Österreichweite Rahmenordnung ermöglicht öffentliche Gottesdienste

Öffentliche Gottesdienste wieder möglich

St. Pölten, 4.5.2020 (dsp/KAP/kb) Ab dem 15. Mai 2020 sind öffentliche Gottesdienste wieder möglich: Am Sonntag hat die Österreichische Bischofskonferenz die detaillierten Regelungen als Rahmenordnung veröffentlicht, die die Eckpunkte von gottesdienstlichen Zusammenkünften skizzieren.

Die Obergrenze der möglichen anwesenden Personen rechnet sich nach der Gesamtfläche des Kirchenraumes und ist von den Pfarren zu berechnen: so bedeutet die Grenze von einer Person pro 10 Quadratmeter, dass beispielsweise im Dom St. Pölten mit 709 Quadratmetern 70 Personen eingelassen werden können; bei 19 Messen in der Woche entspricht dies 1.330 Personen, die jede Woche allein im Dom Messe feiern können. In der Kirche ist auf den Mindestabstand von 2m zwischen den mitfeiernden Personen zu achten. Willkommensdienste sind als Service am Kircheneingang vorzusehen, die auf eine angemessene Platzwahl und das einhalten der Präventionsmaßnahmen achten werden. Die Umsetzungsbestimmungen wurden an die Pfarren und Verantwortlichen in der Seelsorge kommuniziert. 

Die Arbeitsgruppe „Pastoral und Liturgie“ des Diözesanen Krisenstabs hat eine Handreichung für die Pfarren erarbeitet, die mit Checklisten und Vorschlägen konkretisierend die Rahmenordnung der Österreichischen Bischofskonferenz ergänzt. Derzeit in Ausarbeitung und in Rücksprache mit Verantwortlichen in den Behörden bleibt die Frage nach Gottesdiensten, die im Freien stattfinden, da die Ausnahmegenehmigung für Versammlungen zur Ausübung der Religion bislang nur für geschlossene Räume gilt.  Sollte es hier zu einer Ausnahmeregelung kommen, wird diese entsprechend zeitnah veröffentlicht.  

Eckpunkte möglicher öffentlicher Gottesdienste 

Allgemein wird darauf verwiesen, dass in den Kirchen die Weihwasserbecken entleert und gereinigt bleiben. Beim Kircheneingang sind nach Möglichkeit Desinfektionsmittelspender bereitzustellen. Ein Willkommensdienst aus der Pfarrgemeinde hat dafür zu sorgen, dass große Menschenansammlungen vor und nach den Gottesdiensten vor den Ein- und Ausgängen verhindert werden. Dieser soll auf das Einhalten der Bestimmungen und eine angemessene Platzwahl hinweisen und achten. Weiters wird erläutert, dass der festgelegte Mindestabstand "für den Zeitraum notwendiger und kurz andauernder liturgischer Handlungen unterschritten werden darf". Eine Befreiung vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Feier ist ausnahmsweise und zeitlich begrenzt möglich, wenn es für den liturgischen Dienst nötig ist. Der Priester, Lektor oder Kantor hat aber zur Kompensation größere Sicherheitsabstände bzw. diverse Verhaltensregeln einzuhalten. Der Dienst von Ministranten und Ministrantinnen ist unter Einhaltung eines Abstands von zwei Metern zulässig. 

Zum gegenseitigen Schutz ist das gemeinsame Beten und Singen auf ein Minimum zu reduzieren. Auch sollen die Kirchen vor und nach den Gottesdiensten bestmöglich durchlüftet werden. Sollte es bei der Wahrnehmung eines liturgischen Dienstes, wie beispielsweise der Kommunionspendung, zu einem direkten Handkontakt gekommen sein, "so ist die liturgische Handlung zu unterbrechen. Die Betroffenen waschen bzw. desinfizieren ihre Hände. Dann kann die Feier fortgesetzt werden", wird ausdrücklich festgehalten. In der Rahmenordnung enthalten sind auch allgemeine Hygienebestimmungen für alle, die einen liturgischen Dienst ausüben.

Kommunionfeier

 Die Kommunionfeier ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich und wird in der Rahmenordnung vorgestellt. Hierfür wurden gemeinsam mit Experten aus dem Gesundheitsbereich detaillierte Regeln ausgearbeitet: So müssen die Hostien während der Messe bis zur Kommunionspendung zugedeckt sein. Kurz vor dem Austeilen der Hostien muss der Kommunionspender den Mund-Nasen-Schutz anlegen und bei der Kredenz im Altarraum die Hände gründlich waschen oder desinfizieren. Wörtlich heißt es: "Bei der Kommunionspendung sind aus hygienischen Gründen folgende Regeln einzuhalten. Die Worte 'Der Leib Christi' - 'Amen' entfallen. Es ist nur Handkommunion möglich. Zwischen dem Kommunionspender und dem Kommunionempfänger ist der größtmögliche Abstand einzuhalten. Es ist darauf zu achten, dass sich die Hände der Kommunionempfänger und Kommunionspender keinesfalls berühren dürfen. Mit der heiligen Kommunion in den Händen treten die Gläubigen wenigstens zwei Meter zur Seite, um in genügendem Abstand und in Ruhe und Würde die Kommunion zu empfangen, was mit einem leichten Anheben der Mundmaske möglich ist." Diesen Modus hat der Zelebrant vor dem Agnus Dei (Lamm Gottes) den Gläubigen zu erläutern.

