Ostern: Große Nachfrage nach Kirche in den Medien

St. Pölten, 15.4.2020 (dsp/kb) Erstmals wurden alle Gottesdienste der Kar- und Ostertage im Dom zum Mitfeiern über Stream und TV zugänglich gemacht. In einer Kooperation mit der NÖN wurden neben den diözesanen Plattformen und Medien über nön.at die Gottesdienste abrufbar gemacht. Mit großem Erfolg: Insgesamt wurden über die Onlinestreams mehr als 40.000 Menschen erreicht, mehrmals waren die entsprechenden Beiträge die klick- und interaktionsstärksten Beiträge der Plattformen. Mit der Zuseherzahl sind auch die Verantwortlichen von Servus TV zufrieden: mit einer Quote von über 8 Prozent feierten das Osterhochamt zu Spitzenzeiten rund 211.000 Menschen über die Fernsehbildschirme mit. 

 

Auch die Übertragungen der Messen aus den Pfarren werden positiv wahrgenommen. Ebenfalls über eine Medienkooperation erreichte die Pfarre Krems St. Paul zusätzlich zu eigenen Kanälen tausende Menschen, die Streams wurden sehr gut angenommen. Pfarrer Christoph Weiss startete am 4. Fastensonntag mit dem regelmäßigen Streamen, immer Mittwoch, Freitag und an den Sonntagen. Ab dem Palmsonntag wurde die gesamte Kar- und Osterliturgie der Pfarre ebenfalls im Netz übertragen. „Wir behalten das Streaming nun bis auf Weiteres auch bei, weil die positiven Rückmeldungen zeigen, dass viele – weit über den Radius der Pfarre hinaus – die Gottesdienste mitgefeiert haben. Als Kirche sind wir über den „Tellerrand“ der klassischen Pfarre gegangen. Menschen aus verschiedensten Pfarren, ja sogar aus anderen Ländern, haben genauso mitgefeiert wie Menschen, die sonst zu Ostern nicht in die Kirche gehen würden“, schildert Pfarrer Christoph Weiss seine Eindrücke. „Wer heute neugierig ist, taucht nicht persönlich in der Pfarrkirche auf, sondern schaut einfach „anonym“ ins Internet“, so Weiss. Als „auch eine neue Form der Seelsorge“ bezeichnet Weiss die Möglichkeit, über Medien mit Menschen in Kontakt zu treten.

 

Diesen Eindruck bestätigt auch Magdalena Ganster, eine der Initiatorinnen des Jugendangebotes „Sankt.“ und Mitglied des Diözesanrates, die mit „Trotzdem Ostern“ ein digital-analog verschränktes Projekt konzipierte, das ebenfalls intensiv genutzt wurde: Auf Anfrage wurden analoge Feierhefte versendet, die für eine Gemeinschaft über digitale Medien genutzt werden konnten, 1.200 Bestellungen mussten bearbeitet werden. „Zu merken, dass Gemeinschaft digital stark und berührend sein kann, war eine gute und neue Erfahrung“, so Ganster. Digitale Andachten, ein gemeinsames Gründonnerstagsmahl und viele unglaublich berührende Rückmeldungen und Gespräche zeigen, dass Seelsorge im Netz eine gute Möglichkeit ist, Menschen zu erreichen. Auch die Wortgottesfeiern von Jugendlichen mittels Instagram-Stories wurden oft abgerufen. „Es ist genau das der Auftrag der Kirche: Da zu sein, eine Verbindung zu Menschen aufbauen, eine Beziehung leben, über welches Medium auch immer“, so Ganster. Vielen Menschen fiel es zudem leichter, sich über ein Medium zu nähern, ehrlich zu sein, sich im Schutz der Anonymität auch öffnen zu können, fasst Ganster ihre Eindrücke zusammen. 

 

„Es ist bestärkend, zu sehen, dass Kirche nachgefragt und gesucht und dank vieler digitaler Angebot auch online gefunden werden kann“, so die Leiterin des Kommunikationsreferates der Diözese St. Pölten, Katharina Brandner. Die Zugänglichkeit digitaler Inhalte über mehrere Kanäle und sinnvolle Medienkooperationen wie mit NÖN.at und Servus TV bedeutet, über mehrere Plattformen gesehen zu werden. „Aus Medienarbeitssicht ist das natürlich eine zukunftsfähige Möglichkeit, viele Menschen Teil der Feiergemeinschaft werden zu lassen“, ist Brandner erfreut, dass die in vielen Bereichen längst übliche Praxis digitaler Angebote nun seitens kirchlicher Entscheidungsträger selbst positiv erkannt wird. Einen wichtigen „Digitalisierungsschub" verortet das Medienreferat auch in der pfarrlichen Öffentlichkeitsarbeit. „Pfarren sind unglaublich kreativ in den Möglichkeiten der medialen Seelsorge, seien dies Streams oder Beiträge, oder Projekte wie „Ratschen in Patschen“, das der ORF Niederösterreich als Radioaktion übernommen hat. Auch gemeinsame digitale Feier- oder Gebetsstunden wurden initiiert. Das österreichweite und ökumenisch getragene gemeinsame Vater Unser, immer mit einer Kerze im Fenster und um 20.00 Uhr, wurde von vielen Pfarren übernommen“ freut sich Brandner über die gestärkte pfarrliche Öffentlichkeitsarbeit. Und auch das Kommunikationsreferat der Diözese beobachtet ein starkes Wachstum auf den eigenen Kommunikationskanälen. „Wir verzeichnen derzeit Zuwächse sowohl auf Facebook als auch Instagram, die weit über den alltäglichen Zahlen liegen“, so Brandner. So hat beispielsweise die Facebookseite von Bischof Alois Schwarz in den letzten 3 Wochen eine Abo-Steigerung von mehr als 100 Prozent, es haben sich also in 28 Tagen die Abonnenten der letzten 1,5 Jahre verdoppelt. Die Facebookseite der Diözese St. Pölten verzeichnet ebenfalls hohe fünfstellige Interaktions- und Beitragszugriffe und ein konstant hohes Abowachstum. "Besonders erfreulich dabei sind die vielen positiven Kommentare und das viele gute Feedback“, führt Brandner aus. Auch neue Plattformen wie die Diözesanseite auf dem Audioportal Soundcloud stellen eine Möglichkeit dar, Predigten und Impulse nachzuhören, wo auch immer Menschen gerade sind. „Kirchliche Kommunikationsarbeit wird sich durch die Coronakrise verändern“, ist Brandner überzeugt. „Insgesamt empfinde ich dies als eine Bestätigung der eigenen Kommunikationsstrategie, über vielfältige soziale Medien proaktiv und mit Glaubensthemen auch inhaltsstark zu kommunizieren. Es ist aber auch ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung. Es gilt nun, die Erfahrungen dieser für uns alle außergewöhnlichen Zeit in Zukunft weiter einfließen zu lassen“, so Brandner abschließend.