Hier finden Sie Inhalte zur Geschichte unserer Kirche und der Pfarre.
Geschichte von St. Andrä an der Traisen - im Überblick
Vermutlich seit Ende des 10. Jahrhundert war das Geschlecht der Edlen von Traisen in Niederösterreich ansässig. Walther, der erste hier namentlich bekannte Adelige, starb 1148, unverheiratet und kinderlos. Er hinterließ seinen Besitz der Kirche mit dem Wunsche, dass hier, auf seinem burgenähnlichen Wohnsitz, ein Augustiner Chorherrenkloster entstehen sollte. Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof von Passau und dem römischen Papst bezüglich der Zusammenlegung mit dem Kloster in St. Georgen, später Herzogenburg, wurde St. Andrä unter den päpstlichen Schutz gestellt. Eine kleine Klostergemeinschaft existierte vermutlich bereits ab 1150.
Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte das Kloster eine erste Blütezeit, tüchtige Pröpste förderten den wirtschaftlichen, aber auch den geistigen, karitativen und kulturellen Aufstieg. Ein Siechenhaus, ein Frauenkloster sowie eine Schule wurden errichtet. Der Ausbau der Klosteranlage und der im Kern romanischen Kirche waren Zeugnis einer bemerkenswerten Klosterkultur. Einen großen Einschnitt im geordneten Alltagsleben durch die Wirren der Reformation gab es im 15. und 16. Jahrhundert. 1529 und 1683 verwüsteten türkische Streifscharen das Kloster und die Kirche, darunter auch das Grabmal vom Klostergründer Walther von Traisma sowie die gotische Marienstatue, die jedoch wiederhergestellt und barockisiert wurde. Propst Augustinus von Erath begann mit dem Umbau des Kirchturmes, zur Renovierung der Kirche fehlte das Geld. Die Chorherren unterstützten die Bevölkerung beim Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser um sie wieder bewohnbar zu machen. Die monumentale Mariensäule errichtete Propst Erath im Jahre 1710. Sein Nachfolger Anton von Ruckenbaum stellte das gesamte Kloster und die Kirche wieder her, stattete den Innenraum mit heute noch ersichtlichen Werken von Paul Troger, u.a. mit Fresken und dem Hochaltarbild, Seitenaltäre von Johann Georg Schmid und einer prächtigen Kanzel von Joseph Mathias Götz aus. Leider dauerte die Freude über das Bestehen des Klosters nicht lange, da Kaiser Joseph II. das Kloster 1783 aufhob. Die Pfarre wurde dem Stift Herzogenburg einverleibt. Der Ort hatte damals ca. 335 Untertanen. Das Stiftsgebäude wurde 1828 verkauft und dem Armenfond der Stadt Wien übergeben. Die nunmehr „verbliebenen Gebäude“ wurden zum Versorgungshaus für 300 arme Wiener Bürger „umfunktioniert“. Dies bedeutete jedoch auch für die Ortsbewohner diverse Arbeits-möglichkeiten neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung. Ein Großbrand im Jahre 1853, ausgelöst von einem Heimbewohner, hatte bedeutende Folgen für den Kirchturm und einigen angrenzenden Häusern.
1850 wurde als erster Bürgermeister von St. Andrä Herr Georg König gewählt, der letzte vor der Eingemeindung nach Herzogenburg im Jahre 1972 war Herr Johann Mistelberger, abgelöst in der Folgezeit durch Ortsvorsteher der Katastralgemeinde St. Andrä/Traisen. Die Volksschule und der Kindergarten blieben jedoch weiterbestehen. Das mittlerweile umbenannte Geriatriezentrum hatte 2015 seine Pforten geschlossen.
Dr. Christine OPPITZ


Das Foto der Flugaufnahme von St. Andrä um 1938 stammt aus dem Archiv.