Weiters wird festgehalten, dass nach dem Kommunionempfang die Messe unmittelbar mit dem Schlussgebet und dem Segen schließt; das Danklied und eventuelle Ankündigungen entfallen. Laut Bischofskonferenz soll die Messe an Werktagen so wie am Sonntag nur in der großen Kirche gefeiert werden. Anders als bisher meist üblich, soll der Friedensgruß durch gegenseitiges Anblicken und Zuneigen erfolgen.

Sämtliche Gottesdienste an den Wochentagen (Hl. Messen wie auch Wortgottesfeiern) sind, wie mancherorts normalerweise üblich, nicht in kleineren Kapellen, sondern immer in den Kirchen zu feiern. Bei Wortgottesfeiern ist auf die Kommunionfeier zu verzichten.

Erstkommunionen, Taufen, Firmungen, Hochzeiten, Schulgottesdienste

Eine große Ausnahme stellen weiterhin die ortsungebundenen Feierlichkeiten wie Taufen, Hochzeiten, Erstkommunionen und Firmungen dar: Um das überregionale Zusammenkommen von Menschen zu vermeiden, sind sämtliche kirchliche Feierlichkeiten außerhalb der regulären Gottesdienste nur unter bestimmten Bedingungen möglich: 

  • Erstkommunionen sind zu verschieben und können aus jetziger Sicht frühestens ab Oktober stattfinden, sofern die Maßnahmen der Regierung dies zulassen.
  • Für die Feier der Firmungen wird angeraten, diese um ein Jahr zu verschieben. 
  • Die Feier von Trauungen und Taufen sind weiterhin nur im engsten Familienkreis, unabhängig von der Größe der Kirche, möglich.
  • Schulgottesdienste werden in diesem Jahr nur im Klassenverband möglich sein; Religionslehrerinnen und Religionslehrer sowie Pfarren werden darüber seitens des Diözesanschulamtes informiert. 

Der Krisenstab der Diözese St. Pölten

Das Bischöfliche Ordinariat ist die Schnittstelle für die Informationen für die Pfarren und Verantwortlichen in der Seelsorge; die Rahmenordnung der Österreichischen Bischofskonferenz wurde für die Diözese St. Pölten in Kraft gesetzt und mit zusätzlichen Detailbestimmungen an die Pfarren kommuniziert. 

Der Kern-Krisenstab der Diözese, bestehend aus Bischof Alois Schwarz, Generalvikar Eduard Gruber, Vizekanzler Christian Ebner, Finanzkammerdirektor Johann Hörndl, Rechtsreferatsleiter Stefan Stöger, Kommunikationsreferatsleiterin Katharina Brandner, Personalreferatsleiter Helmut Haberfellner sowie Betriebsratsvorsitzenden Markus Schmidinger besteht, tagt regelmäßig, phasenweise auch täglich zur Situation aufgrund der COVID-19-Pandemie; in diesem Gremium werden sämtliche auftretende grundsätzliche Fragen hinsichtlich der Rahmenbedingungen besprochen; der Krisenstab stellt zudem die interne Schnittstelle zur österreichischen Ebene der Bischofskonferenz dar. 

Zusätzlich wurde eine Arbeitsgruppe für Fragen zu Pastoral und Liturgie eingerichtet: diese besteht aus Bischof Alois Schwarz, Weihbischof Anton Leichtfried, Generalvikar Eduard Gruber, Vizekanzler Christian Ebner, dem Leitungsteam der Pastroalen Dienste, Gerhard Reitzinger und Johann Wimmer, Bereichsleiter Peter Haslwanter (Bereich Pfarre und Spiritualität) und Regionalbegleiterin Michaela Lugmaier. Diese Arbeitsgruppe behandelt alle Fragen rund um die Gottesdienste, Behelfe für die die Feiern der Hauskirche, die Ausarbeitung von Handreichungen und Checklisten rund um Dekrete und Verordnungen und hält Kontakt in die Pfarren und zu den Seelsorgern. Bei Bedarf werden hier auch Rechtsreferatsleiter Stefan Stöger und Kommunikationsreferatsleiterin Katharina Brandner zugezogen. Intensiven Kontakt gibt es selbstverständlich auch zur Caritas, der in erster Linie über den Bischof und den Generalvikar läuft. Ein erweiterter Krisenstab sorgt für den wechselseitigen Informationsfluss innerhalb der Zentralstellen der Diözese und den nötigen Support: Dazu gehören beispielsweise alle Amtsleiter, der Liturgiereferent, die RegionalbegleiterInnen und Vertreter des IT-Referates. Koordiniert wird das diözesane Krisenmanagement von Vizekanzler Christian Ebner, der im Bischöflichen Ordinariat auch Ansprechperson für alle Fragen und Unklarheiten ist.