Bildungshaus St. Hippolyt feiert 65-jähriges Jubiläum
Die Geschichte des Hauses reicht zurück in die Nachkriegsjahre. Damals erlebten die kirchliche Jugendarbeit und die Katholische Aktion einen starken Aufbruch. Damit wuchs auch die Notwendigkeit geeigneter Räumlichkeiten für Kurse und Veranstaltungen im Zentrum der Diözese.
Von der Schreckmühle zum Bildungshaus
Konkrete Gestalt nahmen die Pläne für ein diözesanes Bildungshaus in St. Pölten im Jahr 1957 an. Die Diözese erwarb das Areal Klostergasse 14/Eybnerstraße 5, die sogenannte Schreckmühle. Am 3. Oktober 1958 wurden der 36 Meter hohe Schlot der Mühle gesprengt und das Heizhaus abgerissen – der Beginn der Bauarbeiten für das neue Bildungshaus. Einen Monat später konnte Bischof Michael Memelauer den Grundstein segnen.
Dass die gesamte Diözese am Entstehen des Hauses „mitgeholfen“ hatte, zeigt eine Kirchensammlung: 408 Pfarren brachten insgesamt 835.882 Schilling für den Bau auf. Bis heute wird die Bildungsaufgabe des Hauses aus Mitteln des Kirchenbeitrags finanziert. Mit der Leitung des neuen Bildungshauses wurden Ordinariatsrat Josef Schwanke als geistlicher Rektor und Dipl.-Ing. Leo Prüller als Direktor betraut.
Bereits in der einige Tage zuvor gedruckten Ausgabe der St. Pöltner Kirchenzeitung vom 1. Oktober 1961 – sie trug damals den Namen „Christophorus“ – blickte Rektor Schwanke auf die bevorstehende Eröffnung. „Der 30. September wird als Markstein in die Geschichte unserer Diözese eingehen: unser Bildungs- und Exerzitienhaus erhält die kirchliche Weihe und öffnet für große Aufgaben seine Tore“, schrieb er.
Seine Hoffnung für das neue Haus formulierte Schwanke zugleich als Auftrag: St. Hippolyt möge „eine Stätte des Segens werden für den Einzelnen, für das pfarrliche Leben und somit für unsere ganze Diözese“. Darin spiegelte sich auch die damalige kirchliche Aufbruchsstimmung wider, die bereits vom Geist des von Papst Johannes XXIII. angekündigten Zweiten Vatikanischen Konzils getragen war.
Auftakt mit der Diözesansynode
Benannt wurde das neue Bildungshaus nach dem St. Pöltner Diözesanpatron Hippolyt von Rom. Die Einweihung am 30. September 1961 war allerdings vom Tod des beliebten Bischofs Michael Memelauer überschattet. Für seinen Nachfolger, Bischof Franz Zak, war es zugleich die erste Amtshandlung als Diözesanbischof, da er als Koadjutor automatisch die Nachfolge des verstorbenen Bischofs antrat.
Auch der Start des Bildungshauses war ein besonderer: Die erste große Veranstaltung war die bislang vorletzte St. Pöltner Diözesansynode, die vom 1. bis 4. Oktober 1961 tagte.
Schon bald war das Haus über die Diözese hinaus vernetzt. 1962 erfolgte die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Bildungsheime Österreichs sowie in die Arbeitsgemeinschaft der Volksbildungsheime Österreichs.
Das Bildungs- und Exerzitienangebot wurde rasch erweitert. Nur zwei Jahre nach der Eröffnung verzeichnete das Bildungshaus bereits 166 Kurse mit knapp 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Neben Veranstaltungen für junge Menschen und Angeboten der Gliederungen der Katholischen Aktion fanden auch zahlreiche Gastkurse statt.
Ein Haus, das sich immer wieder verändert
In den vergangenen 65 Jahren wurde das Bildungshaus mehrfach adaptiert und an neue Anforderungen angepasst. Eine besondere Veränderung erfuhr die ursprünglich schlicht gehaltene Kapelle im Jahr 1981. Der oberösterreichische Künstler Rudolf Kolbitsch gestaltete sie neu. Ausgangspunkt war für ihn der Gedanke, dass der Altar das Zentrum der Kapelle sein solle – so wie die Eucharistie die zentrale Feier der Christen ist. Entsprechend schuf Kolbitsch die wandhohen Bildtafeln und Fenster zu zentralen Glaubensthemen.
1992 wurde ein großer Zubau mit Tiefgarage, Tagungsräumen und modernen Zimmern eröffnet. Die bislang letzte umfassende Modernisierung erfolgte 2018. Dabei erhielten die Vortragsräume und Säle eine zeitgemäße Ausstattung. Vor allem aber wurde der Eingangsbereich neu konzipiert – jener Bereich also, der Besucherinnen und Besuchern den ersten prägenden Eindruck vom Haus vermittelt. Auch das Café wurde aufgefrischt und vom Flair der 1970er-Jahre der Vergangenheit befreit.
Neu hinzugekommen ist ein Meditationsraum, der bewusst ohne Schmuck und Bilder auskommt. Lediglich die Zahl der Säulen und Lichter nimmt Bezug auf eine jüdisch-christliche Symbolik.
Nachhaltigkeit gehört zum Alltag
Verantwortung für die Schöpfung und Nachhaltigkeit sind im hiphaus nicht nur Themen zahlreicher Veranstaltungen, sondern werden auch im täglichen Betrieb gelebt. Das reicht von der bevorzugten Verwendung frischer Lebensmittel aus regionaler Herkunft bis hin zur Reinigung.
