Vortrag von Dr. Maria Wolter
Die erste und grundlegende Frage, „Sind wir wirklich geliebt?“, erläuterte sie anhand einer Gegenüberstellung zweier Denker: des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre und Papst Johannes Pauls II. Während Sartre hauptsächlich Ekel (La Nausée) vor der Welt empfunden und sie als zerbrochen und hässlich beschrieben habe, sei es Johannes Paul II. trotz schwerer Schicksalsschläge – er hatte bereits jung seine Familie verloren und ein Arbeitslager erlebt – gelungen, der Welt Schönheit abzugewinnen. Trotz Hass und Krieg gebe es eine höhere Ordnung, die aus der Liebe entspringe.
Für Jean-Paul Sartre war das Leben sinnlos. Deshalb müsse der Mensch selbst einen Sinn erzeugen, sich selbst verwirklichen und bejahen. Das Leben sei insgesamt ein Kampf um Selbstbehauptung, während die Liebe – das Bejahen des Anderen – in dieser Logik schwierig erscheine. Für Johannes Paul II. hingegen sei das Leben ein Geschenk, das der Mensch empfangen könne, wenn er sich dafür öffne.
Diese beiden grundsätzlich verschiedenen Positionen erweiterte Wolter um einen zweiten Gedanken: Was trug das Christentum, insbesondere die Inkarnation, zum hellenistischen Erbe bei? Was offenbart uns Christus, und war das Christentum tatsächlich eine Revolution? Die Griechen hätten bereits eine ausgeprägte Vorstellung von Liebe gehabt. Diese sei aus einem Mangel entstanden und habe sich als Sehnsucht nach Verschmelzung und Einheit verstanden, sei jedoch letztlich Mittel zum Zweck gewesen. Das Ziel sei laut Platon die Vereinigung mit den absoluten Ideen im Himmel. Mit der Inkarnation wurde die Liebe von einer Theorie zu einer Erfahrung. Das Erhabene neige sich dem Gewöhnlichen zu: Gott sei nicht nur der unbewegte Beweger, sondern erniedrige sich selbst.
In zwei weiteren Punkten erläutert sie, wie und warum das eigentliche Ziel bereits in der Genesis angelegt ist. Adam sei unzufrieden, und seine Sehnsucht werde durch Eva gestillt. Die Liebe werde zur wichtigsten Realität. Die Schöpfung sei eine Berufung zur Liebe und sei nicht nur ein einmaliger Moment, sondern müsse immer wieder neu aktualisiert werden. Es reicht nicht nur zu existieren, im Geliebtsein werden wir bestätigt. Der liebende Blick auf ein Kind lasse dieses wachsen, doch darin liege noch nicht das letzte Ziel. Vielmehr gehe es darum, dass es selbst einmal fähig werde, sich zu verlieren und sich in der Liebe zu verschenken.
Schließlich ergänzte Wolter ihre Ausführungen um einen letzten wesentlichen Gedanken: die Theologie des Leibes. Der Leib sei nicht nur ein Gefäß oder eine Hülle, sondern die Art und Weise, wie wir lieben. Er sei ein Symbol der Liebe (Johannes Paul II.), und die Sexualität sei untrennbar mit der Seele verbunden.
Zum Abschluss ermutigte Maria Wolter die Teilnehmenden, Apostel der Freude zu sein: Wenn wir fest daran glauben, dass wir geliebt sind, sei die Frohe Botschaft keine Theorie, sondern lebendig.