Generalvikar Gruber in Kirche bunt: „Wir haben einen guten Weg beschritten“

St. Pölten, 18.12.2020 (dsp/kb) Als „dialogischen Prozess“, der die Fähigkeiten erfordert, sich „auf Aufgaben und die damit verbundenen Menschen“ einzulassen, beschreibt Prälat Eduard Gruber die Funktion des Generalvikars, die er seit 12 Jahren in der Diözese St. Pölten inne hatte und die nun mit Jahresende ausläuft. Anlässlich der Übergabe an den designierten Generalvikar Christoph Weiss sprach er mit der Kirche bunt (aktuelle Ausgabe) über Kritik, Freude und Herausforderungen seiner Amtszeit.

Gerade das Engagement der Menschen in den Pfarren war für ihn „immer wieder positiv überraschend“, der Kritik der Distanz der Verwaltung zu den Pfarren vor Ort sei er mit „starker Präsenz“ in den Pfarren begegnet, „Sonntag für Sonntag, Feiertag für Feiertag“. Es war ihm wichtig „nicht nur zur Aushilfe, sondern auch wenn es Probleme gab“ da zu sein. „Es waren ganz wenige Anlässe, wo ich im Dom gestanden bin“, so der scheidende Generalvikar.

 Die Menschen und der Umgang mit ihnen sei ihm „immer wichtiger gewesen als die Struktur“, so Gruber. Hier war es die „Sachkompetenz“, die die Grundlage für ein vertrauensvolles Miteinander mit den vielfältigen Personen darstellte. Gruber dankte im Gespräch auch bei den vielen Menschen, die mit ihm gemeinsam den Blick und die Sorge um die Pfarren gemeinsam getragen haben, ob Priester, RegionalbegleiterInnen über die Ehrenamtlichen. Als „größte und wichtigste Aufgabe, wenn es um Zukunftsbewältigung geht“ sieht er es weiter, das Engagement der „zum Volk Gottes Gehörenden“ in der Taufberufung verwurzelt zu sehen „und aus dem heraus zu agieren“. Als „Grundprinzip“ der Kirche sieht er die Verkündigung, sowohl in der Feier der Eucharistie als auch in den Wortgottesfeiern. Gruber betont das Miteinander der Gottesdienste, „bevorzugt und im Idealfall die Eucharstiefeier“, aber auch, „wo nicht anders möglich, die Wortgottesfeier“ und betont, dass es dabei nie um „bigott oder superfromm“ gegen „Halbheiden“ gehen dürfe. 

Zukunft bedeute für Gruber persönlich, als Mitglied des Domkapitels und damit des Konsistoriums weiter Mitverantwortung zu tragen, und mehr Zeit für „biblische Studien“, aber auch für Aushilfstätigkeiten in Pfarren, oder in der Fort- und Weiterbildung für Erwachsene und Priester zu haben. Seinem Nachfolger wünscht er Offenheit, Zugänglichkeit und ein gutes Hinhören - Talente und Fähigkeiten, die Christoph Weiss mitbringe, so Gruber. In der Diözese sei als Verdienst sehr vieler Menschen „ein guter Weg beschritten“ worden, und er, Gruber, wünsche sich, dass dieser Weg in Verantwortung weiterentwickelt wird. Im Blick auf Weihnachten betonte Gruber schließlich, dass es „befreit von allen Klischees“ letztlich für uns selbst immer um die Menschwerdung Gottes gehe, dessen Weg für uns von der Krippe zum Kreuz geht: „Ich wünsche mir nichts anderes, als dass wir alle miteinander und bei allem, was wir tun, immer mehr Menschen werden. Menschen werden, nach dem Bild Gottes, Menschen des Miteinanders, des Füreinanders, Menschen der Hingabe“, so Gruber. „Weil, auch das zeigt Weihnachten, Leben kommt nicht aus dem Festhalten, sondern Leben kommt aus der Hingabe – das feiern wir und das ist, was ich mir wünsche“. 

Zur Person

KR Mag. Eduard Gruber wurde 1952 in Weißenkirchen in der Wachau geboren. Nach der Matura an der HTL in Krems trat er 1972 ins Pries­terseminar St. Pölten ein, wo er Theologie studierte. Bei einem Externjahr in Israel (Dormitio Abtei) vertiefte er seine Liebe zur Heiligen Schrift und zum Land der Bibel. 1979 wurde er zum Priester geweiht. Als Kaplan wirkte er in Ybbs, Schrems und Krems St. Veit. 1982 begann Eduard Gruber am Bibelinstitut in Rom sein Bibelstudium, wo er 1985 das Lizentiat in den Bibelwissenschaften „summa cum laude“ erwarb. Nach Stationen u. a. als Rektor im Bildungshaus St. Hippolyt und Pfarrer in der Pfarre Krems St. Veit wurde er mit 1. September 2008 zum Generalvikar der Diözese St. Pölten berufen. In dieser Funktion war er u. a. auch Herausgeber von „Kirche bunt“.