P. Wolfgang Mayrhofer OSB
Bruno Mayrhofer wurde am 5. Oktober 1949 in Artstetten (Diözese St. Pölten) geboren. Er absolvierte die Volksschule in Artstetten und anschließend das Stiftsgymnasium in Melk, wo er 1967 maturierte. Während seiner Gymnasialzeit besuchte er das Konvikt. Am 5. August 1967 trat er als fr. Wolfgang in das Stift Melk ein. Die zeitlichen Gelübde legte er am 15. August 1968 ab, die feierlichen Gelübde vier Jahre später, am 15. November 1972.
Die Priesterweihe erfolgte am 8. Mai 1975.
An der Universität Salzburg studierte er von 1967 bis 1974 Theologie und anschließend Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien.
Von 1984 bis 2020 war er Kapitelsekretär, von 1985 bis 2022 Mitglied des Wirtschaftsrates. Von 1985 bis 2000 bekleidete er das Amt des Subpriors.
P. Wolfgang verstarb am 11. August 2026 nach längerer Krankheit und einem kurzen Aufenthalt im Landesklinikum Melk.
P. Wolfgang war ein hoch intelligenter, gebildeter und hilfsbereiter Mitbruder, der sich durch absolute Loyalität zu unserem Haus auszeichnete. Das Stift Melk stellte den
Kosmos dar, in dem er lebte und bis zum Ende leben wollte. „Keine Nacht mehr außer Haus“, verkündete er vor vielen Jahren, als er in seiner Funktion als Vizezentraldirektor einer zweitägigen geschäftlichen Einladung ins Burgenland
folgen musste. Daran hat er sich bis zu seinem Tod gehalten – abgesehen von wenigen Nächten, die er im Spital verbringen musste.
Niemals suchte P. Wolfgang das Besondere und doch finden sich in seinem Leben viele außergewöhnliche Züge:
So eignete sich P. Wolfgang sein Wissen in der Theologie nicht durch den Besuch von Vorlesungen an, sondern indem er als
hervorragender Schreibmaschinenschreiber die handschriftlichen Notizen der Mitstudenten in Skripten verwandelte, die vervielfältigt werden konnten. Später
tippte er Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen für andere ab. Auswechselbare Kugelköpfe bei den Schreibmaschinen ermöglichten es ihm, auch
nichtlateinische Schriftzeichen in die Texte zu integrieren. Und dann führte er in der Zentraldirektion den ersten Computer im Stift ein. Die von ihm selbst geschriebenen Programme bildeten über Jahrzehnte hinweg die Grundlage für die Grundstücks- und Pachtverwaltung des Stiftes und waren bis zum vergangenen Jahr im Einsatz.
P. Wolfgang erhielt die Priesterweihe – wer ihn kannte, wusste jedoch, dass er sich mehr der Verwaltung des Stiftsbetriebs und der Instandhaltung des Stiftsgebäudes als den liturgischen Aufgaben verbunden fühlte. Zur Primiz wünschte
er sich von seiner Heimatgemeinde kein Messgewand, sondern einen leistungsfähigen Taschenrechner. Allerdings war P. Wolfgang auch, wie es ein Mitbruder einmal ausgedrückt hat, ein „versteckter Seelsorger“, der sich gerade in seinen Tätigkeitsbereichen Menschen zuwandte, die ins Hintertreffen zu geraten drohten.
Selten war er als Zelebrant zu sehen, zweimal jedoch fungierte er als Primizprediger.
Der engste Vertraute im Konvent von P. Wolfgang war P. Severin, sein Maturakollege, der nur wenige Monate vor ihm – im Oktober 2025 – verstorben ist.
Gemeinsam haben sie viele Jahre an den Abenden Leitungen gestemmt, etwa im Bereich des Konvikts oder im Pfarrhof Traiskirchen. Nicht der Habit war das äußerliche Markenzeichen von P. Wolfgang, sondern die dicke Natojacke, die er im Winter wie im Sommer anhatte. Wenn er von Gästen für einen Mitarbeiter des stiftlichen Bauamtes gehalten wurde, fühlte er sich geehrt.
Auch Forst und Jagd waren wichtige Bereiche für P. Wolfgang. Er stand dabei in gutem Kontakt mit den Mitarbeiter*innen in den Forstbetrieben des Stiftes und den Jagdpächtern. Einmal jährlich musste er als Jagdleiter selbst ansitzen; seine
Freude war es aber sicher, wenn andere und nicht er selbst zur Jagd gingen.
P. Wolfgang war ein großer Liebhaber klassischer Musik, der nicht nur über eine große Sammlung von Tonträgern verfügte, sondern auch über viele gebundene Partituren großer Werke. Leider gab er selbst das Klavierspielen auf, als eine Taste seines Klaviers ihre Funktion eingebüßt hatte. Zur Musik trat eine weitere Tätigkeit, für die er viel Zeit aufwandte: eine internationale Markensammlung, die
neben den Marken aus europäischen Ländern auch solche aus Kap Verde, dem Kongo und von der UNO umfasst. Es war dies die letzte Tätigkeit, der er noch bis knapp vor seinem Tod nachging: Vor wenigen Wochen bat er um ein Türkisch
wörterbuch, um sein Verständnis für die Marken aus der Türkei vertiefen zu können.
Trotz seiner stark angegriffenen Gesundheit konnte P. Wolfgang bis zwei Tage vor seinem Tod in seinem Zimmer in der Klausur – in einem freilich immer eingeschränkteren Umfeld – leben. Unser Dank als Gemeinschaft gilt allen, die ihm das ermöglicht haben: dem Hilfswerk, den Pflegern, Ärzt*innen und Mitarbeiter*innen.
P. Wolfgang hat trotz fortschreitender Krankheit nie geklagt. Am Dienstag, dem 11. August schlief er im Landesklinikum Melk friedlich ein.
P. Wolfgang bleibt sicher vielen über seinen treffenden Humor in Erinnerung. Er hat sehr stark aus Erzählungen der Vergangenheit gelebt, die er gerne weitergab.
Viele der Kuriositäten, die er erlebt hat, erzählte er so, dass man irgendwann meinte, selbst dabei gewesen zu sein. Manche dieser Geschichten werden sicher noch lange weitererzählt werden.
P. Wolfgang wird am Montag, dem 24. August 2026,
in der Stiftskirche Melk aufgebahrt;
ab 9.00 Uhr besteht die Möglichkeit,
sich von ihm zu verabschieden.
Um 14.00 Uhr wird das Requiem gefeiert,
anschließend wird P. Wolfgang in der Gruft des Stiftes bestattet.