Die Traditionen der Heiligen Drei Könige in Europa
Mitteleuropa: Sternsingen und Haussegen
In Deutschland und Österreich ist vor allem der Brauch des Sternsingens verbreitet. Kinder verkleiden sich als die drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – ziehen von Haus zu Haus, singen Lieder und sammeln Spenden für wohltätige Zwecke. Dabei schreiben sie mit Kreide den traditionellen Haussegen über die Tür: 20+C+M+B+26
Die Buchstaben werden volkstümlich oft als Namen der Könige gedeutet, stehen jedoch ursprünglich für den lateinischen Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“).
Die sterblichen Überreste der heiligen drei Könige sind noch heute im Kölner Dom aufbewahrt.
Frankreich und Belgien: Die Galette des Rois
In Frankreich und Belgien ist der Dreikönigstag vor allem ein kulinarisches Fest. Traditionell wird die Galette des Rois, ein Blätterteigkuchen mit Mandelcreme, gegessen. In dem Kuchen ist eine kleine Figur (früher eine Bohne) versteckt. Wer sie findet, wird für einen Tag zur Königin oder zum König gekrönt und darf oft bestimmen, wer die nächste Galette bezahlt.
Spanien: Die eigentlichen Geschenkbringer
In Spanien spielen die Heiligen Drei Könige eine besonders zentrale Rolle, denn dort bringen nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern Los Reyes Magos. Am Abend des 5. Januar finden in vielen Städten große Umzüge (Cabalgatas) statt. Die Kinder stellen in der Nacht Schuhe bereit, in die am nächsten Morgen die Geschenke gelegt werden.
Italien: La Befana
In Italien ist die Epiphanie eng mit der Figur der Befana verbunden, einer alten Frau auf einem Besen. Der Legende nach wollte sie die Weisen begleiten, verpasste sie jedoch und sucht seitdem das Jesuskind. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar bringt sie den Kindern Geschenke oder – bei Unartigkeit – Kohle aus Zucker.
Osteuropa und orthodoxe Traditionen
In vielen orthodox geprägten Ländern wie Russland, Serbien oder Rumänien wird Epiphanie nach dem julianischen Kalender gefeiert, meist am 19. Januar. Im Mittelpunkt stehen Wasserweihen und symbolische Tauchrituale, die an die Taufe Jesu im Jordan erinnern. Dabei segnet der Priester Wasser, oft im Freien an Flüssen, Seen oder am Meer. In manchen Regionen wirft er ein Kreuz ins Wasser, das junge Männer herausholen – ein Akt, der Mut, Glauben und Segen symbolisiert. Das geweihte Wasser gilt als besonders heilig und wird von den Gläubigen mit nach Hause genommen, um Häuser, Felder und Familien zu segnen. In slawischen Ländern gehören zudem Eisbäder zu den bekannten Bräuchen. Gläubige tauchen dabei – häufig in kreuzförmig ins Eis geschnittene Öffnungen – dreimal unter, im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit. Dieser Brauch ist weniger liturgische Pflicht als Ausdruck persönlicher Frömmigkeit und Buße.
Das Fest der Heiligen Drei Könige zeigt eindrucksvoll, wie ein gemeinsames christliches Ereignis in Europa unterschiedlich interpretiert und gefeiert wird. Ob als religiöser Segen, fröhlicher Umzug oder familiäres Festessen – überall verbindet Epiphanie Glauben, Tradition und Gemeinschaft.