ORF-„Kreuz und Quer“: Michael Memelauer im Portrait

ORF-Dokumentation „auf Spurensuche“ über den St. Pöltner Bischof Michael Memelauer und das Filmprojekt der Filmemacherin Anita Lackenberger an Originalschauplätzen der Diözese St. Pölten

St. Pölten, 20.11.2020 (dsp/kb) Am 1. Dezember wird im Rahmen der Religionssendung „Kreuz und Quer“ um 22.35 Uhr auf ORF2 eine Dokumentation über den St. Pöltner Bischof Michael Memelauer gesendet. Grundlage der Dokumentation sind die umfangreichen Recherchen und Forschungen, die für die Spielfilmproduktion „Das Land, der Bischof und das Böse“ der österreichischen Filmemacherin Anita Lackenberger in den letzten 2 Jahren entstanden sind.

Die Dokumentation begibt sich auf eine Spurensuche zu den Details des filmischen Porträt eines mutigen Kirchenmannes: Der aus dem niederösterreichischen Mostviertel stammende Michael Memelauer, zunächst Dompfarrer und ab 1927 bis zum Jahr 1961 Bischof der Diözese St. Pölten, war in Zeiten des Nationalsozialismus offen gegen das NS-Euthanasieprogramm aufgetreten. 1938 beginnt sein zäher Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Am 31. Dezember 1941 hält Bischof Memelauer eine nahezu in Vergessenheit geratene Silvesterpredigt, und bezieht darin deutlich und klar gegen nationalsozialistische Praktiken Stellung: „Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben“. Mit seiner Verurteilung der als "Euthanasie" bezeichneten Massentötungen von Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen blieb Memelauer in dieser Klarheit der einzige unter den Bischöfen der damaligen "Ostmark". Der weithin vergessene Predigttext aus einer Zeit, in der die NS-Machthaber die Öffentlichkeit glauben machen wollten, die Euthanasie sei bereits eingestellt worden, war im Jahr 2016 vom St. Pöltner Diözesanarchiv mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) neu herausgegeben worden. Er erinnert in der Silvesterpredigt auch an das christliche Grundgebot: „Du sollst nicht töten. Das ist das gewaltigste, die Menschheit auf der ganzen Welt schützenden Gottesgesetz“, so Memelauer 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg. 

Memelauer sei "der NS-Diktatur von Anfang an misstrauisch gegenüber" gestanden, hieß es anlässlich der zum 75. Jahrestag aufgelegten Broschüre des DÖW. Schon 1938 vor der Volksabstimmung, mit der nachträglich der "Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland legitimiert werden sollte, habe er beim Abdruck der "Ja"-Empfehlung der Bischofskonferenz im St. Pöltner Diözesanblatt die Einleitungsworte "aus innerster Überzeugung und mit freiem Willen" weggelassen, woraufhin der Text später noch einmal abgedruckt werden musste.  Ab 1952 war Memelauer aus gesundheitlichen Gründen der spätere Kardinal Franz König zur Seite gestellt wurde, der unter Memelauer prägende Jahre erfuhr. 

Der zwischen Jänner und Oktober 2020 entstandene Memelauer-Film passierte die Lebensstationen des Langzeit-Bischofs, darunter neben St. Pölten auch seinen Geburtsort Sindelburg (Bezirk Amstetten) wie auch das Stiftsgymnasium in Seitenstetten. Dargestellt wird Memelauer bei der Silvesterpredigt von Schauspieler Johannes Seilern.