Aufruf zum Gebet
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Pfarren!
Liebe Schwestern und Brüder!
Die anhaltende Trockenheit und Dürre dieses Sommers stellt viele Menschen in unserem Land vor große Herausforderungen. Besonders betroffen sind unsere Bäuerinnen und Bauern sowie alle, die in der Land- und Forstwirtschaft tätig sind. Vielerorts sind erhebliche Ernteausfälle zu beklagen. Was über Monate mit großer Sorgfalt gesät, gepflanzt und gepflegt wurde, kann nicht in der erhofften Weise eingebracht werden. Auch unsere Wälder leiden unter Trockenheit und Hitze.
Hinter den Nachrichten über Niederschlagsmengen, ausgetrocknete Böden und Ernteausfälle stehen Menschen und Familien. Sie sorgen sich um ihre Betriebe, um ihre wirtschaftliche Existenz und um die Zukunft. Viele tragen Verantwortung über Generationen hinweg. Sie bewirtschaften den Boden, pflegen unsere Kulturlandschaft, sorgen für Lebensmittel und tragen wesentlich dazu bei, dass unsere ländlichen Räume lebendig bleiben. Als Kirche wollen wir in dieser schwierigen Situation an ihrer Seite stehen.
Darum bitte ich alle Pfarren unserer Diözese, in den kommenden Gottesdiensten besonders für unsere Bäuerinnen und Bauern, ihre Familien und für alle in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen zu beten. Nehmen wir ihre Sorgen und Nöte mit vor Gott. Bitten wir um den notwendigen Regen, um Bewahrung vor Unwettern und weiteren Schäden und um Kraft, Zuversicht und gegenseitige Solidarität.
Eine besondere Gelegenheit dazu bietet uns das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August. In vielen Pfarren unserer Diözese werden an diesem Tag nach alter Tradition Kräuter gesammelt, zu Sträußen gebunden und im Gottesdienst gesegnet.
Gerade in diesem Jahr kann uns diese schöne Tradition neu berühren. Wir bringen die Kräuter vor Gott und danken für die Schönheit, Vielfalt und Heilkraft seiner Schöpfung. Zugleich sehen wir, wie verletzlich diese Schöpfung ist und wie sehr unser Leben von Wasser, fruchtbarer Erde und einem guten Zusammenspiel der Kräfte der Natur abhängt. Die Kräuter, Blumen und Feldfrüchte, die wir am Fest Mariä Himmelfahrt in unseren Händen halten, sind nicht selbstverständlich. Sie erinnern uns daran, dass wir Menschen bei allem Wissen, aller Technik und allem Fleiß Empfangende bleiben. Maria selbst besingt im Magnificat einen Gott, der auf die Niedrigen schaut und die Hungernden mit seinen Gaben beschenkt. Unter ihrem Schutz dürfen wir deshalb an diesem Fest besonders jene Menschen vor Gott tragen, die unter der gegenwärtigen Dürre leiden und deren Arbeit und Lebensgrundlage gefährdet sind.
Ich bitte daher die Pfarren, die Kräutersegnungen am Fest Mariä Himmelfahrt in diesem Jahr auch mit dem Gebet für unsere Bäuerinnen und Bauern, für die Land- und Forstwirtschaft und um den notwendigen Regen zu verbinden.
Unser Gebet ist dabei nicht Ausdruck einer Erwartung, wir könnten über Gott oder die Kräfte der Natur verfügen. Beten heißt vielmehr, unsere Abhängigkeit von Gott und zugleich unsere Verantwortung neu wahrzunehmen. Die Erde ist uns anvertraut, aber sie gehört uns nicht. Wir leben von dem, was wir empfangen. Gerade Zeiten der Dürre führen uns eindringlich vor Augen, wie kostbar Wasser, fruchtbarer Boden, gesunde Wälder und eine intakte Schöpfung sind.
Liebe Schwestern und Brüder, gerade in unserer Diözese wissen wir um die enge Verbindung zwischen Kirche, bäuerlichen Familien und dem Leben im ländlichen Raum. Diese Verbundenheit soll jetzt besonders spürbar werden. Suchen wir auch persönlich das Gespräch mit den Betroffenen. Fragen wir nach, wie es ihnen geht. Ein Wort der Anteilnahme, ein Zeichen der Wertschätzung und das Wissen, im Gebet mitgetragen zu sein, können in belastenden Zeiten viel bedeuten.
Allen Bäuerinnen und Bauern, ihren Familien und allen Menschen in der Land- und Forstwirtschaft sage ich von Herzen Dank für ihre tägliche Arbeit und ihren Dienst an uns allen. Ich versichere sie meines persönlichen Gebetes.
Maria, die Mutter des Herrn, die wir an diesem Fest als in den Himmel Aufgenommene feiern, begleite mit ihrer Fürsprache alle Menschen, die mit Sorge auf ihre Felder, Wiesen, Gärten und Wälder schauen.
Gott schenke unserem Land den notwendigen Regen, bewahre unsere Schöpfung und stärke alle, die in diesen Tagen um die Früchte ihrer Arbeit und um ihre Zukunft bangen.
Fürbitten sowie Einladungen: