Gäste aus Kiew in St. Pölten
Im Gespräch mit Generalvikar Christoph Weiss schilderte der Weihbischof die leidvolle Geschichte der griechisch-katholischen Kirche während der Zeit des Sowjetregimes, als sie im Untergrund bestehen musste. Nach 1989 kam es zu einer raschen Wiederbelebung, insbesondere in der Westukraine, die jedoch auch von Spannungen mit der Orthodoxen Kirche begleitet war. Heute gehören etwa 6–8 % der Ukrainer der griechisch-katholischen Kirche an, mit einem deutlich höheren Anteil im Westen des Landes.
Seit Beginn des russischen Angriffs im Februar 2022 steht die Kirche klar an der Seite der leidenden Bevölkerung und unterstützt Menschen unabhängig von ihrer Konfession. Der Weihbischof zeigte sich überzeugt, dass Gott die Ukraine nicht aus dem totalitären Sowjetsystem geführt habe, um sie nun der Zerstörung preiszugeben.
Einen Schwerpunkt bildet die konkrete Hilfe vor Ort: So versorgt die Erzdiözese täglich rund 200 Bedürftige mit warmen Mahlzeiten, verteilt Stromgeneratoren und bietet seelsorgliche Begleitung durch auch psychologisch geschulte Priester an. Nach den schweren Zerstörungen der Energieinfrastruktur im vergangenen Winter wurde im Februar ein Antrag auf Soforthilfe an die Diözese St. Pölten gestellt. Geplant ist die Einrichtung von energieunabhängigen Zufluchtsorten in 15 Pfarren der Erzdiözese Kiew. Diese sollen bei Stromausfällen Wärme, Verpflegung sowie seelsorglichen und psychologischen Beistand bieten und mit Waschmöglichkeiten, Lademöglichkeiten sowie Internetzugang ausgestattet sein. Dank der Spenden aus der laufenden Osthilfesammlung konnte dieses Projekt bereits unterstützt werden.
Der Weihbischof dankte allen Spenderinnen und Spendern herzlich. Es sei nicht leicht, immer wieder um Hilfe zu bitten, doch angesichts der Not des eigenen Landes falle dieser Schritt letztlich leichter. Eindrücklich schilderte Pfarrer Vitaly Herasymiv anhand einer privaten Videoaufnahme nächtliche Raketenangriffe auf Kiew: „Es gibt Nächte, in denen an Schlaf nicht zu denken ist, weil Drohnen- und Raketenangriffe einander abwechseln.“ Nach Einschätzung der Delegation ist mittlerweile die gesamte Ukraine – auch die Westukraine – vom Krieg betroffen und dringend auf internationale Hilfe angewiesen. Die griechisch-katholische Kirche versteht sich als offene, soziale Kirche, die das Leid der Menschen auch durch geistlichen Beistand lindern möchte. Ein besonderes Anliegen ist die Begleitung von Menschen mit traumatischen Erfahrungen. Viele Priester wurden daher in psychologischer Betreuung geschult, um Betroffenen helfen zu können.
Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen des Krieges. Angst, Stress und Überforderung prägen ihren Alltag. Die Erzdiözese reagiert darauf mit vielfältigen Angeboten in den Pfarren: Jugendtreffen, Gebetsgruppen, Ferienlager, kreative Workshops und soziale Initiativen schaffen Räume der Erholung und Stabilisierung. Qualifiziertes Personal begleitet die Kinder und Jugendlichen dabei. Die Nachfrage nach diesen Angeboten wächst stetig.
Gerade für diese pastoralen und psychosozialen Projekte bittet Weihbischof Milyan um weitere Unterstützung durch die Osthilfe St. Pölten.
Mit Ihrer Unterstützung der Osthilfesammlung der Diözese St. Pölten helfen Sie mit, diese Projekte zu verwirklichen und schenken den Kindern in den Krisenregionen Osteuropas Hoffnung:
Spendenkonto: Caritas der Diözese St. Pölten
IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000
BIC: RLNWATWWOBG
Verwendungszweck: 6KPfX Osthilfe Einzelspende 2026