wichtig. Du musst ausgeglichen und bei gutem Humor sein. Ähnliches sagte ich auch zu manchen Vätern. Beim Priester ist es ähnlich wie bei einer Mutter oder bei einem Vater. Es ist ganz wichtig, dass er den Frieden, ja Jesus selbst im Herzen trägt, ausgeglichen und bei guter Laune ist.

Noch etwas: Paulus kann am Ende seines Lebens dem Timotheus schreiben: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ Daraus möchte ich ableiten: Für Dich, unseren Weihekandidaten, und für uns alle, vom Jüngsten bis zum Ältesten, ist es von großer Bedeutung: pflegen wir diesen guten Kampf, der immer auch eine Front im eigenen Herzen hat. Er ist und bleibt notwendig und wichtig bis zum letzten Atemzug. Mich erbaut es, wenn ich auf einen alten Priester stoße, der weiterhin bemüht ist, nicht böse zu werden, auch wenn er ein starkes Temperament hat, der gegen seine Bequemlichkeit ankämpft, sich der Gefahr der Eitelkeit bewusst ist und daher darüber wacht, dass seine Absicht lauter bleibt. Wenn wir konkret bemüht sind, macht uns das menschlich und wir werden gerade dadurch, auch in unsere Schwachheit und in unserem Bemühen, den anderen zum echten guten Beispiel. Es ist ein Zeichen innerer Lebendigkeit. Und so bleiben wir froh und bleibt unsere Berufung lebendig und wir werden hier und dort dazu beitragen, dass auch von anderen Christus entdeckt wird.

So wünsche ich Dir und allen Jubilaren von Herzen Gottes Segen, die Nähe Jesu und seiner Mutter Maria. Sie sichert den Weg ab und wird, wenn wir es zulassen, immer dabei sein, dafür Sorge tragen, dass Jesus zur Welt kommt, bei uns und jenen, die uns anvertraut sind.