2018 wurde das Bildungshaus St. Hippolyt mit dem Umweltzeichen ausgezeichnet. Der Einsatz von Energie und Wasser wird kontinuierlich analysiert und optimiert. Einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung leisten das seit 2022 bestehende Kleinwasserkraftwerk, das in Kooperation mit der Diözese St. Pölten betrieben wird, sowie die Photovoltaikanlage.
Kunst, Kultur und Musik
Auch Kunst und Kultur haben im Bildungshaus ihren festen Platz. In regelmäßigen Ausstellungen präsentiert das St. Hippolyt meist Werke lebender Künstlerinnen und Künstler. Damit eröffnet das Haus seinem Publikum eine weitere Möglichkeit, mit Fragen des Lebens ebenso wie des Glaubens in Berührung zu kommen. Zahlreiche Kunstobjekte im gesamten Haus stammen von bekannten Kunstschaffenden.
Zunehmend entdecken auch Chöre aus ganz Österreich die Infrastruktur des Bildungshauses für Probewochenenden. Neben Quartier und Verpflegung stehen dafür in den beiden Sälen jeweils Konzertflügel zur Verfügung.
Auch eigene Veranstaltungen verbinden Bildung, Kultur und Musik. Beispiele dafür sind ein „musikalisches Bibelkabarett“ oder die „Ökumenischen Werktage für Kirchenmusik“, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Für die junge Zielgruppe gibt es seit 20 Jahren den „Bandworkshop – Popfactory“.
Das hiphaus heute: Bildung und Begegnung mitten in der Stadt
Wie vielfältig die Nutzung des Hauses heute ist, zeigt auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen: Rund 1.200 Veranstaltungen mit etwa 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern finden jährlich im hiphaus statt. Dazu kommen mehr als 10.000 Nächtigungen.
„Immer neue Bildungsanbieter werden auf die Möglichkeiten im Haus aufmerksam und halten ihre Aus- und Weiterbildungsangebote im hiphaus ab“, berichtet Rudolf Hörschläger, der das Bildungshaus seit 2024 leitet.
Dass das Haus aktuell über verschiedene Internetplattformen verstärkt als Hotel wahrgenommen und beworben wird, obwohl es weit mehr als eine Übernachtungsmöglichkeit bietet, hat auch mit seiner Lage zu tun. „Nächtigungen sind auch ohne Kursteilnahme möglich“, erklärt Hörschläger. Die Nähe zum Bahnhof und die zentrale Lage in der Landeshauptstadt machen das Haus auch für diese Gäste attraktiv.
Das Bildungshaus ist zudem Partnerbetrieb von „9 Plätze – 9 Schätze – Mariazellerbahn: Schönster Platz Österreichs!“. Vergünstigte Fahrkarten für die Mariazellerbahn können direkt im Haus gekauft werden.
Für Hörschläger ist das hiphaus vor allem eines: „eine Oase in der Stadt“. Dazu tragen der Meditationsraum, die Kapelle und auch die grünen Inseln im Freien bei. Für einen angenehmen Aufenthalt sorgen insgesamt 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vom Empfang über Programmplanung und Büro bis hin zu Küche, Service, Reinigung und Haustechnik.
65 Jahre Geschichte – und viele Begegnungen
65 Jahre Bildungshaus St. Hippolyt stehen damit für weit mehr als eine Abfolge von Bauprojekten, Kurszahlen und Veranstaltungen. Das Haus hat sich mit den Menschen und ihren Bedürfnissen verändert – von den ersten Exerzitien und kirchlichen Bildungsangeboten über Diözesansynode und ökumenische Veranstaltungen bis hin zu modernen Aus- und Weiterbildungsformaten, Kultur, Musik und neuen Formen der Begegnung.
Was Rektor Josef Schwanke 1961 als Wunsch formulierte, hat dabei nichts an Aktualität verloren: St. Hippolyt sollte eine „Stätte des Segens“ für den Einzelnen und für das pfarrliche Leben sein. Heute ist das Haus offen für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Interessen und Anliegen – und bleibt damit ein Ort, an dem Bildung und Begegnung mitten in der Stadt ihren Platz haben.
Jubiläumsfeier am 26. September 2026
Gefeiert wird das 65-Jahr-Jubiläum am Samstag, 26. September 2026, ab 16.30 Uhr. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.
Zum Auftakt gibt es im Haus „Zeit für Erinnerungen“: Eine Zeitleiste lädt dazu ein, die Geschichte des Bildungshauses nachzuverfolgen und mit persönlichen Erinnerungen zu ergänzen. Im Café steht die Begegnung im Mittelpunkt und bietet Raum für Gespräche und Austausch. Eine Fotoausstellung gibt Einblicke in die Geschichte des Hauses.
Auf die persönlichen Erinnerungen und Begegnungen folgt ein Festakt in Kapelle und Festsaal. Den Abschluss bildet ein Buffet im Café.
65 Jahre hiphaus: ein Jubiläumsangebot für „Kirche bunt“
Auch über die Jubiläumsfeier hinaus gibt es Gelegenheit, das Bildungshaus kennenzulernen. Für die Leserinnen und Leser der „Kirche bunt“ bietet das hiphaus im kommenden Advent ein besonderes Jubiläumsangebot:
Von 27. November bis 17. Dezember 2026 kostet die Übernachtung im Doppelzimmer 65 Euro pro Nacht inklusive Frühstücksbuffet, Nächtigungsabgabe und Begrüßungsgetränk (Tee oder Kaffee).
Buchungen sind unter hiphaus@dsp.at oder telefonisch unter +43 2742 352104 möglich. Als Codewort ist „hiphaus65“ anzugeben.
Weitere Veranstaltungen unter Bildungshaus St.Hippolyt